ROUNDUP, Lauterbach

Lauterbach will Schaden durch MaskenkÀufe minimieren

04.07.2024 - 17:38:34

Gesundheitsminister Karl Lauterbach will drohende Milliardenrisiken fĂŒr den Bund infolge von MaskenkĂ€ufen zu Beginn der Corona-Krise möglichst gering halten.

"Ich arbeite an einer Minimierung des Schadens", sagte der SPD-Politiker nach einer Sondersitzung des Gesundheitsausschusses in Berlin.

Er glaube, dass ein maximaler Schaden von 2,3 Milliarden Euro abgewendet werden könne, machte er mit Blick auf den Streitwert aktueller Klageverfahren deutlich. Lauterbach sagte, dass der Bund nach einer juristischen Niederlage in einem Fall am Oberlandesgericht Köln eine PrĂŒfung durch den Bundesgerichtshof begehre. Er glaube, dass sich zum Schluss die Rechtsauffassung des Gesundheitsministeriums durchsetzen werde. Er rĂ€umte aber ein, dass damals "ein sehr anfĂ€lliges Verfahren" gewĂ€hlt worden sei, weswegen es nun Auseinandersetzungen gebe.

Spezielle LiefervertrÀge

Hintergrund sind VertrĂ€ge zu Beginn der Pandemie von 2020, als SchutzausrĂŒstung knapp, aber dringend benötigt war. Um schneller an Masken fĂŒr das Gesundheitswesen zu kommen, wandte das Ministerium ein besonderes Verfahren an. Dabei kamen LiefervertrĂ€ge ohne weitere Verhandlungen zu festen Preisen zustande. Vielfach verweigerte das Ressort spĂ€ter die Bezahlung und machte QualitĂ€tsmĂ€ngel geltend. Daraufhin klagten Lieferanten. Aktuell sind noch in etwa 100 FĂ€llen Klagen mit einem Streitwert von insgesamt 2,3 Milliarden Euro erhoben, wie das Ministerium mitgeteilt hatte.

GrĂŒnen-Gesundheitsexperte Janosch Dahmen sagte nach der Ausschusssitzung, man komme zu dem Eindruck, dass mit den bisherigen regulĂ€ren parlamentarischen Instrumenten eine AufklĂ€rung nicht in hinreichendem Maße erreicht werden konnte. "Man wird deshalb auch ĂŒber einen Untersuchungsausschuss zur MaskenaffĂ€re reden mĂŒssen." Dahmen wies unter anderem auf mehrere ungeklĂ€rte Fragen einer damaligen Auftragsvergabe an ein Logistikunternehmen hin.

AufklÀrung in welcher Form?

Auch die FDP-Gesundheitspolitikerin Kristine LĂŒtke sagte, es blieben mehr Fragen offen, als Antworten gegeben worden seien - etwa bei der Beauftragung der Logistikfirma. Ein Untersuchungsausschuss "wĂ€re eine Möglichkeit", sagte LĂŒtke. Sie bekrĂ€ftigte aber zugleich die Forderung nach einer Enquetekommission des Bundestags, um "das Gesamtbild der Entscheidungen" in der Pandemie intensiv aufzuarbeiten.

Lauterbach sagte, er habe das angewandte Verfahren immer fĂŒr falsch gehalten, auch in anderen ZusammenhĂ€ngen. Auf der anderen Seite mĂŒsse man sehen, dass es damals eine Notlage gewesen sei. Nun gelte volle Transparenz, auch zur Rolle des Logistikers. "Das wird alles aufgeklĂ€rt."

@ dpa.de