Sorge, Trumps

Sorge vor Trumps Zöllen: EZB senkt Leitzins auf 2,25 Prozent

17.04.2025 - 16:04:45 | dpa.de

Gut fĂŒr Kreditnehmer, schlecht fĂŒr Sparer: Die EuropĂ€ische Zentralbank setzt die Leitzinsen erneut herab. Denn mit Trumps Zolloffensive sind die Sorgen um Wirtschaft und Welthandel so groß wie selten.

  • Schlecht fĂŒr Sparer: Die EZB setzt die Zinsen weiter nach unten (Archivbild) - Foto: Arne Dedert/dpa
    Schlecht fĂŒr Sparer: Die EZB setzt die Zinsen weiter nach unten (Archivbild) - Foto: Arne Dedert/dpa
  • TrĂŒbe Aussichten auch fĂŒr Europas Wirtschaft: Die EZB senkt die Leitzinsen erneut (Archivbild) - Foto: Boris Roessler/dpa
    TrĂŒbe Aussichten auch fĂŒr Europas Wirtschaft: Die EZB senkt die Leitzinsen erneut (Archivbild) - Foto: Boris Roessler/dpa
  • Überzieht die Welt mit Zöllen: US-PrĂ€sident Donald Trump (Archivbild) - Foto: Uncredited/Pool/AP/dpa
    Überzieht die Welt mit Zöllen: US-PrĂ€sident Donald Trump (Archivbild) - Foto: Uncredited/Pool/AP/dpa
  • EZB-PrĂ€sidentin Christine Lagarde erwartet mehr Gegenwind fĂŒr die europĂ€ische Wirtschaft  - Foto: Andreas Arnold/dpa
    EZB-PrĂ€sidentin Christine Lagarde erwartet mehr Gegenwind fĂŒr die europĂ€ische Wirtschaft - Foto: Andreas Arnold/dpa
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Die EuropĂ€ische Zentralbank senkt inmitten der Zollturbulenzen zum siebten Mal seit vergangenem Juni die Leitzinsen. Der fĂŒr Banken und Sparer wichtige Einlagensatz wird um 0,25 Prozentpunkte auf 2,25 Prozent verringert, wie die Notenbank in Frankfurt mitteilte. 

Niedrigere Zinsen machen Kredite tendenziell gĂŒnstiger. Sie helfen der schwachen Konjunktur in der Eurozone, der mit der Zolloffensive von Donald Trump weitere RĂŒckschlĂ€ge drohen. Zudem gibt die abflauende Inflation im Euroraum der EZB Spielraum fĂŒr Zinssenkungen. 

Lagarde: TrĂŒbere Aussichten fĂŒr Wirtschaft wegen Zollstreit

Die Aussichten fĂŒr die Wirtschaft im Euroraum hĂ€tten sich «aufgrund der zunehmenden Handelsspannungen eingetrĂŒbt», erklĂ€rte die EZB. «Die erhöhte Unsicherheit dĂŒrfte das Vertrauen der privaten Haushalte und Unternehmen mindern», so die EZB, die auch auf die jĂŒngsten heftigen Börsenturbulenzen verwies. PrĂ€sidentin Christine Lagarde sprach von «außergewöhnlich hoher Unsicherheit». Hinweise auf den kĂŒnftigen Zinskurs vermied sie wie ĂŒblich.

Die EZB verringert zudem den Zins, zu dem sich GeschĂ€ftsbanken frisches Geld bei der Notenbank besorgen können: Statt 2,65 Prozent werden dafĂŒr nun 2,4 Prozent Zinsen fĂ€llig.

«Durch die drastische und erratische Zollpolitik der US-Regierung ist die Gefahr einer globalen Rezession deutlich gestiegen und die Risiken fĂŒr die FinanzmarktstabilitĂ€t haben sich merklich erhöht», schrieb Silke Tober, Expertin fĂŒr Geldpolitik am Institut fĂŒr Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung. «Darauf muss die EZB reagieren.»

