Ilse Aigner soll Bundespräsidentin werden – CDU ist einig
Veröffentlicht am: 06.11.2026 um 17:57 Uhr | dpa, AD HOC NEWSBundesversammlung entscheidet im Januar
- Friedrich Merz will Ilse Aigner den CDU-Führungsgremien offiziell vorschlagen.
- Die Wahl der Bundespräsidentin ist für den 30. Januar in der Bundesversammlung vorgesehen.
- Union und SPD verfügen dort über eine Mehrheit von etwa 50 Stimmen.
CDU-Führung stellt sich hinter Ilse Aigner
Nach der CSU hat sich auch die CDU für die bayerische Landtagspräsidentin Ilse Aigner als neue Bundespräsidentin entschieden. Bundeskanzler und CDU-Chef Friedrich Merz will sie den Führungsgremien vorschlagen, die am Sonntag und Montag in Berlin tagen.
SPD signalisiert Unterstützung
SPD-Chef Lars Klingbeil sagte, seine Partei werde eine Kandidatur Aigners begrüßen und unterstützen, falls sich die CDU am Montag offiziell für sie entscheide. Merz äußerte sich zunächst nicht; eine CDU-Sprecherin verwies auf die anstehenden Gremiensitzungen.
Wahl am 30. Januar erwartet
Aigner gilt damit als aussichtsreiche Kandidatin für die Wahl am 30. Januar. Sie könnte die erste Frau und die erste CSU-Politikerin im Amt des Bundespräsidenten werden.
Union und SPD haben in der Bundesversammlung eine Mehrheit von etwa 50 Stimmen. Merz könnte zusätzlich das Gespräch mit den Grünen suchen, nachdem er eine Kandidatin der politischen Mitte angekündigt hatte.
CSU brachte Aigner früh ins Gespräch
CSU-Chef Markus Söder hatte Aigner bereits im April als mögliche Kandidatin genannt. Nach dem CSU-Parteitag im Oktober erhielt sie weiteren Rückhalt; zuletzt sprachen sich auch mehrere CDU-Landeschefs und Unionsfraktionschef Thorsten Frei positiv für sie aus.
Eine zwischenzeitlich gehandelte Kandidatur der hessischen CDU-Fraktionschefin Ines Claus fand in der CDU sowie bei SPD und Grünen wenig Resonanz. Als weitere mögliche Namen waren unter anderem Bundestagspräsidentin Julia Klöckner, Bildungsministerin Karin Prien und Ursula von der Leyen genannt worden.
AfD plant eigenen Kandidaten
Die AfD will einen eigenen Mann aus der Mitte der Gesellschaft aufstellen, der wegen der Mehrheitsverhältnisse als chancenlos gilt. Die Linke hat über eine eigene Kandidatur noch nicht abschließend entschieden.
Aigner bringt Regierungserfahrung mit
Aigner war von 2008 bis 2013 Bundesagrarministerin unter Angela Merkel. Danach arbeitete sie in Bayern als Wirtschaftsministerin und später als Staatsministerin für Wohnen, Bau und Verkehr, bevor sie Präsidentin des Landtags wurde.
Die geplante Kandidatur fällt in eine Phase, in der die Nachfolge im Bundespräsidialamt frühzeitig zwischen den Regierungsparteien abgestimmt wird. Die Bundesversammlung wählt das Staatsoberhaupt; sie setzt sich aus den Mitgliedern des Bundestags und einer gleichen Zahl von Delegierten der Länder zusammen.
Für Aigner spricht nach der dpa-Meldung die breite Unterstützung in Union und SPD. Ihre Nominierung würde zugleich parteipolitische Präzedenzfälle durchbrechen: Erstmals könnte eine Frau und erstmals eine CSU-Politikerin das höchste Staatsamt übernehmen.
Mehrheit und politische Signalwirkung
Union und SPD verfügen in der Bundesversammlung nach dpa-Angaben über eine Mehrheit von etwa 50 Stimmen. Eine zusätzliche Verständigung mit den Grünen wäre deshalb kein rechnerisches Muss, könnte aber das von Merz angestrebte Bild einer Kandidatin aus der politischen Mitte stärken.
Die Entscheidung der CDU-Führung ist für die Sitzungen am Sonntag und Montag angekündigt. Danach dürfte die offizielle Nominierung die weiteren Parteien zu eigenen Kandidaturen zwingen oder ihre Unterstützung für Aigner konkretisieren. Die Wahl ist für den 30. Januar vorgesehen.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Bayerischer Rundfunk: „CDU will Ilse Aigner für das Amt des Bundespräsidenten nominieren“ (06.11.2026)
Der Beitrag berichtet, die Entscheidung in der CDU sei gefallen und Aigner solle Kandidatin werden. Anders als die dpa-Meldung stellt er die monatelange Unterstützung durch CSU-Chef Markus Söder sowie den erwarteten SPD-Zuspruch in den Vordergrund.
Frankfurter Rundschau: „Unions-Entscheidung wohl gefallen: Ilse Aigner soll Bundespräsidentin werden“ (06.11.2026)
Der Artikel ordnet Aigner als mögliche Nachfolgerin von Frank-Walter Steinmeier ein und hebt eine gemeinsame Kandidatur von Union und SPD hervor. Offen bleibt auch dort die formelle Entscheidung der CDU-Gremien.
Beide Beiträge bestätigen den politischen Rückenwind für Aigner und setzen unterschiedliche Schwerpunkte: Der BR betont den innerparteilichen Entscheidungsprozess, während die Frankfurter Rundschau die gemeinsame Linie von Union und SPD hervorhebt.
