Sylt, Video

Sylt: Video mit rassistischem Gegröle geht viral

24.05.2024 - 08:14:38

Immer wieder wird der Party-Hit «L'amour Toujours» von Gigi D'Agostino fĂŒr rassistisches Gegröle missbraucht. Jetzt trifft es das Sylter Nobellokal Pony. Die Empörung ist bundesweit groß.

Ein auf Video aufgenommener rassistischer Vorfall auf Sylt hat bundesweit Empörung ausgelöst. In der kurzen Sequenz, die in sozialen Medien verbreitet wurde, sind junge Menschen zum Party-Hit «L'amour Toujours» von Gigi D'Agostino vor einem Lokal zu hören und zu sehen. Es handelt sich um das Nobel-Lokal Pony in Kampen.

Die Beteiligten grölen «AuslÀnder raus» und «Deutschland den Deutschen». Es ist nicht der erste Vorfall dieser Art mit dem Lied in Deutschland. Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln.

Die Betreiber des Pony distanzierten sich in der Nacht von den GĂ€sten und kĂŒndigten Konsequenzen an. Sie erklĂ€rten auf Instagram, sie seien «tief schockiert». «Wir distanzieren uns von jeder Art von Rassismus und Diskriminierung. HĂ€tten wir von dem Vorfall gewusst, hĂ€tten wir die betreffenden GĂ€ste selbstverstĂ€ndlich des Hauses verwiesen. Es gibt keinen Platz fĂŒr Rassismus!!!», schrieben die Betreiber auf Instagram.

Überwachungskameras zeichnen Vorfall auf

Der Vorfall am spĂ€ten Nachmittag des Pfingstsamstags auf der Terrasse des Lokals sei von Überwachungskameras mit Ton aufgezeichnet worden, sagte Inhaber Tim Becker der Deutschen Presse-Agentur. Man habe die Namen aller fĂŒnf Beteiligten an die Polizei gegeben. Auch die Überwachungsaufnahme sei der Polizei ĂŒbermittelt worden. Ähnliche VorfĂ€lle habe es im Pony bisher nicht gegeben, sagte Becker. Eine Konsequenz sei, dass «L’amour Toujours» kĂŒnftig nicht mehr gespielt werde. Die fĂŒnf Beteiligten bekommen nach Beckers Überzeugung nicht nur im Pony lebenslanges Hausverbot. «Auf Sylt brauchen die sich gar nicht mehr blicken lassen. Wir haben ganz viele befreundete Gastronomen.» Man prĂŒfe zivilrechtliche AnsprĂŒche gegen die Beteiligten.

Das Fachkommissariat fĂŒr Staatsschutz der Polizei nahm Ermittlungen wegen Volksverhetzung und des Verwendens verfassungswidriger Kennzeichen auf. Neben den Parolen gebe es auch den Verdacht, dass ein Beteiligter den Hitlergruß gezeigt habe, teilte die Polizei mit. Die Staatsanwaltschaft Flensburg bestĂ€tigte Ermittlungen gegen die VerdĂ€chtigen.

Faeser: «Schande fĂŒr Deutschland»

Der Vorfall auf Sylt wirft aus Sicht von Bundesinnenministerin Nancy Faeser ein schlechtes Licht auf das ganze Land. «Wer Nazi-Parolen wie «Deutschland den Deutschen - AuslĂ€nder raus» grölt, ist eine Schande fĂŒr Deutschland», sagte die SPD-Politikerin den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Es stelle sich die Frage, «ob wir es hier mit Menschen zu tun haben, die in einer wohlstandsverwahrlosten Parallelgesellschaft leben, die die Werte unseres Grundgesetzes mit FĂŒĂŸen tritt.»

Bundeskanzler Olaf Scholz sagte: «Ganz klar: Solche Parolen sind ekelig, sie sind nicht akzeptabel. Und darĂŒber darf es kein Vertun geben. Und deshalb ist es auch richtig, dass all unsere AktivitĂ€ten darauf gerichtet sind, genau zu verhindern, dass das eine Sache ist, die sich verbreitet.» 

Die Antirassismusbeauftragte der Bundesregierung, Reem Alabali-Radovan, Ă€ußerte sich schockiert ĂŒber das Video. Dies sei ein Fall fĂŒr die Polizei und die Strafgerichte, sagte sie am Freitag der dpa. Die UnabhĂ€ngige Bundesbeauftragte fĂŒr Antidiskriminierung, Ferda Ataman sagte der dpa, «diese unverhohlene «AuslĂ€nder-raus-Stimmung» erleben wir auch in unserer Beratung, Menschen werden diskriminiert und herabgewĂŒrdigt». «Das ist blanker Rassismus, der sich immer weiter in alle Milieus und Altersgruppen hineinfrĂ€st und offen ausgelebt wird», erklĂ€rte Ataman.

Die BĂŒrgermeisterinnen und BĂŒrgermeister der Sylter Gemeinden stellten sich mit klaren Worten gegen die rassistischen GesĂ€nge. «Wir haben fĂŒr diese GesĂ€nge null Toleranz. Dieses Verhalten ist fĂŒr uns abstoßend und vollkommen inakzeptabel. Wir dulden das nicht», sagten sie laut Mitteilung.

Ähnliche VorfĂ€lle bekannt

Es ist nicht das erste Mal, dass es im Zusammenhang mit dem Song «L’amour Toujours» zu rassistischen AusfĂ€llen gekommen ist. Im Landkreis Schwandorf ermittelte die Polizei nach einem möglichen Vorfall bei einem Faschingszug im Januar. Bei der Veranstaltung in Stulln habe eine Gruppe von Zuschauern «AuslĂ€nder raus» skandiert, als von einem Wagen das Lied von Gigi D'Agostino gespielt wurde, sagte ein Zeuge örtlichen Pressevertretern. Zuvor hatten Ă€hnliche VorfĂ€lle unter anderem in Landsberg am Lech in Oberbayern Ermittler auf den Plan gerufen. Dort sollen mehrere Menschen auf einem Zugwagen zu dem Lied ebenfalls «AuslĂ€nder raus» skandiert haben. Die Polizei ermittelte wegen des Verdachts der Volksverhetzung und suchte nach Zeugen.

Auch in Schleswig-Holstein nahm die Staatsanwaltschaft in einem Àhnlichen Fall Ermittlungen auf. Laut Polizei war dort am 17. Januar eine Anzeige eingegangen, nachdem in einer Diskothek zu dem Lied Besucher «AuslÀnder raus» gesungen hÀtten. Der Vorfall soll sich am 7. Januar ereignet haben.

@ dpa.de