Regierungsflieger, Air Force One

Regierungsflieger: Wenn Kanzler und Ministerinnen reisen

15.08.2023 - 14:18:29

In den 90er Jahren ist es Theo Waigel passiert, spĂ€ter Kanzlerin Merkel: Pannen am Regierungsflieger gibt es immer wieder. Was sind das fĂŒr Flugzeuge - und sind sie hĂ€ufiger kaputt als andere?

Mit der Air Force One eines US-PrÀsidenten sind die deutschen Regierungsflieger nicht vergleichbar. Doch auch Kanzler Olaf Scholz und seine Minister fliegen nur selten mit gewöhnlichen Linienmaschinen. Der Vorteil: Die Regierungsflieger heben ab, wann Kanzlerin oder Minister das wollen - und steuern ohne Umsteigen auch die entlegensten Gegenden der Welt an. In den vergangenen Jahren wurden sie dabei aber immer wieder durch Defekte ausgebremst. Sind die Flieger der Bundesregierung in schlechtem Zustand?

Die Regierungsflieger gehören zur Flugbereitschaft des Verteidigungsministeriums, sie werden also von Bundeswehr-Piloten geflogen. Auch den Kabinen-Service ĂŒbernimmt die Bundeswehr.

Wer darf die Regierungsflieger nutzen?

Die Flugbereitschaft transportiert die wichtigsten Politiker des Landes. Das sind vor allem BundesprĂ€sident Frank-Walter Steinmeier, Kanzler Scholz und die Bundesministerinnen und -minister. Aber auch BundestagsprĂ€sidentin BĂ€rbel Bas, der amtierende BundesratsprĂ€sident, der PrĂ€sident des Bundesverfassungsgerichts, StaatssekretĂ€re und Fraktionschefs dĂŒrfen die Flugbereitschaft nutzen. Hauptnutzer sind Scholz, Steinmeier und Außenministerin Annalena Baerbock. Mit dabei sind dann teils auch grĂ¶ĂŸere Delegationen mit Mitarbeitenden, Beraterinnen, UnternehmensvorstĂ€nden und auch Presseleuten.

ZusÀtzlich werden Flieger und Hubschrauber der Flugbereitschaft zum Materialtransport und zum Transport von Kranken und Verletzten eingesetzt. So wurden zum Beispiel im Krieg verletzte Ukrainerinnen und Ukrainer damit von Polen nach Deutschland geflogen.

Warum fliegen zumindest die Minister nicht Linie?

Als sie ihr Amt antrat, hatte Baerbock angekĂŒndigt, aus KlimaschutzgrĂŒnden hĂ€ufiger auf normale LinienflĂŒge umzusteigen. TatsĂ€chlich wird es hĂ€ufig aber praktische GrĂŒnde geben, die Regierungsflieger zu nutzen: Sie heben ab, wann immer es in den engen Terminplan der Politiker passt. Dauert ein Auslandstermin lĂ€nger, wartet der Flieger und muss nicht umstĂ€ndlich umgebucht werden.

Die Politiker mĂŒssen weder lange vorher am Flughafen sein noch unterwegs umsteigen. Außerdem sind oft GabelflĂŒge mit mehreren Stopps in unterschiedlichen LĂ€ndern vorgesehen. Vor allem Außen-, Entwicklungs- und Verteidigungsminister fliegen auch Orte an, zu denen es aus Europa keine Linien-Verbindung gibt, etwa in Krisengebiete in Afrika. Hier werden dann zum Teil auch besonders geschĂŒtzte MilitĂ€rtransporter eingesetzt.

Wie sind Regierungsmitglieder in anderen LĂ€ndern unterwegs?

Auch Regierungen anderer LÀnder haben eigene Maschinen, die Flotten sind aber teils deutlich kleiner als die der Bundesregierung. So hat etwa die italienische Luftwaffe neben drei Airbus 319 CJ noch mehrere GeschÀftsreiseflugzeuge vom Typ Falcon und Hubschrauber. Der französische PrÀsident Emmanuel Macron und seine Regierung sind im Airbus A330 oder einer von sechs Falcon-Maschinen unterwegs.

