Freie WĂ€hler, CSU

Aiwanger muss sich in Sonder-Koalitionsausschuss erklÀren

Veröffentlicht am: 29.08.2023 um 04:28 Uhr | dpa.de

Hubert Aiwanger unter Druck, Markus Söder ebenso, die Koalition in Bayern auf der Kippe: In Sichtweite der Landtagswahl spielt sich ein Polit-Drama ab. Was wird aus der heutigen Krisensitzung folgen?

Die Freien WÀhler von Hubert Aiwanger hatten sich lange gegen die Zustimmung zum milliardenschweren Finanzpaket von Union und SPD gestrÀubt. (Archivbild) - Bild: Peter Kneffel/dpa
Die Freien WÀhler von Hubert Aiwanger hatten sich lange gegen die Zustimmung zum milliardenschweren Finanzpaket von Union und SPD gestrÀubt. (Archivbild) - Bild: Peter Kneffel/dpa

Nach den VorwĂŒrfen gegen Bayerns Vize-Regierungschef Hubert Aiwanger (Freie WĂ€hler) trifft sich heute Vormittag der Koalitionsausschuss zu einer Sondersitzung. MinisterprĂ€sident Markus Söder (CSU) hat die Freien WĂ€hler nach Angaben der Staatskanzlei zu der Sitzung «einbestellt». Aiwanger soll dort offene Fragen beantworten und persönlich Stellung nehmen. Nach einer anschließenden Kabinettssitzung will Söder ĂŒber die Ergebnisse informieren.

Aiwanger hatte am Samstagabend schriftlich zurĂŒckgewiesen, zu Schulzeiten in den 1980er Jahren ein antisemitisches Flugblatt geschrieben zu haben, ĂŒber das die «SĂŒddeutsche Zeitung» berichtet hatte. Gleichzeitig rĂ€umte er aber ein, es seien «ein oder wenige Exemplare» in seiner Schultasche gefunden worden. Kurz darauf gestand Aiwangers Ă€lterer Bruder ein, das Pamphlet geschrieben zu haben. Söder reichen diese ErklĂ€rung aber bislang noch nicht aus.

Kanzler Scholz schaltet sich ein

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) forderte ebenfalls weitere AufklĂ€rung von Aiwanger. Zudem hatte die Landtags-Opposition den Druck auf Söder massiv erhöht und eine umgehende Stellungnahme eingefordert. In AbhĂ€ngigkeit davon wollen GrĂŒne, SPD und FDP gegebenenfalls ĂŒber einen möglichen Antrag auf eine Sondersitzung im Landtag entscheiden.

In Bayern wird am 8. Oktober ein neuer Landtag gewÀhlt. Die CSU hatte bislang stets erklÀrt, die Koalition mit den Freien WÀhlern nach der Wahl fortsetzen zu wollen. Alle Umfragen hatten bis zuletzt auch fast keinen Zweifel daran gelassen, dass dies möglich sein wird - wobei die Freien WÀhler zuletzt bei 11 bis 14 Prozent lagen. Die CSU regiert im Freistaat seit 2018 zusammen mit den Freien WÀhlern.

Antisemitismusbeauftragter sieht noch KlÀrungsbedarf

Der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland: «Auch wenn der stellvertretende bayerische MinisterprĂ€sident das damalige Flugblatt als SchĂŒler nicht selbst geschrieben haben sollte: Ein solches Schreiben mit ĂŒbelster antisemitischer Hetze bewusst in der Schultasche zu haben und sich, in seinen eigenen Worten, nur "unter Druck" mit dem Thema Drittes Reich auseinander gesetzt zu haben, zeigt eine fragwĂŒrdige Geisteshaltung.»

Es gebe noch weiteren AufklÀrungsbedarf. Zudem forderte Klein eine bundesweite Pflicht zur Meldung antisemitischer FÀlle an allen Schulen, die es in Bayern bisher noch nicht gebe.

Der ehemalige Bundes- und Landesvorsitzende der Freien WÀhler, Armin Grein, glaubt nach eigenen Worten nicht an eine Entlassung Aiwangers. «Ich glaube auch, dass Söder das irgendwie schlucken muss. Er kann auch den Aiwanger jetzt nicht demissionieren, weil sonst seine
ganze Regierung zusammenbricht», sagte er dem Bayerischen Rundfunk.

de | politik | 63959477 |