Brandanschlag, ZĂŒge

Hamburg: Mutmaßlicher Brandanschlag sorgt fĂŒr ZugausfĂ€lle

08.09.2023 - 16:41:12

In der Nacht zu Freitag brennen mehrere KabelschĂ€chte an Bahnstrecken in Hamburg. Die Folgen fĂŒr Zugpassagiere sind gravierend. Könnten ZĂ€une an allen Bahnstrecken helfen?

  • Zahlreiche FernverkehrszĂŒge zwischen Hamburg und Berlin waren wegen BrĂ€nden an KabelschĂ€chten ausgefallen. - Foto: Soeren Stache/dpa

    Soeren Stache/dpa

  • Bahnarbeiter an den Gleisen im Stadtteil Allermöhe. - Foto: News5 / Schröder/NEWS5/dpa

    News5 / Schröder/NEWS5/dpa

  • Der Zugverkehr der Deutschen Bahn zwischen Hamburg und Berlin dĂŒrfte laut einer Unternehmenssprecherin aufgrund mehrerer mutmaßlicher BrandanschlĂ€ge noch bis zum Samstag gestört sein. - Foto: Gregor Fischer/dpa

    Gregor Fischer/dpa

Zahlreiche FernverkehrszĂŒge zwischen Hamburg und Berlin waren wegen BrĂ€nden an KabelschĂ€chten ausgefallen. - Foto: Soeren Stache/dpaBahnarbeiter an den Gleisen im Stadtteil Allermöhe. - Foto: News5 / Schröder/NEWS5/dpaDer Zugverkehr der Deutschen Bahn zwischen Hamburg und Berlin dĂŒrfte laut einer Unternehmenssprecherin aufgrund mehrerer mutmaßlicher BrandanschlĂ€ge noch bis zum Samstag gestört sein. - Foto: Gregor Fischer/dpa

Ein mutmaßlicher Brandanschlag in Hamburg hat den Fernverkehr der Deutschen Bahn zwischen Hamburg und Berlin schwer beeintrĂ€chtigt. Ausgerechnet kurz vor dem Wochenende, wenn viele Pendler unterwegs sind, fielen zwischen den beiden MillionenstĂ€dten mehr als ein Dutzend ZĂŒge aus.

Das ganz große Chaos an den Hauptbahnhöfen in Hamburg und Berlin blieb allerdings aus. Die schlechte Nachricht fĂŒr alle Reisenden: Eine Wiederaufnahme des regulĂ€ren Verkehrs zwischen Hamburg und Berlin ist voraussichtlich erst im Laufe des Samstagmorgens möglich.

In der Nacht zu Freitag wurden der Polizei zufolge an drei Stellen im Hamburger Stadtgebiet KabelschĂ€chte an Bahnstrecken in Brand gesetzt. «Das LKA 73 geht von vorsĂ€tzlichen Brandlegungen aus und hat die Ermittlungen aufgenommen», hieß es. Die Ermittler gehen von einem politischen Motiv aus. Auf der linken Plattform Indymedia tauchte ein Bekennerschreiben auf. Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) forderte ein konsequentes Durchgreifen des Rechtsstaats. «Solche AnschlĂ€ge sind eine Form von Terrorismus», sagte Wissing.

AusfÀlle im Nah- und Fernverkehr

Bereits bis zum frĂŒhen Nachmittag fielen der Deutschen Bahn zufolge 30 ZĂŒge komplett oder teilweise aus. Viele weitere sammelten auf ihrem Weg reichlich VerspĂ€tung. Die FernverkehrszĂŒge wurden teilweise ĂŒber Uelzen umgeleitet. Alternativ mussten die FahrgĂ€ste Verbindungen mit Umstieg in Hannover nehmen. Auch Nahverkehrsverbindungen sowie der Fernverkehr zwischen Hamburg und Rostock waren von den Anschlagsfolgen betroffen.

