Produktion/Absatz, Wettbewerb

OFFIZIELLE KORREKTUR / ROUNDUP: Bundestag beschließt umstrittene Cannabis-Freigabe

23.02.2024 - 19:16:32

(Im 1. Absatz, 3. Satz, wurde korrigiert: DafĂŒr stimmten 404 rpt 404 Abgeordnete.

(Im 1. Absatz, 3. Satz, wurde korrigiert: DafĂŒr stimmten 404 rpt 404 Abgeordnete. Der Bundestag hat sich korrigiert.)

BERLIN (dpa-AFX) - Der Bundestag hat die kontrollierte Freigabe von Cannabis in Deutschland beschlossen. Besitz und Anbau der Droge sollen zum 1. April mit zahlreichen Vorgaben fĂŒr VolljĂ€hrige zum Eigenkonsum legal werden, wie ein am Freitag angenommenes Gesetz der Ampel-Koalition vorsieht. DafĂŒr stimmten 404 Abgeordnete, mit Nein 226 Abgeordnete, es gab 4 Enthaltungen. Das Gesetz kommt abschließend voraussichtlich am 22. MĂ€rz noch in den Bundesrat. ZustimmungsbedĂŒrftig ist es nicht, die LĂ€nderkammer könnte prinzipiell aber den Vermittlungsausschuss mit dem Bundestag anrufen und das Verfahren abbremsen.

Über die weitreichende ZĂ€sur in der Drogenpolitik wurde bis zuletzt kontrovers diskutiert. Erlaubt werden soll fĂŒr Erwachsene ab 18 Jahren grundsĂ€tzlich der Besitz von bis zu 25 Gramm Cannabis zum Eigenkonsum. In der eigenen Wohnung sollen drei lebende Cannabispflanzen legal werden und bis zu 50 Gramm Cannabis zum Eigenkonsum. Kiffen im öffentlichen Raum soll unter anderem in Schulen, SportstĂ€tten und in Sichtweite davon verboten werden - konkret in 100 Metern Luftlinie um den Eingangsbereich.

Erlaubt werden sollen auch nicht-kommerzielle "Anbauvereinigungen" fĂŒr VolljĂ€hrige, in denen bis zu 500 Mitglieder mit Wohnsitz im Inland Cannabis gemeinschaftlich anbauen und untereinander zum Eigenkonsum abgeben - im Monat höchstens 50 Gramm je Mitglied. SpĂ€testens 18 Monate nach Inkrafttreten des Gesetzes soll es eine erste Bewertung unter anderem dazu vorliegen, wie es sich auf den Kinder- und Jugendschutz auswirkt.

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach warb fĂŒr die PlĂ€ne. Die Lage derzeit sei "in keiner Weise akzeptabel", sagte der SPD-Politiker in der Aussprache vor der Abstimmung mit Blick auf steigende Zahlen von Konsumenten und "toxische Konzentrationen" in Cannabis aus kriminellem Drogenhandel. "Der Schwarzmarkt ist der Kern des Übels." Jeder Kampf gegen den Schwarzmarkt sei ein wichtiger Schritt zum Schutz junger Menschen. Daher solle ein legales Angebot geschaffen werden. Lauterbach hob zugleich eine vorgesehene stĂ€rkere AufklĂ€rung hervor. "Wir verharmlosen nicht." Viele junge Menschen wĂŒssten bisher nicht, dass Cannabis-Konsum fĂŒr das wachsende Gehirn wie ein "Gehirngift" wirke.

Die GrĂŒnen-Gesundheitspolitikerin Kirsten Kappert-Gonther sagte: "Wir beenden die schĂ€dliche Verbotspolitik. Wir geben das Hanf frei." Dies stĂ€rke den Gesundheits- und Jugendschutz. Die FDP-Fachpolitikerin Kristine LĂŒtke sprach von einem "historischen Wendepunkt" hin zu einem Umgang, der der gesellschaftlichen RealitĂ€t entspreche. Mit Cannabis aus Eigenanbau wĂŒssten Konsumenten, woher es komme. Zudem werde der Weg zum Dealer und anderen, weitaus gefĂ€hrlicheren Drogen deutlich lĂ€nger.

Union und AfD wandten sich gegen die PlĂ€ne. "Der Kinder- und Jugendschutz ist in Ihrem Gesetz nicht mehr als ein reines Lippenbekenntnis", sagte die CDU-Gesundheitspolitikerin Simone Borchardt. Ärzte, Polizisten und Psychotherapeuten und alle LĂ€nder-Innenminister hĂ€tten davor gewarnt. Anbau zu Hause sei nicht zu kontrollieren. CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt sagte der dpa, die Legalisierung werde zu mehr Sucht, mehr sozialen Problemen und weniger Sicherheit gerade fĂŒr junge Menschen fĂŒhren. "Dieses Gesetz ist nicht kontrollierbar und ein Geschenk fĂŒr die organisierte KriminalitĂ€t in Deutschland." Jörg Schneider (AfD) warnte vor einem "Konjunkturprogramm fĂŒr das organisierte Verbrechen".

Bei der generellen EinschĂ€tzung der Cannabis-Legalisierung zeigt sich laut einer Umfrage ein gespaltenes Bild. 42 Prozent gaben in einer Befragung des Meinungsforschungsinstituts YouGov an, eine Legalisierung eher oder voll und ganz zu befĂŒrworten. 47 Prozent erklĂ€rten, diese eher oder voll und ganz abzulehnen. 11 Prozent Ă€ußerten sich dazu nicht, wie aus der Umfrage hervorgeht, die der Deutschen Presse-Agentur am Freitag vorlag.

@ dpa.de | DE000A3DSV01 PRODUKTION/ABSATZ