US-PrĂ€sident Joe Biden fliegt mit einem umgebauten Jumbojet vom Typ Boeing 747-200B, bekannt als Air Force One. Als fliegendes BĂŒro sind die Maschine und ein Ă€hnlich konfigurierter Ersatzflieger speziell auf die BedĂŒrfnisse des US-PrĂ€sidenten zugeschnitten. Sie haben modernste Kommunikationstechnologie und Anti-Raketen-Vorrichtungen und können in der Luft betankt werden. Das US-MilitĂ€r hĂ€lt fĂŒr die VIP-Transporte auch eine Flotte Hubschrauber vor. Bei Auslandsreisen des PrĂ€sidenten werden sie hĂ€ufig sogar mit Frachtmaschinen an die Reiseorte geflogen. In den USA gibt es an dem großen Aufwand, der vor allem aus SicherheitsgrĂŒnden betrieben wird, so gut wie keine Kritik.

Welche Flugzeuge stehen zur VerfĂŒgung?

Die Flugbereitschaft hat 16 Flugzeuge und drei Hubschrauber. Dazu gehören auch fĂŒnf große Langstreckenflugzeuge, die klassischen Regierungsflieger. Die neuesten sind zwei Airbus A350, die im vergangenen Jahr in den Dienst genommen wurden. Ein weiterer A350 wird gerade umgerĂŒstet und soll 2024 dazukommen. Sie können jedes Ziel auf der Welt ohne Zwischenlandung erreichen.

Bisher wurden auch zwei Ă€ltere A340 genutzt, die die Bundeswehr 2011 gebraucht von der Lufthansa gekauft hat. Nach der Panne auf Baerbocks Pazifikreise sollen sie jedoch in den kommenden Wochen vorzeitig ausgemustert werden. Eigentlich war das bei einem Flieger fĂŒr September 2023, beim anderen fĂŒr 2024 vorgesehen.

Dazu kommen mehrere kleinere Maschinen, die zum Teil aber sehr lange Strecken ohne Tankstopps zurĂŒcklegen können.

Was ist das Besondere an den Regierungsfliegern?

Die A340 und A350 sind speziell umgerĂŒstet. Neben normalen Sitzen im hinteren Bereich gibt es vorne Business-Class-Sitze sowie einen Konferenzbereich. Dazu kommt ein Arbeits- und Privatbereich fĂŒr den jeweiligen Chef, also den wichtigsten Politiker auf dem Flieger mit Schlafzimmer und Bad.

Gibt es hÀufiger Pannen als bei Linienfliegern?

Diesen Eindruck weist das Verteidigungsministerium zurĂŒck. «Dem ist mitnichten so. Wir sind ganz normal auf dem technischen Niveau einer renommierten Airline», heißt es in Berlin. Durch die kleine Flotte könnten beschĂ€digte Flieger aber nicht so schnell ersetzt werden wie bei einer großen Airline. Außerdem sei die Aufmerksamkeit auf die Politiker-FlĂŒge einfach grĂ¶ĂŸer, so dass Pannen hĂ€ufiger zu Schlagzeilen fĂŒhrten.

Gewartet werden die Regierungsflieger laut Ministerium bei «einer renommierten Airline». Die Flotte sei in ausgezeichnetem Zustand.

Welche Probleme sind in den vergangenen Jahren aufgetaucht?

Nicht nur Baerbock, auch Scholz, Steinmeier, Finanzminister Christian Lindner und andere konnten in den vergangenen Jahren wegen Pannen nicht wie geplant reisen. Erst im Juni strandete Verteidigungs-StaatssekretÀrin Siemtje Möller wegen Rissen in der Frontscheibe einer kleinen Global im Niger. An anderen Fliegern gab es Reifenpannen, Defekte am Hydrauliksystem oder Nager-SchÀden. Die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel verpasst 2018 den Beginn des G20-Gipfels in Buenos Aires, weil das Funksystem ihres Fliegers lahmgelegt war.

@ dpa.de