Testzeit, E-Patientenakte

Ärzte fordern mehr Testzeit fĂŒr E-Patientenakte

20.02.2025 - 17:12:40

Gesundheitsdaten sollen Versicherte in ganz Deutschland bald in digitalen Akten parat haben. Zuerst lĂ€uft dafĂŒr aber eine Probephase in drei Regionen - von dort werden Startschwierigkeiten gemeldet.

Wegen Anlaufproblemen in den drei Modellregionen fĂŒr die elektronische Patientenakte (ePA) fordern die Vertretungen der PraxisĂ€rzte mehr Zeit bis zum bundesweiten Startschuss. Die Pilotphase laufe nach fĂŒnf Wochen immer noch nicht vollumfĂ€nglich, kritisierten die KassenĂ€rztlichen Vereinigungen in Bayern, Hamburg, Nordrhein und Westfalen-Lippe. Sie appellierten an Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD), den Zeitplan zu strecken. Eine zu frĂŒhe EinfĂŒhrung könne die QualitĂ€t der Software, die Sicherheit der Akten und die Akzeptanz der Bevölkerung gefĂ€hrden.

Seit 15. Januar haben inzwischen 70 Millionen der gut 74 Millionen gesetzlich Versicherten in ganz Deutschland eine ePA von ihrer Krankenkasse angelegt bekommen - man kann es fĂŒr sich auch ablehnen. Der operative Betrieb wird zunĂ€chst nur in drei Modellregionen getestet. In Hamburg mit Umland, Franken und Teilen Nordrhein-Westfalens startete am 15. Januar eine Pilotphase. Rund 300 Praxen, Apotheken und Kliniken sollen die ePA im Alltag ausprobieren. Der bundesweite Einsatz soll folgen, sobald das System in den Regionen stabil lĂ€uft.

Ministerium: Test soll Probleme erkennen 

Das Gesundheitsministerium in Berlin erklĂ€rte auf Anfrage, der bundesweite «Roll-Out» solle wie mehrfach angekĂŒndigt voraussichtlich zu Beginn des zweiten Quartals erfolgen - es beginnt im April. Kritik in der Pilotphase eines Digitalprojekts dieser GrĂ¶ĂŸenordnung sei normal und sogar erwĂŒnscht, sagte ein Sprecher. Um Probleme zu erkennen und zu lösen, sei der Test in den Regionen gedacht. Darauf aufbauend, wĂŒrden technische Anpassungen und Sicherheitsupdates in der Pilotphase eingearbeitet, bevor der «Roll-out» erfolgt.

Nach Angaben der KassenÀrztlichen Vereinigungen berichten Praxen in den drei Modellregionen weiterhin von fehlenden technischen Voraussetzungen oder Komplikationen, die ein wirksames Testen verhinderten. In Westfalen-Lippe habe ein Drittel der Pilotpraxen die E-Akte noch gar nicht ausprobieren können.

Die mehrheitlich bundeseigene Digitalagentur Gematik hatte angekĂŒndigt, Mitte MĂ€rz eine Zwischenbilanz zu ziehen. Bei einem positiven PrĂŒfungsergebnis könne eine bundesweite EinfĂŒhrung ab April möglich sein. Die KassenĂ€rztlichen Vereinigungen warnten, dieses Zeitfenster sei «deutlich zu knapp bemessen», um die wichtigsten festgestellten technischen Probleme zu beseitigen.

Sorge: Frustrierte Ärzte und verĂ€rgerte Patienten 

«Ein ĂŒbereiltes Ausrollen der ePA fĂŒhrt zu Frust in den Praxen und aufgrund unerfĂŒllter Erwartungen zu VerĂ€rgerung bei den Versicherten. Im schlimmsten Fall lehnen Praxen und Patienten die ePA dann einhellig ab», begrĂŒndete die KassenĂ€rztliche Vereinigung in Bayern. Die ePA soll ein digitaler Speicher etwa fĂŒr Befunde, Laborwerte und Angaben zu Medikamenten sein und Patienten ein Leben lang begleiten. Man kann sie ĂŒber Apps der Kassen am Smartphone ansehen.

@ dpa.de