Betrug, China

Betrug in China - Umweltbundesamt verweigert CO2-Zertifikate

06.09.2024 - 08:10:45

In der AffĂ€re um mutmaßliche BetrugsfĂ€lle in China hat das Umweltbundesamt deutschen Konzernen die Ausstellung von Klima-Zertifikaten verweigert.

Es gehe dabei um acht Klimaschutz-Projekte in China, bei denen UnregelmĂ€ĂŸigkeiten nachgewiesen worden seien, erklĂ€rte die Behörde am Freitag. Die acht verweigerten Zertifikate entsprĂ€chen einer Einsparung von 215 000 Tonnen Kohlenstoffdioxid, die sich die Konzerne ursprĂŒnglich auf ihre Klimabilanz anrechnen lassen wollten.

Hintergrund der Maßnahmen, die das Umweltbundesamt (UBA) ergreift, ist ein im Juni bekannt gewordenes Betrugsgeflecht, in das deutsche Mineralölkonzerne involviert sein sollen. Genauere Angaben zu den Unternehmen könne das UBA aus juristischen GrĂŒnden nicht machen, sagte ein Sprecher der dpa.

UBA schaltet internationale Anwaltskanzlei ein

Bei sieben der acht Projekte sind nach Angaben des Amts die AntrĂ€ge auf Freischaltung von Zertifikaten zurĂŒckgezogen worden, weil es "gravierende rechtliche und technische Ungereimtheiten" gegeben habe. Ein weiteres Projekt erhalte kein Zertifikat, da es entgegen der Regeln "vorzeitig begonnen" worden sei.

Neben eigenen Ermittlungen und den Ermittlungen der Berliner Staatsanwaltschaft habe die Behörde auch eine internationale Anwaltskanzlei eingeschaltet, um die mutmaßlichen BetrugsfĂ€lle aufzuklĂ€ren. Diese sei auch in China vor Ort aktiv, erklĂ€rte das UBA weiter. Im nĂ€chsten Schritt wĂŒrden 13 weitere Projekte unter die Lupe genommen.

Insgesamt stehen nach UBA-Angaben 40 von 69 China-Projekten unter Betrugsverdacht. Weitere Projekte wird es vorerst nicht geben: Bundesumweltministerin Lemke hatte angesichts der VerdachtsfÀlle alle NeuantrÀge mit Wirkung zum 1. Juli stoppen lassen.

Mineralölkonzerne lassen sich falsche Klima-Bilanz anrechnen

Den bisherigen Erkenntnissen zufolge ließen sich die Konzerne im Rahmen dubioser Klima-Projekte in China wohl BeitrĂ€ge auf ihre CO2-Bilanzen anrechnen, ohne dass es bei diesen Projekten zur tatsĂ€chlichen Reduktion von Treibhausgasen gekommen wĂ€re. Teilweise hĂ€tten die Projekte gar nicht existiert, teilweise habe die angegebene CO2-Reduktion nicht mit der realen Einsparung ĂŒbereingestimmt, hieß es.

Ermöglicht wurde der Betrug durch einen Mechanismus, der es Mineralöl-Konzernen in Deutschland erlaubt, mithilfe von Klimaschutzprojekten in China gesetzlich vorgegebene Klimaziele zu erreichen. Sie können also Projekte, bei denen im Öl-Sektor Emissionen reduziert werden, finanzieren, und bekommen sie bei Anerkennung entsprechender Zertifikate fĂŒr ihre Klimabilanz in Deutschland gutgeschrieben.

Diese "Upstream Emission Reduction"-Projekte (UER) werden dann auf die sogenannte Treibhausgasminderungsquote im Verkehr angerechnet. Die Konzerne sparen auch Geld, indem sie die Quote einhalten.

Ermittlungen gehen weiter - HĂŒrden bei AufklĂ€rung in China

ZustĂ€ndig fĂŒr die finale Freischaltung der Zertifikate ist das Umweltbundesamt. Die Behörde betonte erneut, dass es oft kaum möglich sei, aus der Ferne und auf Basis von Satellitenbildern oder eingereichter Berichte Missbrauch aufzuklĂ€ren und nachzuweisen. Auch deshalb sei die internationale Anwaltskanzlei eingeschaltet worden.

Umweltministerin Steffi Lemke (GrĂŒne) hatte vor einigen Wochen von "schwerer UmweltkriminalitĂ€t" gesprochen und umfassende AufklĂ€rung zugesagt. Das UBA suspendierte kurze Zeit spĂ€ter einen seiner fĂŒr den Bereich zustĂ€ndigen Mitarbeiter.

Mitte Juli kam es im Auftrag der Berliner Staatsanwaltschaft in Bayern und Nordrhein-Westfalen zu Durchsuchungen bei Unternehmen, die auf die Erstellung von Umweltgutachten spezialisiert sind - unter anderem zu den umstrittenen Zertifikaten. Ermittelt werde gegen 17 Personen wegen des Verdachts des gemeinschaftlichen gewerbsmĂ€ĂŸigen Betruges, hieß es.

@ dpa.de