Oberster, EU-General

Oberster EU-General fĂŒr robustes Mandat in Ukraine

25.01.2025 - 07:00:00

In der Debatte um mögliche Friedenstruppen in der Ukraine hĂ€lt der oberste MilitĂ€r der EuropĂ€ischen Union eine "UN-mandatierte Mission" fĂŒr denkbar, um einen Waffenstillstand zu sichern.

Der Vorsitzende des EU-MilitĂ€rausschusses, Robert Brieger, sagte der "Welt am Sonntag": "Zur Überwachung einer entmilitarisierten Zone entlang der Front wĂ€re aber sicherlich eine MilitĂ€rprĂ€senz von einer GrĂ¶ĂŸenordnung im höheren fĂŒnfstelligen Bereich notwendig." Hintergrund: Beim Weltwirtschaftsforum in Davos hatte der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj in dieser Woche eine viel höhere Zahl gefordert. "Von allen EuropĂ€ern? 200.000, das ist das Minimum. Das ist das Minimum, sonst ist es gar nichts", sagte Selenskyj, als er nach einer Friedensmission befragt wurde. Österreichs Ex-Generalstabschef Brieger sagte der "Welt am Sonntag" weiter, einer solchen Mission könnten "nicht nur EuropĂ€er" angehören, "sondern beispielsweise auch Soldatinnen und Soldaten aus dem globalen SĂŒden oder aus dem Kaukasus".

Allerdings wĂ€ren die EU-Soldaten "sicherlich in der Lage, einen substanziellen Beitrag zu leisten". Brieger: "Ich denke, die EU-Mitgliedstaaten könnten, abhĂ€ngig von einer politischen Entscheidung, ebenfalls ein betrĂ€chtliches KrĂ€ftedispositiv fĂŒr die Überwachung eines Waffenstillstands in der Ukraine bereitstellen." Um ein Wiederaufflammen des Krieges zu verhindern und den Waffenstillstand effektiv zu sichern, mĂŒsste man die Truppen aus militĂ€rischer Sicht "mit einem robusten Mandat ausstatten", so Brieger. "Das bedeutet: Die Soldaten mĂŒssten auch das Recht haben, den Waffenstillstand mit dem Einsatz von Waffen und LuftunterstĂŒtzung durchzusetzen. Das klingt derzeit noch alles sehr theoretisch, dieses Szenario könnte aber auf uns zukommen." Der designierte UN-Botschafter der Ukraine Andrij Melnyk forderte "Hunderttausende Soldaten mit einem sehr robusten Mandat zur Abschreckung", damit diese "auf alle möglichen VorstĂ¶ĂŸe Moskaus sofort - auch mit Waffengewalt - reagieren könnten". Die Bundeswehr solle dabei eine zentrale Rolle spielen, sagte der frĂŒhere Botschafter Kiews in Deutschland der "Welt am Sonntag". "FĂŒr den Erfolg dieser militĂ€rischen Friedensmission wĂ€re es allerdings unabdingbar, dass das keine rein europĂ€ische, sondern eine transatlantische Initiative wĂ€re." Oberst AndrĂ© WĂŒstner, Vorsitzender des Deutschen Bundeswehrverbandes, warnte indes vor dem Scheitern einer solchen Mission aufgrund mangelnder militĂ€rischer FĂ€higkeiten der EuropĂ€er. "Vor einer strategischen Entscheidung fĂŒr eine eventuelle Friedensmission muss unbedingt Klarheit ĂŒber die Rahmenbedingungen und zur VerfĂŒgung stehenden Ressourcen bestehen, andernfalls ist das Scheitern programmiert", sagte er der "Welt am Sonntag". Es sei richtig, sich international abzustimmen und planerisch vorzubereiten. Deutschland komme an der Beteiligung an der Mission nicht vorbei, so der Oberst, zuvor mĂŒssten allerdings "schnellstmöglich die auch dafĂŒr notwendigen RĂŒstungsbeschaffungen eingeleitet werden". Derzeit seien weder das Heer noch der SanitĂ€tsdienst ĂŒber einen lĂ€ngeren Einsatzzeitraum ausreichend durchhaltefĂ€hig. Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP), Vorsitzende des Ausschusses fĂŒr Sicherheit und Verteidigung im EU-Parlament, mahnte ebenfalls eine rechtzeitige Vorbereitung an, um einen Waffenstillstand zu kontrollieren oder die Sicherheit der Ukraine bei einem Ende des Krieges zu gewĂ€hrleisten: "Auf ein solches Szenario sollten sich alle europĂ€ischen MilitĂ€rs vorbereiten." Derzeit sei allerdings nicht absehbar, dass Putin seine Kampfhandlungen einstelle.

@ dts-nachrichtenagentur.de