Joschka Fischer: «Ich schĂ€me mich fĂŒr unser Land»
03.12.2023 - 11:54:27 | dpa.deDer ehemalige AuĂenminister Joschka Fischer schĂ€mt sich fĂŒr Deutschland angesichts vermehrter Ăbergriffe auf Juden seit dem Angriff der Terrororganisation Hamas auf Israel am 7. Oktober. «JĂŒdische Eltern mĂŒssen Angst haben, ihre Kinder in die Schule zu schicken. Wohnungen von Juden werden mit Davidsternen beschmiert. Antiisraelische und antijĂŒdische Parolen stehen an HĂ€userwĂ€nden. Ich schĂ€me mich fĂŒr unser Land», sagte er «Zeit Online». Was seit dem 7. Oktober in Deutschland passiert sei, hĂ€tte er nicht fĂŒr möglich gehalten.
Mit Blick auf propalĂ€stinensische Demonstrationen in Deutschland sagte Fischer: «Unsere Geschichte wiegt schwer. Wir dĂŒrfen keinen Zweifel daran aufkommen lassen, dass wir den Staat Israel unterstĂŒtzen.» Er selbst habe als junger Mann nach dem Sechstagekrieg 1967 zwar auch MitgefĂŒhl mit den PalĂ€stinensern gehabt und empfunden, dass sie von Israel unterdrĂŒckt wurden, aber er habe zu keinem Zeitpunkt das Existenzrecht Israels infrage gestellt.
Als AuĂenminister habe er erlebt, wie unglaublich schwer es sei, die israelische Position gerade jungen Menschen zu erklĂ€ren. «Wenn man sieht, wie Menschen im Westjordanland Steine werfen auf israelische Soldaten, die ihrerseits mit modernsten Waffen ausgestattet sind, hat man den Eindruck, das sei unfair. Aber Israel kann sich SchwĂ€che nicht erlauben. Sonst wird es nicht mehr existieren», sagte er.
Im ersten Monat nach dem Terrorangriff der Hamas auf Israel haben Meldestellen in Deutschland bundesweit 994 antisemitische VorfĂ€lle dokumentiert. Rechnerisch seien das 29 FĂ€lle pro Tag, 320 Prozent mehr als der tĂ€gliche Durchschnitt 2022, berichtete der Bundesverband der Recherche- und Informationsstellen Antisemitismus (Rias) Ende November. Die Auswertung umfasst den Zeitraum 7. Oktober bis 9. November 2023. Viele JĂŒdinnen und Juden erleben laut Rias antisemitische VorfĂ€lle im Alltag und fĂŒhlen sich unsicher.
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