MinisterprÀsidenten, Druck

MinisterprÀsidenten machen Druck bei Asylpolitik

06.03.2024 - 12:45:50

Im November einigten sich Bund und LĂ€nder nach zĂ€hem Ringen auf einen Migrationskompromiss. Doch wie steht es um die Umsetzung? DarĂŒber berĂ€t die MinisterprĂ€sidentenkonferenz. Auch der Kanzler kommt.

Die Regierungschefs der LĂ€nder und Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) sehen Deutschland in der Migrationspolitik insgesamt auf einem guten Weg, rechnen aber nicht mit einem schnellen RĂŒckgang der Asylbewerberzahlen. Es seien in den vergangenen Monaten bereits «grundlegende VerĂ€nderungen auf den Weg gebracht» worden, betonte der Kanzler nach einer Besprechung in Berlin. Man dĂŒrfe bei der Begrenzung der irregulĂ€ren Migration jetzt nur nicht die HĂ€nde in den Schoß legen, sondern mĂŒsse «immer am Thema dranbleiben». 

«Der Druck bleibt unglaublich groĂŸÂ», sagte Nordrhein-Westfalens MinisterprĂ€sident Hendrik WĂŒst im ZDF-«Morgenmagazin». «Das ist ein weltweiter Migrationsdruck, und den kriegen wir hier nicht weg verwaltet.» Deswegen mĂŒsse die Bundesregierung die Verabredungen von Bund und LĂ€ndern vom November umsetzen. Dies sei vielfach noch nicht geschehen, kritisierte der CDU-Politiker. «Noch so ein Jahr on top, immer noch mehr Menschen obendrauf, wird uns an die Grenzen dessen bringen, was ĂŒberhaupt noch geht», hatte WĂŒst am Vortag schon in der ARD-Sendung «Maischberger» gewarnt.

FlĂŒchtlingszahlen gehen kaum zurĂŒck

In Deutschland hatten im vergangenen Jahr rund 329.000 Menschen einen Erstantrag auf Asyl gestellt – etwa 50 Prozent mehr als 2022. Die mehr als eine Million FlĂŒchtlinge aus der Ukraine, die seit Kriegsbeginn Ende Februar 2022 nach Deutschland kamen, sind darin nicht erfasst, da sie kein Asyl beantragen mĂŒssen. Viele Kommunen sind mit der Unterbringung inzwischen ĂŒberfordert.

Im Januar dieses Jahres wurden fast 26.400 Asyl-ErstantrĂ€ge gezĂ€hlt. Hochgerechnet auf das Gesamtjahr ergĂ€be dies eine Ă€hnliche Zahl wie 2023. Dabei ist aber noch nicht berĂŒcksichtigt, dass im FrĂŒhjahr, Sommer und Herbst ĂŒblicherweise mehr FlĂŒchtlinge kommen als im Winter.

Auch SPD-gefĂŒhrte LĂ€nder machen Zeitdruck

Saarlands MinisterprĂ€sidentin Anke Rehlinger machte deutlich, dass die BundeslĂ€nder in der Migrationspolitik gemeinsam aufs Tempo drĂŒcken. «Wir wissen, dass die Belastungen nach wie vor sehr hoch sind - in den LĂ€ndern, aber vor allem auch in den Kommunen», sagte die SPD-Politikerin im Deutschlandfunk. Deswegen sei es klug, zunĂ€chst einmal bereits beschlossene Maßnahmen konsequent umzusetzen, bevor ein langer Katalog mit neuen und zusĂ€tzlichen Maßnahmen aufgestellt werde.

Die rheinland-pfĂ€lzische MinisterprĂ€sidentin Malu Dreyer (SPD) sagte dagegen den Zeitungen der Funke-Mediengruppe, sehr vieles sei bereits umgesetzt. «Die FlĂŒchtlingszahlen sinken, das liegt sicherlich auch am Wintereffekt, es zeigt aber auch, dass die Maßnahmen wirken.» Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND): «Ich erwarte von der MinisterprĂ€sidentenkonferenz vor allem, dass sie unmissverstĂ€ndlich formuliert, dass wir die Zuwanderung begrenzen.» 

Warnung vor Â«Ăœberbietungswettbewerb»

ThĂŒringens MinisterprĂ€sident Bodo Ramelow warnte in der «Rheinischen Post» hingegen vor einem Â«Ăœberbietungswettbewerb um die krassesten Formulierungen» in der Asylpolitik. Und der baden-wĂŒrttembergische MinisterprĂ€sident Winfried Kretschmann (GrĂŒne) sieht es nach Angaben eines Sprechers grundsĂ€tzlich skeptisch, immer neue Forderungen in den Raum zu stellen. «Nun geht es erst mal darum, dass das Beschlossene vollstĂ€ndig umgesetzt wird, und zu schauen, ob wir gegebenenfalls an manchen Stellen nachsteuern mĂŒssen», sagte der Sprecher dem RND.

Der Deutsche StĂ€dte- und Gemeindebund forderte erneut Entlastungen fĂŒr die Kommunen. «Die Kommunen sind an der Belastungsgrenze, was Unterbringung, Versorgung und Integration angeht», sagte HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer AndrĂ© Berghegger der «Augsburger Allgemeinen». 

Mehrere mögliche Streitpunkte vorab aus dem Weg gerÀumt

Beim FlĂŒchtlingsgipfel von Bund und LĂ€ndern im November hatten die MinisterprĂ€sidentinnen und MinisterprĂ€sidenten dem Bund eine Pro-Kopf-Pauschale als zusĂ€tzliche Beteiligung an den Asylkosten abgerungen: 7500 Euro pro Jahr fĂŒr jeden, der erstmals in Deutschland Asyl beantragt. «Da haben wir einen wirklich guten Weg beschritten», sagte der Vorsitzende der MinisterprĂ€sidentenkonferenz, Hessens Regierungschef Boris Rhein (CDU), nun der Deutschen Presse-Agentur. Zudem wurden damals Maßnahmen zur Verringerung der irregulĂ€ren Migration nach Deutschland vereinbart.

Vor dem jetzigen Treffen wurden einige mögliche Streitpunkte abgerĂ€umt: Die Ampel-Koalition gab soeben dem DrĂ€ngen der LĂ€nder nach einer bundesgesetzlichen Regelung zur Bezahlkarte fĂŒr Asylbewerber nach. Außerdem kĂŒndigte der Bund zur Beschleunigung von Asylverfahren mehr Personal fĂŒr das Bundesamt fĂŒr Migration und FlĂŒchtlinge an. 

LĂ€nderchefs beraten auch ĂŒber Wirtschaftspolitik

Die LĂ€nderchefs wollten bei ihrem Treffen auch ĂŒber wirtschaftspolitische Fragen sprechen. Es sollte um Themen wie das im Bundesrat noch blockierte Wachstumschancengesetz, Maßnahmen gegen hohe Energiepreise sowie die Beschleunigung von Planungs- und Genehmigungsverfahren gehen. 

@ dpa.de