LÀnder, PlÀtze

LĂ€nder suchen Tausende PlĂ€tze fĂŒr Asylbewerber

13.04.2024 - 07:00:00

In den BundeslĂ€ndern fehlen Tausende regulĂ€re UnterbringungsplĂ€tze fĂŒr Asylbewerber.

Mehrere Ministerien teilten auf Anfrage der "Welt am Sonntag" mit, die eigenen KapazitĂ€ten zwar aufstocken zu wollen, dabei aber auf deutliche HĂŒrden zu stoßen. So erklĂ€rte das zustĂ€ndige Migrationsministerium in Baden-WĂŒrttemberg, rund zusĂ€tzliche 9.000 RegelplĂ€tze in Erstaufnahmeeinrichtungen zu benötigen. Derzeit hat das Land nur etwa 6.200. Niedersachsen sieht einen Bedarf von 7.500 RegelplĂ€tzen, zur VerfĂŒgung stehen aktuell 3.808. Mecklenburg-Vorpommern hĂ€lt 2.400 PlĂ€tze fĂŒr notwendig, vorhanden sind derzeit 1.200. Auch die LĂ€nder Bayern, Berlin, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz möchten ihre KapazitĂ€ten aufstocken. Geeignete Liegenschaften zu finden, ist aber offenbar ein großes Problem.

"Es ist rechtlich und aufgrund hĂ€ufig ablehnender Haltungen vor Ort auch faktisch schwierig, neue Erstaufnahmeeinrichtungen zu errichten", heißt es aus Baden-WĂŒrttemberg. Niedersachsen erklĂ€rte, bereits seit Herbst 2022 "eine intensive Liegenschaftsakquise" zu betreiben, um neue UnterkĂŒnfte fĂŒr die Erstaufnahme zu erschließen. Das gestalte sich als schwierig. "Die GrĂŒnde hierfĂŒr sind vielfĂ€ltig." Ob der angestrebte Aufbau weiterer Erstaufnahmeeinrichtungen gelinge, werde unter anderem von der UnterstĂŒtzung vor Ort abhĂ€ngen. Im vergangenen Jahr war der Streit um die FlĂŒchtlingsunterbringung eskaliert, weil die LĂ€nder ihrer gesetzlichen Pflicht nicht mehr nachkamen, Asylbewerber wĂ€hrend des Verfahrens unterbringen. Vielfach wurden sie zĂŒgig nach der Ankunft an die Kommunen weitergeleitet, wo ebenfalls PlĂ€tze fehlten. Aktuell ist die Lage zwar entspannter, weil weniger Menschen nach Deutschland kommen. Allerdings rechnen mehrere LĂ€nder mit erneuten EngpĂ€ssen im Sommer. Man mĂŒsse davon ausgehen, "dass die Zahlen, wie auch in den vergangenen Jahren, spĂ€testens zum Sommer wieder stĂ€rker ansteigen", teilte die Landesaufnahmebehörde Niedersachsen mit. Das Migrationsministerium in Baden-WĂŒrttemberg erklĂ€rte, sich an Zahlen des Bundes zu orientieren. Dieser gehe bei Aufstellung seines Finanzplans bis 2026 von 210.000 Asylantragstellern pro Jahr aus. Entsprechend der gesetzlich festgelegten Verteilquote mĂŒsse Baden-WĂŒrttemberg 27.300 Asylbewerber pro Jahr unterbringen. 15.000 PlĂ€tze in Erstaufnahmeeinrichtungen seien notwendig. "Nach unserer EinschĂ€tzung sind die bestehenden KapazitĂ€ten der LĂ€nder nahezu ausgeschöpft und reichen in Teilen bereits jetzt nicht mehr aus", sagte der PrĂ€sident des Deutschen Landkreistages, Reinhard Sager. "Deshalb werden in einzelnen LĂ€ndern nach wie vor Asylbewerber aus den Aufnahmeeinrichtungen der LĂ€nder auch ohne abgeschlossenes Asylverfahren oder ohne Anhörung auf die Landkreise verteilt." Das bedeute fĂŒr alle Beteiligten "einen hohen Aufwand". TatsĂ€chlich verfehlen einige LĂ€nder das Ziel, Asylbewerber erst am Ende des Asylverfahrens an die Kommunen weiterzuleiten. Eigentlich sollen Migranten erst dann in die Kreise und StĂ€dte verteilt werden, wenn sie die Anhörung durchlaufen haben - und bestenfalls bereits den Bescheid ĂŒber den Asylantrag in der Tasche haben. Darauf hatten sich der Bundeskanzler und die Regierungschefs der LĂ€nder im Herbst geeinigt. Das ThĂŒringer Landesverwaltungsamt teilte nun aber mit, dass man zwar grundsĂ€tzlich bestrebt sei, dass Asylbewerber zumindest bis zur Anhörung in der Erstaufnahme verbleiben. "Vor dem Hintergrund, dass stets freie KapazitĂ€ten vorgehalten werden mĂŒssen, um neu ankommende Asylbewerber aufnehmen zu können, wird mitunter eine kommunale Zuweisung von Asylbewerbern auch vor der Anhörung beim Bundesamt fĂŒr Migration und FlĂŒchtlinge notwendig." Ähnliches ist aus anderen LĂ€ndern zu hören.

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