Arbeitsmarkt, Gesellschaft

Ökonom Werding rät Koalition zu tiefgreifenderen Rentenreformen

17.11.2025 - 12:02:35

Im unionsinternen Streit um das von der Bundesregierung geplante Rentenpaket rät der Wirtschaftsweise Martin Werding der Koalition, direkt in tiefgreifendere Rentenreformen einzusteigen.

Sowohl die befristete Haltelinie als auch die Ausweitung der Mütterrente seien mit Blick auf die demografische Alterung rentenpolitische Schritte in die falsche Richtung, sagte Werding den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Dienstagausgaben). "Wegen der geplanten Steuerfinanzierung und der Lücken in der Finanzplanung der Bundesregierung sind sie auch finanzpolitisch eigentlich nicht machbar. So gesehen sollte die Koalition am besten beide Vorschläge vom Tisch nehmen und direkt in die Diskussionen zu längerfristig orientierten Reformen der Sozialversicherungen einsteigen, die sie zwischenzeitlich angekündigt hat", so Werding, der Sozialpolitik und öffentliche Finanzen an der Ruhr-Universität Bochum lehrt.

Politisch erscheine ihm das im aktuellen Diskussionsklima zwar "äußerst schwierig", so der Ökonom weiter. "Aber im Grunde wäre es mutig und klug." Das Rentenpaket steht im Bundestag derzeit wegen eines unionsinternen Streits auf der Kippe. Hintergrund ist die Drohung der 18 Abgeordneten der sogenannten Jungen Gruppe der Unionsfraktion im Bundestag, die Verabschiedung des Gesetzes zu verhindern. Sollten ihre Stimmen bei dem Votum im Bundestag fehlen, hätte die Koalition alleine keine Mehrheit. Die jungen Unionsmitglieder stören sich vor allem an der geplanten Stabilisierung des Rentenniveaus bei 48 Prozent über das Jahr 2031 hinaus. Dieses gehe zulasten der jungen Menschen. Die SPD pocht auf die Verabschiedung der vom Kabinett beschlossenen Rentenpläne zur Stabilisierung des Rentenniveaus. Ökonom Hans-Werner Sinn warnt unterdessen eindringlich vor den sozialen und finanziellen Lasten, die auf der jungen Generation in Deutschland lasten. "Die Situation der Jungen ist fatal", sagt Sinn dem Nachrichtenportal T-Online. Während die Babyboomer-Generation zu wenige Kinder bekommen habe, um das Rentensystem zu tragen, mache sie nun hohe Schulden, "um für sich die Konsequenzen zu vermeiden - während die Jungen die Schulden an der Backe haben". So fasst es Sinn zusammen. Sinn erwartet, dass die demografischen Folgen bald deutlich sichtbar werden: "Wir werden bei den Babyboomern eine schlimme Altersarmut und Pflegebedürftigkeit beobachten." Das werde voraussichtlich zu einem gesellschaftlichen Umdenken führen. "Der liebe Gott wird unser demografisches Problem nicht lösen", mahnt Sinn. "Das müssen wir schon selbst tun."

@ dts-nachrichtenagentur.de

Weitere Meldungen

Grüne und Linke gegen höhere Verdienstgrenze bei Minijobs Grüne und Linke lehnen die Forderung aus der CDU nach einer höheren Verdienstgrenze bei Minijobs entschieden ab. (Politik, 10.02.2026 - 17:13) weiterlesen...

Umfrage: Klare Mehrheit gegen Abschaffung der Rente mit 63 Die zuletzt wieder diskutierte Forderung nach einer Abschaffung der sogenannten "Rente mit 63" stößt weiterhin auf geringe Zustimmung in der Bevölkerung.In einer Forsa-Umfrage für die Sender RTL und ntv gaben lediglich 18 Prozent der Befragten an, es richtig finden, die Möglichkeit abzuschaffen, nach 45 Versicherungsjahren vorzeitig und ohne Abschläge in Rente zu gehen. (Wirtschaft, 10.02.2026 - 16:31) weiterlesen...

Bürgergeld: Amthor begrüßt Debatte über Arbeitspflicht Philipp Amthor (CDU), Staatssekretär im Ministerium für Digitales, begrüßt den Vorschlag des Ministerpräsidenten von Sachsen-Anhalt, Sven Schulze (CDU), dass Bürgergeldempfänger, die dazu in der Lage sind, für kommunale Aufgaben herangezogen werden."Ich finde, auch da ist es eine Frage der Gerechtigkeit, darüber zu reden, dass diejenigen, die arbeiten können und etwas beitragen können, auch zu unserem Sozialstaat, das auch tun", sagte Amthor der Sendung "Frühstart" von RTL und ntv am Dienstag. (Politik, 10.02.2026 - 10:46) weiterlesen...

Bürgergeld: Ministerium fürchtet hohe Kosten durch Arbeitspflicht Der Vorstoß von Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) zur Einführung einer Arbeitspflicht für Bürgergeld-Empfänger stößt im Bundesarbeitsministerium von Bärbel Bas (SPD) auf Skepsis.Zwar könnten Arbeitsgelegenheiten "dazu beitragen, Tagesstrukturen zu stabilisieren und Mitwirkungsbereitschaft zu fördern", sagte eine Sprecherin der "Bild" (Montagausgabe) auf Anfrage. (Sonstige, 09.02.2026 - 07:37) weiterlesen...

Reiche klagt erneut über geringe Arbeitsstunden in Deutschland Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hat bekräftigt, dass die Anzahl der Arbeitsstunden der Beschäftigten in Deutschland zu gering sei."Wir verlieren, weil das gesamte Arbeitsvolumen über das Jahr geringer ist als in anderen OECD-Staaten", sagte Reiche der "Bild am Sonntag". (Politik, 08.02.2026 - 10:31) weiterlesen...

SPD schlägt Gesundheitsabgabe auf alle Einkommensarten vor Die SPD schlägt eine neue Abgabe zur Finanzierung des Gesundheitssystems vor. (Politik, 08.02.2026 - 09:37) weiterlesen...