THW Kiel, SG Flensburg-Handewitt

Handball-Derby: Videobeweis aberkennt Kieler Siegtreffer gegen Flensburg

Veröffentlicht am: 27.09.2026 um 09:19 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Der THW Kiel und die SG Flensburg-Handewitt trennen sich im 117. Nordderby 31:31. Ein in letzter Sekunde erzieltes Kieler Tor wurde nach minutenlanger Videoprüfung wegen eines Schrittfehlers nicht anerkannt – nun wird über den Einsatz des Videobeweises diskutiert.

  • Die Überprüfung der letzten Szene des Derbys sorgte beim THW Kiel für Ärger und Unverständnis. - Bild: Frank Molter/dpa
    Die Überprüfung der letzten Szene des Derbys sorgte beim THW Kiel für Ärger und Unverständnis. - Bild: Frank Molter/dpa
  • Domen Makuc verfolgte gebannt die Video-Überprüfung der letzten Derby-Szene. - Bild: Frank Molter/dpa
    Domen Makuc verfolgte gebannt die Video-Überprüfung der letzten Derby-Szene. - Bild: Frank Molter/dpa
  • Die Flensburger durften nach Videobeweis über einen Punkt jubeln. - Bild: Frank Molter/dpa
    Die Flensburger durften nach Videobeweis über einen Punkt jubeln. - Bild: Frank Molter/dpa
Die Überprüfung der letzten Szene des Derbys sorgte beim THW Kiel für Ärger und Unverständnis. - Bild: Frank Molter/dpa Domen Makuc verfolgte gebannt die Video-Überprüfung der letzten Derby-Szene. - Bild: Frank Molter/dpa Die Flensburger durften nach Videobeweis über einen Punkt jubeln. - Bild: Frank Molter/dpa

Der THW Kiel und die SG Flensburg-Handewitt haben sich im 117. Nordderby der Handball-Bundesliga 31:31 (18:14) getrennt, nachdem ein Kieler Treffer in der Schlusssekunde nach Videobeweis wegen eines Schrittfehlers nicht anerkannt worden war.

Torjubel wird zur Enttäuschung

Julian Köster hatte in letzter Sekunde den vermeintlichen Siegtreffer für Kiel erzielt und damit die Zuschauer in der Ostseehalle jubeln lassen. Nach minutenlanger Betrachtung der Bilder entschieden die Unparteiischen jedoch, dass Vorbereiter Domen Makuc zuvor einen Schrittfehler begangen hatte.

Bei den Kielern sorgte die Entscheidung für Frust. Geschäftsführer Viktor Szilagyi bezeichnete die Stimmung als schmerzhaft, Kreisläufer Hendrik Pekeler äußerte Zweifel daran, dass die Szene einen Videobeweis erforderlich gemacht habe.

Pajovic regt Trainer-Challenge an

Auch Kiels Trainer Börge Lund kritisierte, dass bei der Überprüfung immer weiter zurückliegende Aktionen einbezogen worden seien. Er stellte die Frage, wo bei einer solchen Prüfung die Grenze liege.

Flensburgs Trainer Ales Pajovic zeigte Verständnis für die Entscheidung, weil seine Mannschaft dadurch einen Punkt gewonnen habe. Zugleich brachte der Slowene eine Trainer-Challenge ins Gespräch: Eine solche Möglichkeit könne die Abhängigkeit von den Schiedsrichtern verringern.

Flensburg bleibt Tabellenführer

Flensburg behauptete dank der besseren Tordifferenz die Tabellenführung vor dem punktgleichen THW; beide Teams stehen bei 11:1 Zählern. Auch SG-Rückraumspieler Simon Pytlick bezeichnete die Entscheidung als hart und erklärte, er könne den Ärger der Kieler nachvollziehen.

In der Derby-Gesamtbilanz führt Kiel nach dem sechsten Remis weiter mit 68 Siegen gegenüber 43 Erfolgen der Flensburger. Für beide Mannschaften geht es am Mittwoch weiter: Kiel tritt beim deutschen Meister SC Magdeburg an, Flensburg startet in der European League gegen BM Granollers.

Videobeweis als Regel- und Ermessensfrage

Die Schlusssekunde macht ein Grundproblem des Videobeweises im Handball sichtbar: Er soll klare Fehler korrigieren, kann aber selbst die Frage aufwerfen, wie weit zurückliegende Aktionen noch überprüft werden dürfen. Im Derby bezog sich die Entscheidung nicht nur auf den Torwurf von Julian Köster, sondern auf den vorausgehenden Pass von Domen Makuc.

Sportlich verschiebt der Videobeweis damit die Wahrnehmung eines Spiels. Kiel hatte lange geführt, Flensburg holte den Rückstand auf und erzielte kurz vor Schluss den Ausgleich. Das Remis hält beide Mannschaften nach sechs Spieltagen bei 11:1 Punkten; Flensburg bleibt wegen der besseren Tordifferenz vorn. Für die Tabelle ist der eine Punkt deshalb von unmittelbarer Bedeutung.

Enge Spitze vor den nächsten Aufgaben

Der Streit dürfte vor allem deshalb nachwirken, weil beide Teams zu den Saisonfavoriten zählen und die Entscheidung in einem ausverkauften Spitzenspiel fiel. Eine Trainer-Challenge, wie sie Ales Pajovic anregte, könnte Verantwortlichkeiten sichtbarer machen, würde aber ebenfalls Regeln für Anzahl, Zeitpunkt und Prüfungsumfang der Anfragen erfordern.

Für Kiel folgt am Mittwoch das Auswärtsspiel beim deutschen Meister SC Magdeburg, der mit 10:2 Punkten Dritter ist. Flensburg startet am selben Abend in der European League gegen BM Granollers. Damit bleibt für beide Vereine kaum Zeit, die umstrittene Szene isoliert zu betrachten: Die Punkteverteilung wirkt unmittelbar auf die nationale Tabellenführung und den Auftakt in den internationalen Wettbewerb.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

n-tv: „Denkwürdiges Handball-Nordderby endet dramatisch mit Remis“ (26.09.2026)

Der Bericht bestätige das 31:31 und beschreibe die minutenlange Videoüberprüfung als entscheidenden Moment. Er setze einen zusätzlichen Schwerpunkt auf die Saisonlage beider Mannschaften und ordne das Remis als ersten Punktverlust nach jeweils fünf Siegen ein; zugleich lasse er die unterschiedliche Bewertung der Szene durch Kieler und Flensburger zu Wort kommen.

NDR: „Drama im Derby! Kiel gibt Sieg gegen Flensburg-Handewitt aus der Hand“ (26.09.2026)

Der NDR-Bericht bestätige den aberkannten Treffer wegen eines Schrittfehlers und stelle den Spielverlauf ausführlicher dar. Anders als der n-tv-Bericht bewerte er die Entscheidung ausdrücklich als korrekt und hebe zusätzlich hervor, dass Kiel zuvor selbst Chancen zur Entscheidung ausgelassen habe; offen bleibe damit vor allem, wie weit der Videobeweis in vergleichbaren Schlussszenen zurückgreifen solle.

Beide Berichte seien sich beim Ergebnis, beim Videobeweis und beim Frust der Kieler einig. Unterschiede gebe es bei der Bewertung der Entscheidung und bei der Gewichtung des Spielverlaufs: Während n-tv die Härte der Szene betone, stelle der NDR stärker deren regeltechnische Begründung und Kiels verpasste Möglichkeiten heraus.

Disclaimer...

de | politik | 70188535 |