Gerhard Schröder besucht Putin zu dessen 74. Geburtstag
Veröffentlicht am: 09.10.2026 um 12:13 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSAlt-Bundeskanzler Gerhard Schröder hat in Moskau an der Geburtstagsfeier des russischen PrĂ€sidenten Wladimir Putin teilgenommen. SPD-Parteichef Lars Klingbeil bezeichnete den Besuch als âvöllig inakzeptabelâ und verwies auf Russlands âbrutalen Angriffskrieg gegen die Ukraineâ.
Schröder trifft Putin nach Moskau-Reise
Schröder war nach seiner Berufung in den Aufsichtsrat der russischen Handelskette Hyperglobus in die russische Hauptstadt gereist. ZunÀchst besuchte er eine Filiale des Unternehmens und sprach dort mit BeschÀftigten.
AnschlieĂend kam es zu dem Treffen mit Putin. Der Kreml teilte ĂŒber seinen Telegram-Kanal mit, der PrĂ€sident habe âseinen alten Freundâ zu sich nach Hause eingeladen, nachdem er aus Medien von Schröders Aufenthalt in Moskau erfahren habe.
Klingbeil grenzt SPD von Altkanzler ab
Klingbeil kritisierte den Auftritt gegenĂŒber der SĂŒddeutschen Zeitung deutlich. Russland fĂŒhre einen brutalen Angriffskrieg gegen die Ukraine und habe unermessliches Leid ĂŒber die Menschen dort gebracht, erklĂ€rte der SPD-Chef.
Schröder war von 1998 bis 2005 Bundeskanzler und pflegt seit seiner Amtszeit eine enge Beziehung zu Putin. Wegen seiner Kontakte zum Kreml und seines Engagements fĂŒr russische Energieunternehmen steht er seit Jahren in der Kritik.
Politische Reaktionen auf den Besuch
Der Besuch löste auch auĂerhalb der SPD scharfe Reaktionen aus. Schröder hatte Putin bereits wĂ€hrend des Krieges wiederholt getroffen; der Kreml brachte ihn zudem mehrfach als möglichen Vermittler fĂŒr GesprĂ€che zwischen Russland und der EuropĂ€ischen Union ins GesprĂ€ch.
Der Besuch fĂ€llt in eine Phase, in der Schröders NĂ€he zum russischen PrĂ€sidenten in Deutschland seit Jahren parteiĂŒbergreifend kritisiert wird. Der frĂŒhere Bundeskanzler unterhĂ€lt weiterhin persönliche und wirtschaftliche Verbindungen nach Russland; im Juni trafen sich Schröder und Putin bereits im Kreml zu einem GesprĂ€ch unter vier Augen.
Politisch besonders belastet ist der Vorgang durch den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Ein Auftritt Schröders bei Putins Geburtstagsfeier kann deshalb nicht nur als private Begegnung gelesen werden: Er berĂŒhrt auch die Frage, welche öffentliche Wirkung ein ehemaliger deutscher Regierungschef mit seiner PrĂ€senz beim russischen PrĂ€sidenten entfaltet.
Politische Bedeutung fĂŒr die SPD
Klingbeils Reaktion markiert eine klare Abgrenzung der ParteifĂŒhrung von Schröders Russlandkurs. Der Altkanzler ist zwar nicht mehr in einem staatlichen Amt, bleibt wegen seiner frĂŒheren Kanzlerschaft und seiner fortbestehenden Bekanntheit jedoch politisch symboltrĂ€chtig. FĂŒr die SPD verschĂ€rft der Auftritt damit die Notwendigkeit, die eigene Haltung zu Russlands Krieg und zu Schröders AktivitĂ€ten sichtbar voneinander zu trennen.
Hinzu kommt Schröders neue TĂ€tigkeit im Aufsichtsrat des russischen Handelsunternehmens Hyperglobus. Sein Moskau-Besuch hatte damit zunĂ€chst einen geschĂ€ftlichen Anlass, fĂŒhrte anschlieĂend aber zu einem persönlichen Treffen mit Putin. FĂŒr die deutsche Debatte bleibt entscheidend, ob Schröder kĂŒnftig erneut als möglicher Vermittler zwischen Russland und europĂ€ischen Staaten auftritt oder ob seine Kontakte ausschlieĂlich privat und unternehmerisch bleiben.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
n-tv: âSchröder feiert Putins Geburtstag in Moskauâ (08.10.2026)
Der Bericht bestÀtigt Schröders Teilnahme an Putins Geburtstagsfeier und stellt den vorausgegangenen Besuch in einer Hyperglobus-Filiale als eigentlichen Reiseanlass heraus. ZusÀtzlich ordnet er Schröders langjÀhrige Beziehung zu Putin und die wiederholten Treffen seit Beginn des Krieges ein.
Frankfurter Rundschau: ââVerrat und Schandeâ: Altkanzler Schröder reist zu Putins Geburtstagspartyâ (09.10.2026)
Der Artikel bestĂ€tigt ebenfalls den Besuch und rĂŒckt stĂ€rker die Reaktionen aus dem politischen Raum in den Mittelpunkt. Anders als n-tv berichtet die Frankfurter Rundschau ausfĂŒhrlicher ĂŒber die Kritik von Marie-Agnes Strack-Zimmermann und Katrin Göring-Eckardt; offen bleibt, welche weiteren politischen Folgen der Auftritt fĂŒr Schröders VerhĂ€ltnis zur SPD hat.
MedienĂŒbergreifend besteht Einigkeit ĂŒber den Ablauf: Schröder reiste nach Moskau, besuchte zunĂ€chst eine Hyperglobus-Filiale und traf danach Putin an dessen 74. Geburtstag. Die Schwerpunkte unterscheiden sich vor allem bei der politischen Bewertung und beim Gewicht der öffentlichen Kritik.