Angst vor Weltwirtschaftskrise

Seit der VerkĂŒndung von Trumps globalem Zollpaket Anfang April sind die Sorgen um den Welthandel stark gewachsen. Der Zollstreit könnte die Wirtschaft im Euroraum erheblich belasten, die dieses Jahr ohnehin kaum wachsen dĂŒrfte. Schon im MĂ€rz - vor Trumps Zollschlag - hatte die EZB ihre Wachstumsprognose fĂŒr 2025 auf 0,9 Prozent gesenkt. Die kriselnde deutsche Wirtschaft fĂ€llt als Lokomotive fĂŒr den Euroraum aus. 

Zwar hat Trump die pauschalen Zölle von 20 Prozent auf Importe aus der EU fĂŒr 90 Tage ausgesetzt. Es bleiben aber der neue US-Basiszoll von 10 Prozent und 25 Prozent Zoll auf Autos, Stahl und Aluminium aus Europa. Trump will zudem neue Sonderzölle im Bereich der Halbleiterindustrie und auf Medizinprodukte ankĂŒndigen. Zudem fĂ€hrt Trump einen harten Zollkurs gegen China. 

«In einem von hoher Unsicherheit geprĂ€gten Umfeld sendet die EZB ein wichtiges StabilitĂ€tssignal an die MĂ€rkte», sagt Jörg Asmussen, HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft.

Schon jetzt verunsichert Trumps Zoll-Schlingerkurs Unternehmen weltweit. Nach Ansicht von Ifo-PrĂ€sident Clemens Fuest ist eine Weltwirtschaftskrise nicht auszuschließen. EZB-PrĂ€sidentin Lagarde hatte jĂŒngst vor deutlichen Einbußen beim Wachstum in der Eurozone gewarnt, sollte der Handelsstreit mit den USA eskalieren. 

Inflation flaut ab

Ferner sieht die EZB ihr Ziel stabiler Preise in greifbarer NÀhe. Die Teuerung im Euroraum sank im MÀrz auf eine Rate von 2,2 Prozent und liegt damit nahe am EZB-Ziel von mittelfristig 2,0 Prozent. So hat sich der Preisdruck bei Dienstleistungen abgeschwÀcht, der zuletzt als Inflationstreiber galt. 

Im Zollkonflikt hat zudem der Euro zum Dollar stark im Kurs aufgewertet - das verbilligt Importe nach Europa und dĂ€mpft die Inflation tendenziell. Auch mit dem gesunkenen Ölpreis schwindet der Inflationsdruck, wĂ€hrend der Zollstreit die globale Nachfrage dĂ€mpfen dĂŒrfte und mehr GĂŒter aus China nach Europa drĂ€ngen könnten. Bedenken um eine wieder anziehende Teuerung, etwa im Zuge von europĂ€ischen Gegenzöllen auf US-Produkte oder wegen des milliardenschweren Finanzpakets von SPD und Union, traten in den Hintergrund.

Sinkende Zinsen fĂŒr Sparer

FĂŒr Sparer ist die erneute Leitzinssenkung keine gute Nachricht: Bekommen Banken weniger Zinsen fĂŒr bei der EZB geparkte Gelder, senken sie die Zinsen fĂŒr Kunden. Mitte April brachten bundesweit verfĂŒgbare Tagesgelder im Schnitt 1,4 Prozent, zeigt eine Analyse des Vergleichsportals Verivox. Die Zinsen fĂŒr zweijĂ€hrige Festgelder lagen demnach bei 2,11 Prozent - ein Tiefstand seit Ende 2022. Damit können Sparer die Inflation in Deutschland nicht ausgleichen, ihr Geld verliert an Wert. 

Schlecht sieht es auch fĂŒr Hausbauer und ImmobilienkĂ€ufer aus. Auf die Bauzinsen, die mit dem Milliarden-Schuldenpaket von Union und SPD krĂ€ftig gestiegen sind, hat die Zinssenkung der EZB nicht zwingend Einfluss: Sie orientieren sich an den Renditen zehnjĂ€hriger Bundesanleihen. 

Weitere Zinssenkungen erwartet

Einige Ökonomen halten es fĂŒr möglich, dass die EZB den Einlagensatz weiter senkt. Schon im Juni könnte der Zins auf 2,0 Prozent fallen, meint Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank. Selbst danach sei eine Zinspause nicht ausgemacht. Der Bundesverband deutscher Banken plĂ€dierte fĂŒr einen vorsichtigen Kurs. Die mittelfristigen Auswirkungen der Handelskonflikte auf die Inflation im Euroraum seien noch völlig unklar.

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