Wettbewerb, Zusammenfassung

Steuern und GebĂŒhren bremsen deutschen Luftverkehr

20.03.2025 - 16:03:20

Im europÀischen Vergleich deutlich höhere Standortkosten wie die Ticketsteuer bremsen den deutschen Luftverkehr.

Zwischen 2019 und 2024 seien die Standortkosten in Deutschland deutlich stĂ€rker gestiegen sind als im europĂ€ischen Durchschnitt, sagte StaatssekretĂ€r Stefan Schnorr bei der Vorstellung eines Gutachtens des Deutschen Zentrums fĂŒr Luft- und Raumfahrt im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums.

Schnorr sagte, das Ministerium werde die Ergebnisse Anfang April bei einer Verkehrsministerkonferenz mit den LĂ€ndern beraten und der neuen Bundesregierung VorschlĂ€ge fĂŒr wirksame Maßnahmen machen, um den Luftverkehrsstandort zu stĂ€rken. Bundesverkehrsminister Volker Wissing (parteilos) hatte bereits Ende des vergangenen Jahres vor zu hohen Kosten fĂŒr die deutsche Luftverkehrsbranche im internationalen Vergleich gewarnt.

Schwache Erholung nach Corona

Nach den EinbrĂŒchen in der Corona-Pandemie hat sich der Passagierverkehr in Deutschland langsamer erholt als im europĂ€ischen Vergleich. Das Passagieraufkommen lag laut Gutachten im Jahr 2024 bei rund 80 Prozent des Niveaus vor der Pandemie, EU-weit sei das Vorkrisenniveau zu fast 100 Prozent erreicht.

Die Standortkosten wie Steuern und GebĂŒhren fĂŒr die Flugsicherung seien in Deutschland zwischen 2019 und 2024 um 38 Prozent gestiegen - im europĂ€ischen Durchschnitt um 26 Prozent. So wurde im Mai 2024 die deutsche Luftverkehrssteuer deutlich erhöht. Airlines wie Ryanair hatten FlĂŒge von deutschen FlughĂ€fen unter Verweis auf die hohen Standortkosten gestrichen.

Neben den höheren Standortkosten gibt es laut Gutachten noch andere Faktoren fĂŒr die schwache Entwicklung des Luftverkehrs in Deutschland. Dazu zĂ€hlt die schwache Konjunktur, der RĂŒckgang von GeschĂ€ftsreisen durch mehr digitale Meetings oder eine Verlagerung innerdeutscher Reisen auf die Bahn.

Ticketsteuer abschaffen?

Im Gutachten werden verschiedene Maßnahmen vorgeschlagen, um den Standort zu stĂ€rken. Eine Abschaffung der Luftverkehrssteuer fĂŒr europĂ€ische FlĂŒge könnte zu 2,6 bis 5,1 Millionen zusĂ€tzlichen Passagieren fĂŒhren. Insgesamt betrage die LĂŒcke zum Vorkrisenniveau rund 20 Millionen Passagiere. Ein weiterer Punkt könne eine Differenzierung der Ticketsteuer zwischen Sitzklassen sein. Genannt werden außerdem eine Liberalisierung von Luftverkehrsabkommen, mehr Wettbewerb im Airline-Markt sowie eine Kostenoptimierung bei Flugsicherung und FlughĂ€fen.

Der Flughafenverband ADV sieht sich durch das Gutachten bestĂ€tigt. Zu hohe regulative staatliche Standortkosten belasteten den Flughafenstandort Deutschland in seiner WettbewerbsfĂ€higkeit. In der Folge reduzierten Airlines ihr Flugangebot. Mit Blick auf die laufenden Koalitionsverhandlungen von Union und SPD sagte ADV-HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer Ralph Beisel, die Abschaffung der Luftverkehrsteuer sei ein erster notwendiger Schritt.

Der ADV gehört zu einem BĂŒndnis aus 14 VerbĂ€nden und Gewerkschaften, das von der neuen Bundesregierung Entlastungen fĂŒr den Luftverkehr forderte. "Der Luftfahrtstandort Deutschland ist zu teuer geworden", heißt es in einem gemeinsamen Appell. Hinter dem Schreiben stehen neben anderen auch der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft und die IG Metall.

Sie sprachen sich dafĂŒr aus, fĂŒr die Förderung nachhaltiger Flugkraftstoffe sowie fĂŒr weitere Forschungs- und Technologieförderung verstĂ€rkt Mittel des geplanten milliardenschweren Sondervermögens zu nutzen. Zudem solle die Luftverkehrssteuer abgeschafft oder zumindest auf das Niveau von 2011 gesenkt werden.

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