Verfahren gegen Polizisten in «NSU 2.0»-Komplex eingestellt
05.02.2024 - 10:42:48 | dpa.de
Die Mails und Faxe waren voller Hass: Rechtsextreme Drohschreiben mit der Unterschrift «NSU 2.0» wurden vor einigen Jahren an zahlreiche Personen des öffentlichen Lebens versendet, vor allem an Frauen. Ermittlungen in dem Komplex, die sich gegen einen Polizisten und eine Polizistin des 1. Polizeireviers Frankfurt richteten, sind am 7. Dezember 2023 eingestellt worden. Das teilte die Staatsanwaltschaft auf Anfrage mit.
Ein hinreichender Tatverdacht habe nicht begrĂŒndet werden können. Gegen die Entscheidung sei Beschwerde eingelegt worden. Zuvor hatten andere Medien ĂŒber die Einstellung berichtet. Â
Bei den Ermittlungen ging es um das erste Schreiben der Serie, das im August 2018 per Fax bei der Frankfurter RechtsanwĂ€ltin Seda Basay-Yildiz einging. Es enthielt persönliche Daten, die nicht öffentlich zugĂ€nglich waren und unbefugt von einem Dienstcomputer im 1. Frankfurter Polizeirevier abgefragt worden waren. Die Polizistin, gegen die ermittelt worden war, war zu dem Zeitpunkt in dem Computer eingeloggt.  Kurz nach der 20-minĂŒtigen Abfrage wurde das Fax versandt, in dem die AnwĂ€ltin und ihre Familie mit dem Tode bedroht und rassistisch beleidigt wurden. Der Polizist war zu diesem Zeitpunkt im Dienst.Â
54-JĂ€hriger aus Berlin verurteilt
Zahlreiche weitere Drohschreiben mit der Unterschrift «NSU 2.0 waren anschlieĂend versandt worden. Als Verfasser verurteilte das Landgericht Frankfurt 2022 einen 54 Jahre alten Mann aus Berlin zu einer Haftstrafe von fĂŒnf Jahren und zehn Monaten.  Er sammelte nach Feststellung des Gerichts persönliche Daten der EmpfĂ€nger unter anderem, in dem er sich bei Anrufen bei Behörden - auch der Polizei - als Polizist oder Staatsanwalt ausgab. In seiner Wohnung wurden Ratgeber gefunden wie «Die Kunst der skrupellosen Manipulation».
Unter anderem die NebenklĂ€gerin Basay-Yildiz bezweifelte in dem Verfahren, dass ein EinzeltĂ€ter fĂŒr die Serie verantwortlich war. Mindestens fĂŒr das erste Schreiben gebe es AufklĂ€rungsbedarf, ob nicht noch weitere VerdĂ€chtige infrage kĂ€men. Ihre AnwĂ€ltin Antonia von der Behrens stellte in dem Prozess mehrfach AntrĂ€ge zur weiteren AufklĂ€rung der VorgĂ€nge im 1. Polizeirevier und der Rolle dortiger Polizisten.
Von der Behrens bestĂ€tigte auf Anfrage, Beschwerde gegen die Einstellung des Verfahrens gegen die zwei Polizeibeamten eingelegt zu haben. Zur BegrĂŒndung könne sie noch nichts sagen, da sie erst am Donnerstag Einsicht in die Akten erhalten habe.Â
Polizei-Chatgruppe mit rechtsextremen Inhalten
Im Zusammenhang mit Ermittlungen zu der illegalen Datenabfrage war eine Chatgruppe mit rechtsextremen Inhalten innerhalb des 1. Polizeireviers aufgedeckt worden. Der Fall liegt aktuell zur PrĂŒfung beim Oberlandesgericht Frankfurt. Die Frankfurter Staatsanwaltschaft hatte Beschwerde eingelegt, nachdem das Landgericht kein Hauptverfahren eröffnen wollte.
Die Generalstaatsanwaltschaft geht im Fall von fĂŒnf Polizisten davon aus, dass in der Gruppe Inhalte im strafrechtlichen Sinn verbreitet worden waren. Nach frĂŒheren Angaben wurden unter anderem Darstellungen von Adolf Hitler, Hakenkreuze und weitere nationalsozialistische Symbole sowie Verharmlosungen des Holocaust geteilt.
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