GedenkstĂ€tten-Stiftung: GĂ€stebĂŒcher voll mit Hassbotschaften
27.04.2024 - 07:39:39Der Direktor der Stiftung Brandenburgische GedenkstĂ€tten, Axel Drecoll, hat eine Zunahme antisemitischer Schmierereien und Hassbotschaften in der GedenkstĂ€tte Sachsenhausen in Oranienburg nördlich von Berlin beklagt. «Wir mussten GĂ€stebĂŒcher austauschen beziehungsweise konnten sie nicht mehr auslegen, weil sie voll waren von Hassbotschaften», sagte er der Deutschen Presse-Agentur.
Seit dem Terrorangriff der islamistischen Hamas auf Israel am 7. Oktober sei auf dem GelĂ€nde des frĂŒheren Konzentrationslagers eine wachsende Zahl von antisemitischen und israelfeindlichen Attacken festzustellen. «Das hat sehr stark zugenommen, unter anderem und perfider Weise gerade an den HaftstĂ€tten, in den sogenannten Baracken 38 und 39, wo sich jĂŒdische HĂ€ftlinge befunden haben.»
Direktor: GedenkstĂ€tte kann Tausende Besucher nicht ĂŒberwachen
FĂŒr die GedenkstĂ€tte Sachsenhausen ist es laut Drecoll schwer, solche Taten zu verhindern und die TĂ€ter ausfindig zu machen. «Die GedenkstĂ€tte ist ja frei zugĂ€nglich und es sind bis zu 2000 Menschen pro Tag hier. Wir können das gar nicht ĂŒberwachen, selbst wenn wir es wollten. Und es muss ja auch ein offener, transparenter und freier Ort bleiben.»
Die GedenkstĂ€tte arbeite sehr gut mit den SicherheitskrĂ€ften, mit der örtlichen Polizei zusammen, und bringe verfassungsfeindliche Symbole auch zur Anzeige, sagte Drecoll. Die Schmierereien und Hassbotschaften kĂ€men allerdings nicht so hĂ€ufig in den gefĂŒhrten Gruppen vor, so dass sich die Verantwortlichen schwer identifizieren lieĂen. «Deshalb ist es fĂŒr uns gar nicht so leicht, das fĂŒr die Zukunft zu verhindern.»
Es sei ein deutlich gröĂeres BĂŒndnis nötig, um Antisemitismus einzudĂ€mmen. DafĂŒr reiche die Bildungsarbeit der GedenkstĂ€tten nicht aus. «Da braucht es die Schulen, da braucht es die ElternhĂ€user. Das können wir nicht leisten», so der Stiftungs-Direktor. Auch die Werte fĂŒr die AfD in Wahlumfragen betrachte er mit groĂer Sorge. «Alle minderheitsdiffamierenden, menschenfeindlichen ĂuĂerungen, Parteien und Gruppen, die das vertreten, konterkarieren unsere Arbeit.»
Zwischen 1936 und 1945 waren im Konzentrationslager Sachsenhausen in Oranienburg nach Angaben der GedenkstÀtte mehr als 200.000 Menschen inhaftiert, darunter Juden und Sinti und Roma. Zehntausende HÀftlinge seien durch Hunger, Krankheiten, Zwangsarbeit, medizinische Versuche und Misshandlungen umgekommen oder wurden Opfer systematischer Vernichtungsaktionen der SS.


