Harvard-Aus fĂŒr AuslĂ€nder â BĂ€r: «dramatische Entwicklung»
23.05.2025 - 15:30:17 | dpa.deDer von der US-Regierung angekĂŒndigte Ausschluss auslĂ€ndischer Studierender von der Elite-UniversitĂ€t Harvard sorgt auch in Deutschland fĂŒr groĂe Diskussionen. Bundesforschungsministerin Dorothee BĂ€r (CSU) nannte die Entscheidung aus Washington fatal. Auch Politiker anderer Parteien, wie Harvard-Absolvent Karl Lauterbach (SPD), reagierten mit deutlicher Kritik und warben fĂŒr Deutschland als Studienort fĂŒr internationale Nachwuchswissenschaftler.
«Das ist vor allem fĂŒr die junge Generation eine ganz dramatische Entwicklung», sagte BĂ€r in BrĂŒssel am Rande einer Sitzung der EU-Forschungsminister. «Ich hoffe sehr, dass die US-Regierung diese Entscheidung auch wieder rĂŒckgĂ€ngig machen wird, weil sie wirklich fatal ist.» Man sei in Europa jetzt langsam der alleinige Hotspot der Wissenschaftsfreiheit.
Kulturstaatsminister Wolfram Weimer sprach von einem «schweren Schlag» und erklÀrte: «Der uneingeschrÀnkte internationale Austausch gehört zum Wesenskern der Kunstfreiheit und des Fortschritts in Kunst und Kultur. Ohne ihn droht eine geistige Verzwergung, die uns alle Àrmer macht.» Die Bundesregierung setze weiter auf Austausch und Diskurs.
AuswĂ€rtiges Amt: Dringende Angelegenheit fĂŒr uns
Das AuswĂ€rtige Amt in Berlin kĂŒndigte GesprĂ€che mit den USA darĂŒber an, welche Auswirkungen die angekĂŒndigte Abweisung von AuslĂ€ndern an der UniversitĂ€t auf deutsche Studierende haben werde. Man nehme das als dringende Angelegenheit wahr und werde die Erwartung zum Ausdruck bringen, dass deren Belange und Interessen angemessen berĂŒcksichtigt wĂŒrden, sagte ein Sprecher.Â
Dreistellige Anzahl Deutscher in Harvard
In Harvard ist demnach eine dreistellige Anzahl Deutscher eingeschrieben, genauere Zahlen nannte der Sprecher nicht. Zwischen 8.000 und 9.000 Deutsche studieren einer Ăbersicht des Statistischen Bundesamts zufolge jedes Jahr insgesamt in den USA.Â
Das US-Heimatschutzministerium hatte am Donnerstag angekĂŒndigt, Harvard die Genehmigung fĂŒr die Aufnahme auslĂ€ndischer Studierender zu entziehen. AuslĂ€nder, die dort eingeschrieben sind, mĂŒssten an eine andere UniversitĂ€t wechseln oder verlören ihren Aufenthaltsstatus. Nach Angaben von Harvard sind an der UniversitĂ€t in Cambridge an der US-OstkĂŒste aktuell rund 6.800 Menschen aus anderen LĂ€ndern eingeschrieben.
Die Elite-UniversitĂ€t reichte am Freitag Klage gegen den Schritt der US-Regierung vor einem Bundesgericht ein. Darin wirft die UniversitĂ€t Trumps Regierung vor, die Hochschule mit einer rechtswidrigen VergeltungsmaĂnahme unter Druck setzen zu wollen
Dauer-Konflikt mit Trump-Regierung ĂŒber politische Ausrichtung
Der Schritt der US-Regierung hat eine lĂ€ngere Vorgeschichte und ist Teil eines anhaltenden Konflikts zwischen verschiedenen UniversitĂ€ten und der Regierung von PrĂ€sident Donald Trump. Diese begrĂŒndet ihr Vorgehen mit propalĂ€stinensischen Protesten an den Hochschulen. Harvard geht nach Ansicht des Heimatschutzministeriums nicht entschieden genug gegen Antisemitismus auf dem Campus vor.
Zudem widersetzt sich die UniversitĂ€t weitreichenden politischen Vorgaben, etwa DiversitĂ€tsprogramme zu stoppen â also gezielte MaĂnahmen zur Förderung von Vielfalt. Zuvor hatte die Regierung bereits Fördergelder fĂŒr die Hochschule eingefroren.
Lauterbach spricht von «forschungspolitischem Suizid»
Der Schritt der US-Regierung gegen die weltweit renommierte UniversitĂ€t löste bei Ex-Gesundheitsminister, Harvard-Absolvent und -Gastdozent Karl Lauterbach KopfschĂŒtteln aus. Er sagte der «Rheinischen Post», die Angriffe der Trump-Regierung seien «forschungspolitischer Suizid».Â
«Wenn ausgerechnet die wichtigsten und leistungsstĂ€rksten UniversitĂ€ten absichtlich geschwĂ€cht werden, legt man die Axt an bei einem der bedeutendsten Pfeiler fĂŒr die amerikanische Wirtschaft», fĂŒgte der SPD-Politiker hinzu.Â
UnzÀhlige Unternehmen in den USA profitierten von dem Wissen, das Harvard-Absolventen mitbrÀchten. «Viele auslÀndische Harvard-Absolventen bleiben ja in den USA nach dem Studium», sagte Lauterbach, der seit dieser Woche den Forschungsausschuss des Bundestages leitet.
Diskussion ĂŒber Nachwuchs-Anwerbung in Deutschland
Vor dem Hintergrund der Ereignisse wird in Deutschland nun verstĂ€rkt ĂŒber die mögliche Anwerbung auslĂ€ndischer Nachwuchswissenschaftler diskutiert. Die Regierungspartner Union und SPD hatten schon in ihrem Koalitionsvertrag ein «1.000-Köpfe Programm» zur Gewinnung internationaler Talente vereinbart. Darauf verwies Forschungsministerin BĂ€r.Â
FĂŒr Studierende und Forschende aus dem Ausland mĂŒssten Deutschland und Europa «ein sicherer Hafen» sein, sagte die CSU-Politikerin. Auch die EU-Kommission plant ein 500-Millionen-Euro-Paket, das unter anderem Stipendien fĂŒr Spitzenforscher finanzieren soll. Zwar könne man vielleicht nicht «eins zu eins» GehĂ€lter wie in den USA bieten. DafĂŒr sei das Leben in Deutschland deutlich gĂŒnstiger â und dass Forschende hier frei forschen und lehren könnten, sei «unbezahlbar», sagte BĂ€r.Â
Jarzombek: «KÀmpfen um internationale Talente»
Der CDU-Forschungs- und Digitalpolitiker Thomas Jarzombek â inzwischen StaatssekretĂ€r im neuen Bundesdigitalministerium â sagte, gerade im Bereich KĂŒnstliche Intelligenz und Digitalisierung böten deutsche Hochschulen und auĂeruniversitĂ€re Einrichtungen Top-Bedingungen. «Wir wollen jetzt kĂ€mpfen um die internationalen Talente, die nach anderen Standorten suchen als etwa in den USA.»
Die fĂŒr das Thema zustĂ€ndige stellvertretende Fraktionsvorsitzende der GrĂŒnen im Bundestag, Misbah Khan, forderte von der Bundesregierung ein «ambitioniertes Anwerbeprogramm». «Deutschland hat jetzt die Aufgabe, mit seinen starken und freien Hochschulen den Wegfall der USA als Bildungsstandort zu kompensieren», sagte sie der Deutschen Presse-Agentur.
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