Inflations-Kampf: Powell und Lagarde geben sich entschlossen
26.08.2023 - 01:00:11 | dpa.deDie fĂŒhrenden Köpfe der US-Notenbank Fed und der EuropĂ€ischen Zentralbank haben sich entschlossen im Kampf gegen die hohen Verbraucherpreise gezeigt und auch weiterhin eine strenge Geldpolitik in Aussicht gestellt.
«Wir mĂŒssen und wir werden die Inflation mittelfristig bei zwei Prozent halten», sagte EZB-Chefin Christine Lagarde laut Redeprotokoll am Freitag auf der Notenbank-Konferenz in Jackson Hole in den USA. Das bedeute, dass die EZB ZinssĂ€tze so lange auf einem ausreichend hohen Niveau halten mĂŒsse, wie es «notwendig» sei. Der Kampf gegen die Inflation sei noch nicht gewonnen. Auch Fed-Chef Jerome Powell setzte auf eine strenge Geldpolitik und hat die TĂŒr fĂŒr weitere Leitzinserhöhungen offen gelassen.
Die richtige Balance finden
Die EZB und die Fed haben wegen der gestiegenen Verbraucherpreise ihren Leitzins jeweils im rasanten Tempo angehoben. Die Inflation im Zaum zu halten, ist die klassische Aufgabe der Notenbanken. Steigen die Zinsen, mĂŒssen Privatleute und Wirtschaft mehr fĂŒr Kredite ausgeben - oder leihen sich weniger Geld. Das Wachstum nimmt ab, Unternehmen können höhere Preise nicht unbegrenzt weitergeben - und idealerweise sinkt die Inflationsrate. Gleichzeitig besteht aber die Gefahr, die Wirtschaft abzuwĂŒrgen. Die richtige Balance zu finden, ist die groĂe Herausforderung fĂŒr Zentralbanker.
Die Inflation im Euroraum war insbesondere wegen gestiegener Energie- und Lebensmittelpreise im Zuge des Ukraine-Kriegs nach oben geschnellt. Nach Jahren mit Null- und Negativzinsen hat die EZB mit einer beispiellosen Serie von bislang neun Zinserhöhungen darauf reagiert. Der Leitzins, zu dem sich GeschÀftsbanken frisches Zentralbankgeld besorgen können, liegt bei 4,25 Prozent. Die Inflation in der Eurozone sinkt zwar, ist aber immer noch mehr als doppelt so hoch wie das mittelfristige Inflationsziel der EZB.
Sicherheit geben, PreisstabilitÀt garantieren
Dabei sei es entscheidend, das Vertrauen der Menschen zu erhalten und deutlich zu machen, dass die EZB ihr Ziel nicht aus den Augen verlieren werde, betonte Lagarde nun in Jackson Hole. «FĂŒr die Situation, mit der wir heute konfrontiert sind, gibt es kein vorgefertigtes Regelwerk - unsere Aufgabe ist es also, ein neues zu entwerfen», sagte sie. Daher mĂŒsse man auch flexibel in der Analyse bleiben. Die aktuelle Lage erfordere Aufgeschlossenheit und die Bereitschaft, das Vorgehen in Echtzeit an neue Entwicklungen anzupassen. In Zeiten der Unsicherheit mĂŒssten Zentralbanken Sicherheit geben und PreisstabilitĂ€t garantieren.
Fed-Chef Powell wurde noch deutlicher: «Die US-Notenbank ist bereit, die ZinssĂ€tze bei Bedarf weiter anzuheben.» Man werde die Kreditkosten hochhalten, bis die Inflation auf einem nachhaltigen Weg in Richtung des Inflationsziels sei. Die US-Notenbank hatte auf ihrer jĂŒngsten Sitzung Ende Juli die Leitzinsspanne um 0,25 Prozentpunkte auf eine Spanne von 5,25 bis 5,50 Prozent angehoben. Auf der vorhergehenden Sitzung hatte sie erstmals im aktuellen Erhöhungszyklus eine Pause eingelegt. Einen klaren Hinweis auf das weitere Vorgehen gab die Fed bisher nicht.
Powell: «Immer noch ein langer Weg»
Powell begrĂŒĂte den RĂŒckgang der Inflation in den vergangenen Monaten. Man mĂŒsse aber «immer noch einen langen Weg gehen». Er schloss aber nicht aus, dass die Fed auf ihrer nĂ€chsten Sitzung die Zinsen stabil hĂ€lt. «In Anbetracht der Fortschritte, die wir gemacht haben, sind wir in der Lage, bei den kommenden Sitzungen vorsichtig vorzugehen», sagte Powell. Man werde die eingehenden Daten bewerten.
Laut Powell hat sich die Wirtschaft insgesamt nicht so stark abgekĂŒhlt wie erwartet. Der US-Arbeitsmarkt sei nach wie vor robust. Ein starker Arbeitsmarkt erschwert der Fed grundsĂ€tzlich den Kampf gegen die Inflation, da er die Löhne antreibt. Auch EZB-PrĂ€sidentin Lagarde warnte vor einer Lohn-Preis-Spirale. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer hĂ€tten in einem robusten Arbeitsmarkt eine gröĂere Verhandlungsmacht, was zu einem Prozess anhaltender Teuerung fĂŒhren könne.
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