Ilse Aigner soll erste Bundespräsidentin Deutschlands werden
Veröffentlicht am: 07.11.2026 um 04:45 Uhr | dpa, AD HOC NEWSWahltermin und parteipolitische Folgen
- Die Bundesversammlung wählt die Nachfolgerin oder den Nachfolger von Frank-Walter Steinmeier am 30. Januar.
- Union und SPD verfügen in dem Wahlgremium über eine Mehrheit von etwa 50 Stimmen.
- Eine Wahl Aigners könnte eine spätere Kanzlerkandidatur von Markus Söder oder Alexander Dobrindt erschweren.
Ilse Aigner soll nach dem Willen von CDU und CSU als Kandidatin für das Amt der Bundespräsidentin antreten. Friedrich Merz will die 61-jährige bayerische Landtagspräsidentin den CDU-Führungsgremien bei deren Sitzungen am Sonntag und Montag in Berlin offiziell vorschlagen.
Breite Zustimmung trotz Kritik
Die geplante Nominierung stößt parteiübergreifend auf Zustimmung. SPD-Chef Lars Klingbeil kündigte an, seine Partei werde eine Kandidatur Aigners begrüßen und unterstützen.
Auch bei den Grünen gibt es Sympathien für die CSU-Politikerin. Fraktionschefin Britta Haßelmann lobte Aigner als nahbar und zugewandt, kritisierte aber zugleich das Verfahren von Union und Kanzler Friedrich Merz als unprofessionell.
Vorwürfe gegen das Verfahren
Der frühere Grünen-Chef Omid Nouripour sagte, Merz sei erneut ein wichtiges Personalverfahren entglitten. Aus der CDU hatte zuvor der Außenpolitiker Roderich Kiesewetter den Ablauf als dilettantisch und verzögert bezeichnet.
Merz äußerte sich am Freitag weiterhin nicht direkt zu Aigner. Bei einer Veranstaltung in Hagen sagte er lediglich, CDU und CSU hätten ein Verfahren vereinbart, an das er sich halte; festgelegt habe er sich aber auf eine Frau.
AfD und Linke lehnen Aigner ab
AfD-Chef Tino Chrupalla lehnte Aigner als Kandidatin ab und forderte ein Staatsoberhaupt, das alle Deutschen einen solle. Linksfraktionschefin Heidi Reichinnek sprach sich für eine überparteiliche Kandidatur aus.
Aigner wäre die erste Bundespräsidentin und die erste CSU-Politikerin in diesem Amt. Die Bundesversammlung wählt die Nachfolgerin oder den Nachfolger von Frank-Walter Steinmeier am 30. Januar; Union und SPD verfügen dort über eine Mehrheit von etwa 50 Stimmen.
Söder brachte Aigner ins Gespräch
CSU-Chef Markus Söder hatte Aigner bereits im April als mögliche Kandidatin genannt. In den vergangenen Tagen stellten sich zunehmend CDU-Regierungs- und Landeschefs hinter sie.
Eine Wahl Aigners könnte auch die Diskussion über die nächste Kanzlerkandidatur der Union beeinflussen. Dass die CSU zugleich das Staatsoberhaupt und den Kanzler stellen könnte, gilt im politischen Berlin als schwer vorstellbar.
Die Bundespräsidentenwahl am 30. Januar 2027 ist mit der absehbaren Unionsentscheidung deutlich konkreter geworden. Ilse Aigner wäre die erste Frau und zugleich die erste CSU-Politikerin an der Spitze des Staates. Gewählt wird nicht direkt, sondern von der Bundesversammlung, die aus den Mitgliedern des Bundestages und einer gleichen Zahl von Vertreterinnen und Vertretern der Länder besteht.
Für Aigner spricht, dass ihre Kandidatur über die Unionsparteien hinaus auf Zustimmung stößt. Die SPD hat Unterstützung angekündigt, auch bei den Grünen gibt es Sympathien für die bayerische Landtagspräsidentin. Damit verfügt die Kandidatin über eine breite politische Ausgangsbasis, auch wenn die endgültige Entscheidung erst mit der formalen Nominierung und der Wahl fällt.
Personalentscheidung mit Folgen
Politisch belastet wird der Vorgang vor allem durch die Kritik am Verfahren. Grünen-Politiker bemängeln, Kanzler Friedrich Merz habe die Suche nicht professionell organisiert; auch aus der CDU war der Ablauf kritisiert worden. Die Aigner-Frage berührt deshalb nicht nur das höchste Staatsamt, sondern auch die innerunionische Machtbalance.
Eine Wahl Aigners könnte zudem die Perspektiven für die nächste Kanzlerkandidatur der Union beeinflussen. Da die CSU dann das Staatsoberhaupt stellen würde, erschiene es im politischen Berlin schwieriger, zugleich einen CSU-Politiker für das Kanzleramt zu nominieren. Für die Bürgerinnen und Bürger entscheidet sich zunächst, ob die Bundesversammlung am 30. Januar eine Kandidatin mit parteiübergreifender Unterstützung bestätigt.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
SWR: „Eilmeldung: CDU will CSU-Politikerin Ilse Aigner zur Bundespräsidentin nominieren“ (06.11.2026)
Der SWR hebt die erwartete gemeinsame Entscheidung von CDU und CSU hervor. Damit bestätigt der Beitrag den Kern der dpa-Meldung und ordnet ihn als Unionsvorschlag ein; die Kritik am Verfahren steht dort nicht im Mittelpunkt.
ZDFheute: „Ilse Aigner als Bundespräsidentin: Wie würde sie das Amt leben?“ (06.11.2026)
Das ZDFheute-Stück richtet den Blick stärker auf Aigners mögliches Amtsverständnis und ihre politische Rolle. Es bestätigt, dass Markus Söder sie ins Gespräch brachte und Friedrich Merz ihre Kandidatur erwägen kann, während der dpa-Bericht die parteipolitischen Reaktionen und die erwartete formale Nominierung betont.
Übereinstimmend steht Aigners erwartete Nominierung durch CDU und CSU im Zentrum. Unterschiede ergeben sich vor allem beim Schwerpunkt: Während der SWR den Entscheidungsvorgang meldet, betrachtet ZDFheute stärker die mögliche Ausgestaltung des Amtes.
