Milei in Hamburg ausgezeichnet - keine Krawallrede
22.06.2024 - 18:14:53Argentiniens ultraliberaler PrÀsident Javier Milei ist in Hamburg mit einer Medaille der Friedrich August v. Hayek-Gesellschaft geehrt worden.
Der fĂŒr spontane und polemische ĂuĂerungen bekannte Milei verzichtete in seiner Rede auf jeden Bezug zu Deutschland und schilderte in erster Linie sein VerstĂ€ndnis von Politik. Die rund 200 Zuhörer - darunter der ehemalige VerfassungsschutzprĂ€sident Hans-Georg MaaĂen und die AfD-Bundestagsabgeordnete Beatrix von Storch - jubelten Milei zu. Immer wieder riefen sie in Sprechchören «Libertad» (Freiheit).
Am Sonntag wird der argentinische PrÀsident, der sich selbst als «Anarchokapitalisten» bezeichnet, von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) im Berliner Kanzleramt empfangen.
«Nein zu Milei in Hamburg»
Vor dem Veranstaltungsort demonstrierten mehrere hundert Menschen unter dem Motto «Nein zu Milei in Hamburg». Kritiker werfen der Hayek-Gesellschaft vor, sich nicht eindeutig von rechtspopulistischen Strömungen abzugrenzen. So verlieh der Verein etwa 2023 seinen Netzwerkpreis an das Schweizer Webradio Kontrafunk und 2022 an den Blog «Achse des Guten» - beide Medien werden im Spektrum der politischen Rechten verortet.
Mit der Auszeichnung wĂŒrdigte der Ăkonomenverband das Programm des ultraliberalen Politikers, der Argentinien im Sinne Hayeks, des österreichischen Vordenkers des Neoliberalismus, reformieren will. «Sie bringen den Kapitalismus aus der Defensive», sagte der Vorsitzende der Gesellschaft, Stefan Kooths, in seiner Laudatio. Er verglich Mileis Politik mit einer Chemotherapie. «Die Nebenwirkungen sind heftig», sagte der Kieler Wirtschaftswissenschaftler. Aber ohne eine solche Therapie wĂ€re Argentinien am Ende.
Milei beschrieb in seiner Rede seinen intellektuellen Werdegang zum AnhĂ€nger der sogenannten Ăsterreichischen Schule, zu denen neben Hayek (1899-1992) auch Ludwig von Mises (1881-1973) zĂ€hlt. Seinen Aufstieg zum erfolgreichen Politiker erklĂ€rte er mit seinem Mut, liberale Wirtschaftsideen als einziger in Medien und Fernsehtalkshows vertreten zu haben. Milei war im November vergangenen Jahres im zweiten Wahlgang mit mehr als 55 Prozent der Stimmen gewĂ€hlt worden.


