Bund und LÀnder vereinbaren nÀchste Schritte zur Krankenhausreform
23.11.2023 - 17:10:49Bis Ende kommender Woche soll zunĂ€chst ein weiterer Arbeitsentwurf vorgelegt werden, wie Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) nach gemeinsamen Beratungen am Donnerstag in Berlin sagte. Darin sollten auch "zentrale Kritikpunkte" aufgegriffen werden. In der zweiten Januarwoche sollen sich Bund und LĂ€nder erneut dazu abstimmen, um dann einen Referentenentwurf fĂŒr das geplante Gesetz anzugehen. Auch von LĂ€nderseite wurde das weitere gemeinsame Vorgehen bekrĂ€ftigt.
Lauterbach sagte, die Reform sei auch angesichts der finanziellen Notlage vieler Kliniken unbedingt notwendig. "Und es ist ein Konsens, dass diese Reform dringend und schnell kommen muss." Es sei eine schwierige Diskussion. Ergebnis der Bund-LÀnder-Runde sei aber: "Die Revolution geht weiter", sagte der Minister zu den GesetzesplÀnen.
Die Reform zielt darauf, das VergĂŒtungssystem der Kliniken mit Pauschalen fĂŒr BehandlungsfĂ€lle zu Ă€ndern, um sie von finanziellem Druck zu immer mehr FĂ€llen zu lösen. KĂŒnftig sollen sie 60 Prozent der VergĂŒtung allein schon fĂŒr das Vorhalten von Leistungsangeboten bekommen. Grundlage der Finanzierung durch die Krankenkassen sollen zudem genauer definierte Leistungsgruppen sein. Sie sollen auch einheitliche QualitĂ€tsvorgaben absichern. Im Sommer hatten sich Bund und LĂ€nder mehrheitlich auf GrundzĂŒge einer Reform verstĂ€ndigt. Seit mehreren Wochen laufen bereits Vorarbeiten fĂŒr einen Gesetzentwurf.
Der Vorsitzende der LĂ€nder-Gesundheitsminister, Manne Lucha (GrĂŒne) aus Baden-WĂŒrttemberg, sagte, nach den Eckpunkten sei man operativ ins Stocken geraten. Zu LĂ€nder-Kritik habe Lauterbach bei dem Treffen aber erkennen lassen, dass er bei einigen Punkten die Position der LĂ€nder sehe. Es sei ein Erfolg, dass man nun nicht mit einem Dissens auseinandergegangen sei. Man habe sich verstĂ€ndigt, weiter "in dieser Verantwortungsgemeinschaft" zu arbeiten. Es sei ein harter Prozess. "Aber wir weichen nicht aus", sagte Lucha. Ziel sei, tragfĂ€hige und auch flexible Lösungen je nach regionalen Bedarfen umzusetzen.
Lauterbach berichtete, dass unter anderem ĂŒber die Auswirkungen der Reform auf die LĂ€nder und EntbĂŒrokratisierung gesprochen worden sei - und auch ĂŒber Ausnahmen, wenn bestimmte QualitĂ€tserfordernisse nicht sofort erreicht werden könnten. Insgesamt ziele die Reform auf eine stĂ€rkere Spezialisierung. KrankenhĂ€user bekĂ€men die Möglichkeit, "wieder zu atmen, dass der ökonomische Druck weg ist". FĂŒr Kliniken bedeute es auch "eine Art Existenzgarantie", besonders auf dem Land.
Bayerns Gesundheitsministerin Judith Gerlach (CSU) kritisierte, dass wesentliche Forderungen der LĂ€nder nicht diskutiert worden seien. Nötig sei eine Auswirkungsanalyse. Sie begrĂŒĂte, dass die LĂ€nder noch in einer Klausur beraten wollen. FĂŒr die Ampel-Koalitionsfraktionen im Bundestag, die an den Beratungen ebenfalls beteiligt sind, sprach SPD-Fachpolitikerin Heike Baehrens von einem "unumkehrbaren Prozess", der nun aber auch zeitnah zum Gelingen gebracht werden solle.
Lauterbach hatte bereits deutlich gemacht, dass sich das zunĂ€chst zum 1. Januar 2024 angepeilte Inkrafttreten des Gesetzes verzögern wird. FĂŒr 2025 und 2026 angestrebte Umsetzungsschritte stĂŒnden aus jetziger Sicht aber nicht in Frage. Die Deutsche Stiftung Patientenschutz kritisierte, das "Fingerhakeln" gehe weiter. Dabei sei es notwendig, sich noch vor Weihnachten zu verstĂ€ndigen, welche 250 Kliniken im lĂ€ndlichen Raum unverzichtbar sind. "DafĂŒr sind unverzĂŒglich finanzielle Mittel bereitzustellen", sagte Vorstand Eugen Brysch. "Sonst sind die HĂ€user weg, die spĂ€ter gerettet werden sollen."

