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EU-Parlament lockert Investitionspflicht im Emissionshandel an

Veröffentlicht am: 04.09.2026 um 08:25 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS

Im Streit um die Reform des EuropĂ€ischen Emissionshandelssystems deutet sich im EU-Parlament ein flexiblerer Umgang mit der geplanten Investitionspflicht fĂŒr kostenlose Zertifikate an. Berichterstatter Peter Liese skizziert einen Kompromiss, der neue Zertifikate stĂ€rker bindet und bestehenden Spielraum der Industrie erhĂ€lt.

Emissionshandel: EU-Parlament erwÀgt lockerere Investitionspflicht
EU-Parlament in BrĂŒssel (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Im Ringen um die Reform des EuropĂ€ischen Emissionshandelssystems (ETS) erwĂ€gt das EU-Parlament einen weniger strengen Zuschnitt der von der EU-Kommission vorgeschlagenen Investitionspflicht. Der zustĂ€ndige CDU-Europaabgeordnete Peter Liese spricht sich dafĂŒr aus, die Pflicht nur auf einen Teil der Zertifikate anzuwenden.

Liese plĂ€diert fĂŒr begrenzte Konditionalisierung

Liese sagte dem "Handelsblatt", er erwĂ€ge, "nur die Zertifikate mit der Konditionalisierung zu verbinden, die durch die Revision zusĂ€tzlich zur VerfĂŒgung gestellt werden". Nach seiner Darstellung ist es zwar richtig, dass die Kommission Investitionen im Gegenzug zu kostenlosen Zertifikaten vorschlagen will, zugleich gebe es aber Detailfragen, die ein zu starres System befĂŒrchten lassen.

Als Berichterstatter im EuropĂ€ischen Parlament kĂŒndigte Liese an, ĂŒber Möglichkeiten nachzudenken, dieses System aufzuweichen. Insbesondere zu Beginn der nĂ€chsten ETS-Handelsperiode ab 2031 könne man demnach damit einsteigen, nur die zusĂ€tzlichen Zertifikate mit einer Investitionspflicht zu verbinden.

Kommission hat PlÀne bereits vorgelegt

Die EU-Kommission hatte am 17. Juli nach monatelangen Diskussionen ihre VorschlĂ€ge fĂŒr eine Revision des Emissionshandels vorgestellt. Mit der Reform soll das bestehende System an die verschĂ€rften Klimaziele der Union angepasst und insbesondere der Umgang mit kostenlosen Zertifikaten neu geregelt werden.

Auf dieser Grundlage legen nun das EU-Parlament und der Rat ihre jeweiligen Positionen fest, bevor im weiteren Verlauf ein gemeinsamer Rechtsrahmen ausgehandelt wird. Die Diskussionen verlaufen in mehreren Verhandlungsrunden und AusschĂŒssen, in denen Details wie die Investitionspflicht konkretisiert werden.

Kritik aus der Industrie

Industrievertreter kritisieren die von der Kommission vorgeschlagene Investitionspflicht als "staatliche Investitionslenkung". Aus Sicht vieler Unternehmen greift die Kopplung von kostenlosen Zertifikaten an bestimmte Investitionen tief in unternehmerische Entscheidungen ein und könnte SpielrĂ€ume fĂŒr eigene Strategien zur Dekarbonisierung begrenzen.

Mit dem nun diskutierten Kompromiss im Parlament könnte sich fĂŒr die betroffenen Branchen ein etwas flexibleres Modell abzeichnen. Die endgĂŒltige Ausgestaltung der Reform hĂ€ngt jedoch von den anstehenden Verhandlungen zwischen Parlament, Rat und Kommission ab.

Die Reform des EuropĂ€ischen Emissionshandelssystems (ETS) gehört zu den zentralen Klimapolitikprojekten der EU, weil sie direkt die Kosten fĂŒr Treibhausgasemissionen in Industrie und Energiesektor bestimmt. Mit der vorgeschlagenen Investitionspflicht wollte die EU-Kommission erreichen, dass kostenlose Zertifikate kĂŒnftig nur dann vergeben werden, wenn Unternehmen im Gegenzug nachweislich in Klimaschutz investieren.

Die nun von Peter Liese skizzierte Linie weist darauf hin, dass das EU-Parlament einen Ausgleich zwischen Klimaschutzanspruch und Investitionsspielraum der Unternehmen sucht. Wenn die Konditionalisierung nur fĂŒr zusĂ€tzliche Zertifikate ab der neuen Handelsperiode gelten soll, wĂŒrde der bestehende Bestand an kostenlosen Zertifikaten zunĂ€chst weniger stark reguliert, wĂ€hrend neue Mengen im System stĂ€rker an Dekarbonisierungsinvestitionen gekoppelt werden. Das könnte Übergangsfristen verlĂ€ngern und Planungssicherheit fĂŒr energieintensive Branchen erhöhen.

Hintergrund der Debatte

Seit Jahren kritisieren Umweltorganisationen, dass kostenlose Zuteilungen im ETS die Lenkungswirkung des CO?-Preises abschwÀchen, wÀhrend IndustrieverbÀnde vor Standortnachteilen und Carbon Leakage warnen. Die von der Kommission vorgeschlagene Investitionspflicht ist vor diesem Hintergrund ein Versuch, die Gratiszertifikate stÀrker an konkrete Modernisierungsschritte zu binden, ohne die betroffenen Unternehmen abrupt mit zusÀtzlichen Kosten zu konfrontieren.

Bedeutung fĂŒr Industrie und Klimaziele

FĂŒr Unternehmen in energieintensiven Sektoren wie Stahl, Chemie oder Zement ist die Ausgestaltung dieser Pflicht entscheidend: Sie beeinflusst, welche Investitionen sich wann rechnen und wie stark der Druck zur Emissionsminderung steigt. Zugleich hĂ€ngt von der Strenge und Reichweite der Konditionalisierung ab, ob die EU ihre verschĂ€rften Klimaziele erreichen kann, ohne zusĂ€tzliche Instrumente einfĂŒhren zu mĂŒssen. Der von Liese skizzierte Kompromiss deutet darauf hin, dass der Gesetzgeber eher auf schrittweise VerschĂ€rfungen als auf einen abrupten Systemwechsel setzt.

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