FahrgÀste beklagen schlechte Information

An den Hauptbahnhöfen in Hamburg und Berlin war die Stimmung durchwachsen. Viele Reisende harrten dort aus und warteten auf jene ZĂŒge, die trotz aller Probleme noch fahren konnten. «NatĂŒrlich bin ich genervt, aber es nĂŒtzt ja nichts, mir den Tag mit schlechter Laune zu verderben. Die Bahn kann ja nichts dafĂŒr, das macht es einfacher», sagte etwa ein 33-JĂ€hriger in Berlin. Viele beklagten, dass die Organisation und Information vonseiten der DB nicht gut war.

Andere Reisende wiederum wichen auf andere Reisemöglichkeiten aus. «Wir sehen zwischen Hamburg und Berlin eine erhöhte Nachfrage nach Flixbus-Tickets», sagte ein Flix-Sprecher der dpa. Auch die Autovermietungen berichteten von grĂ¶ĂŸerer Nachfrage.

FahrgĂ€ste können andere ZĂŒge nutzen

Bei grĂ¶ĂŸeren VerspĂ€tungen oder ZugausfĂ€llen haben Bahnreisende bestimmte Rechte. Sie können etwa ihre Fahrkarte zu einem anderen Zeitpunkt und auch ĂŒber eine andere StreckenfĂŒhrung zum Ziel nutzen oder sich den Ticketpreis erstatten lassen. Auch auf Mahlzeiten und Erfrischungen können sie je nach Wartezeit pochen. Darauf wies die Bahn auch bei X, frĂŒher Twitter, die FahrgĂ€ste hin: Zugbindungen seien teils aufgehoben, einige Tickets auch am Samstag noch gĂŒltig.

Eher mau sind nach EinschĂ€tzung von Juristen im aktuellen Fall die Aussichten auf zusĂ€tzliche EntschĂ€digungen, die einem sonst oft bei VerspĂ€tungen ab mehr als einer Stunde zustehen. Der Hintergrund dafĂŒr: Der mutmaßliche Brandanschlag ist ein Eingriff Dritter und damit außerhalb des Einflussbereichs der DB. Der bundeseigene Konzern verurteilte den Brandanschlag «auf das SchĂ€rfste».

Forderung nach mehr ZĂ€unen an Bahnstrecken

Angriffe auf die Bahn-Infrastruktur gibt es immer wieder. Besonders folgenreich waren zwei Angriffe am 8. Oktober 2022, bei denen in Herne in Nordrhein-Westfalen sowie in Berlin unverzichtbare Kabel fĂŒr den Zugfunk beschĂ€digt wurden. Über Stunden stand daraufhin der Schienenverkehr in weiten Teilen Norddeutschlands still. Aufsehen erregte damals, dass zwei kritische Punkte im Bahnnetz gleichzeitig betroffen waren. Bundesverkehrsminister Wissing und die Bahn sprachen von Sabotage. Ob es tatsĂ€chlich ein politisches Motiv gab, war zuletzt aber noch offen.

Der Bahn-Experte Markus Hecht sprach sich dafĂŒr aus, mehr Bahnstrecken einzuzĂ€unen. In anderen LĂ€ndern wĂŒrde das auch so gemacht, sagte er der dpa. «Das wĂŒrde die BetriebsstabilitĂ€t schon erhöhen.» Die Bahn wies die Forderung zurĂŒck, das EinzĂ€unen des gesamten Streckennetzes mit rund 34.000 Kilometern LĂ€nge sei nahezu unmöglich. Hecht kritisierte auch, dass es bei den Signalkabeln an den meisten Stellen keine Redundanzen gebe - wenn ein Kabel beschĂ€digt wird, gibt es also kein zweites, ĂŒber das der Betrieb weitergefĂŒhrt werden kann. Insgesamt könne er nicht erkennen, dass sich bei diesen Sicherheitsfragen in den vergangenen Jahren bei der Bahn etwas verĂ€ndert habe.

@ dpa.de