Einreisen, Grenzkontrollen

Mehr als 53.000 unerlaubte Einreisen registriert

27.10.2024 - 09:19:51

Grenzkontrollen sind im Schengen-Raum eigentlich nicht vorgesehen. Aus mehreren GrĂŒnden hat die deutsche Innenministerin sie aber angeordnet. Nun gibt es Zahlen fĂŒr die ersten neun Monate des Jahres.

Bei Kontrollen an den deutschen Landgrenzen hat die Bundespolizei in den ersten neun Monaten dieses Jahres 53.410 unerlaubte Einreisen registriert. 28.321 Personen wurden bundesweit an den Landgrenzen zurĂŒckgewiesen, wie die «Bild am Sonntag» berichtet. Die Zahlen wurden der Deutschen Presse-Agentur von der Bundespolizei bestĂ€tigt. 

Die Bundespolizisten setzten 1.195 Schleuser fest und registrierten 1.088 Schleusungen. Die Behörde wies darauf hin, dass Kontrollen an den Flug- und SeehĂ€fen nicht berĂŒcksichtigt sind und sich die Zahl an den Landgrenzen noch Ă€ndern können, etwa wegen Nacherfassungen.

Von Januar bis einschließlich September griffen die Beamten in insgesamt 7.783 FĂ€llen Personen auf, bei denen offene Haftbefehle vollstreckt wurden. Bei den zuvor verĂŒbten Delikten handelt es sich unter anderem um nicht bezahlte Geldstrafen, schwere Straftaten und nicht angetretene Haft. In manchen FĂ€llen lagen auch internationale Fahndungen vor. 

Fast 1.500 Abgeschobene wollten trotz Sperre erneut einreisen

Die meisten ZurĂŒckweisungen gab es laut «Bild am Sonntag» an den Grenzen zur Schweiz (9.113 Personen), Polen (7.862), Österreich (5.468) und an der französischen Grenze (2.350). Am meisten abgewiesen wurden Ukrainer (5.935 Personen), Syrer (4.708) und Afghanen (2.396). Die Beamten stellten 1.482 abgeschobene Migranten fest, die trotz Sperre wieder einreisen wollten.

Von einer unerlaubten Einreise spricht die Polizei, wenn ein AuslĂ€nder ohne einen gĂŒltigen Aufenthaltstitel die Grenze ĂŒberqueren will. ZurĂŒckweisungen sind vor allem dann möglich, wenn jemand kein Asylbegehren Ă€ußert oder wenn fĂŒr den Betroffenen eine temporĂ€re Wiedereinreisesperre gilt. Das ist etwa der Fall, wenn jemand zuvor abgeschoben wurde, oder bei Menschen, die aus sogenannten sicheren HerkunftslĂ€ndern kommen, wenn ihr Asylantrag zuvor bereits als «offensichtlich unbegrĂŒndet» abgelehnt wurde.

Kontrollen an allen Landgrenzen seit Mitte September

Grenzkontrollen sind im Schengen-Raum eigentlich nicht vorgesehen. Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) begrĂŒndete die Anordnung stationĂ€rer Kontrollen an allen Landgrenzen ab Mitte September mit irregulĂ€rer Migration sowie dem Schutz vor islamistischen Terroristen und grenzĂŒberschreitender KriminalitĂ€t. Von der Ausweitung betroffen waren die Grenzen zu DĂ€nemark, den Niederlanden, Belgien und Luxemburg. An der Grenze zu Frankreich wurde zuvor bereits wegen der Olympischen Spiele in Paris kontrolliert. 

An den Grenzen zu Polen, Tschechien und der Schweiz gibt es Kontrollen schon seit Mitte Oktober vergangenen Jahres, an der deutsch-österreichischen Landgrenze wurden sie bereits im Herbst 2015 eingefĂŒhrt. WĂ€hrend der Fußball-Europameisterschaft in Deutschland wurde im Sommer zeitweise bereits an allen deutschen Landgrenzen kontrolliert.

StationĂ€re Grenzkontrollen sind eine Voraussetzung fĂŒr ZurĂŒckweisungen, da diese Maßnahme nur direkt an der Grenze möglich ist. ZurĂŒckschiebungen von Asylbewerbern, fĂŒr die deren Verfahren ein anderes EU-Land die Verantwortung trĂ€gt, sind auch im grenznahen Bereich möglich, hier sind die Voraussetzungen und der Aufwand jedoch deutlich umfangreicher.

Eine Bilanz zu den Gesamtzahlen und zur Wirkung der Grenzkontrollen will die Bundespolizei am 1.?November veröffentlichen.

@ dpa.de