ICE-Angriff, Landgericht Aachen

ICE-Angriff bei Siegburg: Prozess gegen 20-JĂ€hrigen beginnt

Veröffentlicht am: 08.11.2026 um 05:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Vor dem Landgericht Aachen beginnt der Prozess gegen einen 20-JĂ€hrigen. Die Anklage wirft ihm vor, in einem ICE bei Siegburg Sprengkörper gezĂŒndet und einen Messerangriff vorbereitet zu haben.

Folgen fĂŒr Verfahren und Betroffene

  • Der Angeklagte soll am 2. April in einem ICE bei Siegburg zwei Softair-Granaten gezĂŒndet haben.
  • Die Generalstaatsanwaltschaft wirft ihm zusĂ€tzlich die Vorbereitung eines Messerangriffs auf FahrgĂ€ste vor.
  • Das Landgericht Aachen hat acht Verhandlungstage bis Mitte Dezember angesetzt.
  • Zahlreiche Polizisten rĂŒckten im April nach Siegburg aus. (Archivbild) - Bild: Roberto Pfeil/dpa
  • Vor dem Landgericht Aachen beginnt am 10. November der Prozess gegen einen Angeklagten wegen versuchten Mordes. (Archivbild) - Bild: Marius Fuhrmann/dpa
Zahlreiche Polizisten rĂŒckten im April nach Siegburg aus. (Archivbild) - Bild: Roberto Pfeil/dpa Vor dem Landgericht Aachen beginnt am 10. November der Prozess gegen einen Angeklagten wegen versuchten Mordes. (Archivbild) - Bild: Marius Fuhrmann/dpa

Prozessbeginn nach Angriff im ICE bei Siegburg

Vor dem Landgericht Aachen beginnt am Dienstag der Prozess gegen einen 20-JĂ€hrigen, der im April in einem ICE bei Siegburg Sprengkörper geworfen und einen Messerangriff auf FahrgĂ€ste geplant haben soll. Die Staatsanwaltschaft wirft dem deutschen StaatsbĂŒrger versuchten Mord vor.

In dem Zug mit rund 180 Menschen soll der Angeklagte am 2. April maskiert zwei sogenannte Softair-Granaten gezĂŒndet haben.

Zehn FahrgÀste leicht verletzt

Durch umherfliegende Plastikkugeln wurden zehn Menschen leicht verletzt. Mindestens eine Person kam mit einem Knalltrauma ins Krankenhaus, weitere Betroffene erlitten oberflÀchliche Hautverletzungen.

Nach Darstellung der Ermittler soll der Angeklagte auf der Zugtoilette einen Rucksack, einen Helm und ein Messer deponiert haben. Zudem habe er vor der Tat ein umfangreiches Manifest an mehrere MedienhĂ€user geschickt, in dem er einen Messerangriff angekĂŒndigt und seine Absicht erklĂ€rt habe, Menschen zu töten.

Bahnmitarbeiter hÀlt VerdÀchtigen fest

Die Softair-Granaten sollen nach Überzeugung der Generalstaatsanwaltschaft als Ablenkung gedient haben. Als sich der Mann anschließend in die Zugtoilette begab, sperrten ihn ein Bahnmitarbeiter und ein Fahrgast dort bis zum Eintreffen der Bundespolizei ein.

Die Beamten nahmen den 20-JÀhrigen am Bahnhof Siegburg fest und rÀumten den Zug sowie einen Teil des Bahnhofs. Die Passagiere wurden in einer Turnhalle von der Feuerwehr versorgt; Notfallseelsorger standen bereit. Danach durchsuchten EinsatzkrÀfte den Zug und die Spurensicherung untersuchte den Tatort.

Motiv bleibt offen

Der Angeklagte sitzt in Untersuchungshaft. Ein zunÀchst angenommener politischer Hintergrund bestÀtigte sich nach den Ermittlungen nicht. Bei ihm wurden laut Generalstaatsanwaltschaft Dokumente zu unterschiedlichen Ideologien gefunden.

Ein psychiatrisches Gutachten bescheinigt dem Mann volle SchuldfĂ€higkeit. Er sei bereits zuvor strafrechtlich in Erscheinung getreten; dabei habe es sich um unterschiedliche Delikte gehandelt. Bei einer Verurteilung drohen bis zu 15 Jahre Haft. Das Landgericht will außerdem den Vorbehalt der Sicherungsverwahrung prĂŒfen.

Verhandlung bis Mitte Dezember

Der Verteidiger Ă€ußerte sich vor Prozessbeginn nicht. Das Gericht hat acht Verhandlungstage bis Mitte Dezember angesetzt.

Der Prozess beleuchtet einen Vorfall, bei dem sich ein geplanter Angriff in einem besonders engen und stark frequentierten öffentlichen Raum abgespielt haben soll. In einem ICE mit rund 180 Menschen hĂ€tten zwei gezĂŒndete Softair-Granaten zunĂ€chst Verletzungen verursacht und zugleich als Ablenkung fĂŒr einen geplanten Messerangriff dienen sollen.

FĂŒr das Verfahren wird deshalb entscheidend sein, welche Absichten der Angeklagte tatsĂ€chlich hatte und wie die einzelnen Vorbereitungshandlungen rechtlich zu bewerten sind. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm versuchten Mord vor. Das Gericht muss unter anderem klĂ€ren, ob sich aus dem Manifest, den deponierten GegenstĂ€nden und dem Ablauf der Tat ein belastbarer Tötungsvorsatz ableiten lĂ€sst.

Offene Fragen im Verfahren

Eine zentrale Rolle dĂŒrfte außerdem das Motiv spielen. Hinweise auf eine politisch motivierte Tat bestĂ€tigten sich nach den Ermittlungen nicht; zugleich wurden Dokumente mit unterschiedlichen ideologischen BezĂŒgen gefunden. Das psychiatrische Gutachten geht von voller SchuldfĂ€higkeit aus.

Die geplante Verhandlung mit acht Terminen bis Mitte Dezember soll damit sowohl den konkreten Tatablauf als auch die persönliche Entwicklung des Angeklagten beleuchten. FĂŒr die FahrgĂ€ste steht neben den Verletzungen vor allem die Frage im Raum, wie der Angriff durch das Eingreifen eines Bahnmitarbeiters und eines Passagiers beendet werden konnte.

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