Grundeinkommen: Wildberger prĂŒft Antwort auf KI-Jobwandel erneut
Veröffentlicht am: 13.10.2026 um 06:00 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSWildberger prĂŒft KI-Folgen fĂŒr den Arbeitsmarkt
- Bundesdigitalminister Karsten Wildberger will das Konzept hinter dem Grundeinkommen erneut prĂŒfen.
- Den Begriff âbedingungsloses Grundeinkommenâ möchte der CDU-Politiker kĂŒnftig nicht mehr verwenden.
- Wildberger will Umschulungen und den Arbeitsmarktumbau aus Wachstum sowie Steuern auf KI-GeschÀfte finanzieren.
Bundesdigitalminister Karsten Wildberger (CDU) hĂ€lt die Idee eines Grundeinkommens als Antwort auf KI-bedingte UmbrĂŒche am Arbeitsmarkt weiter offen. Im GesprĂ€ch mit dem âTagesspiegelâ sagte er, das Konzept hinter dem Begriff wolle er sich erneut genau ansehen, die Bezeichnung selbst aber nicht mehr verwenden.
Begriff gilt als vorbelastet
Wildberger begrĂŒndete den Schritt damit, dass der Ausdruck âbedingungsloses Grundeinkommenâ vorbelastet sei. An der dahinterstehenden Idee wolle er dennoch festhalten und sie mit Blick auf die Folgen kĂŒnstlicher Intelligenz erneut prĂŒfen.
Nach EinschĂ€tzung des Ministers wird das kĂŒnftige Wachstum maĂgeblich durch KI entstehen. Dieses Wachstum werde langfristig zwar mehr BeschĂ€ftigung hervorbringen, allerdings in anderen Berufen als heute.
Minister warnt vor dauerhaftem Jobtrend
Derzeit schaffen Unternehmen, die mit KI wachsen, nach Wildbergers Darstellung sogar zusĂ€tzliche ArbeitsplĂ€tze. FĂŒr die Zukunft wolle er dafĂŒr jedoch nicht garantieren.
FĂŒr den notwendigen Umbau des Arbeitsmarkts setzt der Minister auf Umschulungen und wirtschaftliches Wachstum. ZusĂ€tzlich sollen aus seiner Sicht KI-GeschĂ€fte wegen ihrer hohen UmsĂ€tze stĂ€rker zur Finanzierung beitragen.
Steuern sollen Umbau mitfinanzieren
Wildberger sagte, der extrem hohe Umsatz mit der Technologie mĂŒsse besteuert werden. Mit den Einnahmen könne der Umbau des Arbeitsmarkts finanziert werden.
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) teile diese Sicht, erklĂ€rte Wildberger. FĂŒr den Umbau mĂŒsse zunĂ€chst Geld vorhanden sein; dafĂŒr sei Wachstum erforderlich.
FrĂŒhere Aussage zum Grundeinkommen
Bereits im MĂ€rz hatte Wildberger erklĂ€rt, ein bedingungsloses Grundeinkommen könne Teil der Lösung fĂŒr KI-bedingte VerĂ€nderungen am Arbeitsmarkt sein. Nun rĂŒckt er von der Bezeichnung ab, hĂ€lt die zugrunde liegende Idee aber weiter fĂŒr prĂŒfenswert.
Die Debatte ĂŒber ein Grundeinkommen erhĂ€lt durch den raschen Einsatz generativer KI eine neue BegrĂŒndung: Nicht nur einzelne TĂ€tigkeiten, sondern ganze Berufsbilder könnten sich verĂ€ndern. Zugleich zeigen aktuelle Entwicklungen, dass KI zunĂ€chst auch zusĂ€tzliche BeschĂ€ftigung schaffen kann. In Deutschland entstehen etwa rund um Rechenzentren neue Stellen, wĂ€hrend der ĂŒbrige Technologiesektor zugleich unter Druck steht.
Wildbergers Ansatz verbindet deshalb drei Instrumente: Wirtschaftswachstum, berufliche Neuqualifizierung und eine stĂ€rkere Beteiligung KI-intensiver GeschĂ€ftsmodelle an der Finanzierung. Das verschiebt die Diskussion weg von einer pauschalen Auszahlung fĂŒr alle hin zu der Frage, wie ĂbergĂ€nge zwischen schrumpfenden und entstehenden TĂ€tigkeiten abgesichert werden können. Eine solche Finanzierung setzt allerdings voraus, dass zusĂ€tzliche Steuern tatsĂ€chlich erhoben werden können, ohne Investitionen und Standortentscheidungen zu verzerren.
FĂŒr BeschĂ€ftigte bedeutet die Debatte vor allem, dass Weiterbildung und berufliche Anpassung politisch an Gewicht gewinnen. FĂŒr Unternehmen stellt sich die Frage, wie ProduktivitĂ€tsgewinne verteilt werden. Offen bleibt, ob ein steuerfinanzierter Umbau, gezielte Transfers oder ein universelles Grundeinkommen am Ende die tragfĂ€higste Antwort wĂ€re. Die Bundesregierung mĂŒsste dafĂŒr Ziele, EmpfĂ€nger, Finanzierung und VerhĂ€ltnis zu bestehenden Sozialleistungen konkret festlegen.
