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Koalition uneins ĂŒber Verbot von Subunternehmern in Paketbranche

21.02.2024 - 05:22:44 | dpa.de

In der Reform des veralteten Postgesetzes verstÀrkt sich der Druck, den umstrittenen Einsatz von Subunternehmern zu begrenzen oder sogar ganz zu unterbinden.

Nachdem sich der Bundesrat Anfang Februar mehrheitlich fĂŒr ein Verbot von Paket-Subunternehmen ausgesprochen hatte, die nicht tarifgebunden sind, bekrĂ€ftigte der GrĂŒnen-Bundestagsabgeordnete und frĂŒhere Verdi-Chef Frank Bsirske nun seine Forderung nach gesetzlichen VerschĂ€rfungen, um der "Ausbeutung" von Paketboten einen Riegel vorzuschieben. Er ist fĂŒr ein Einsatzverbot von Sub-Sub- und Sub-Sub-Subunternehmen - also ein Verbot der nochmaligen Weitergabe von AuftrĂ€gen an andere Firmen.

Tausende Subunternehmen seien heute fĂŒr die großen Paketdienstleister tĂ€tig, oft in undurchschaubaren Sub-Sub-Unternehmerketten, sagte Bsirske der Deutschen Presse-Agentur. BeschĂ€ftigte - oft aus Osteuropa - hĂ€tten zudem oft VertrĂ€ge mit zwei Firmen, etwa fĂŒr die Verladung und die Zustellung.

HĂ€ufig gebe es MissstĂ€nde wie 14-Stunden-Tage fĂŒr Mitarbeiter, Dumpinglöhne, Schlafen in den Transportfahrzeugen. Das Nachsehen im Wettbewerb hĂ€tten die Hunderten MittelstĂ€ndler der Branche mit korrekten Arbeitsbedingungen. Die MissstĂ€nde sind auch dem Zoll bekannt. Der schaut der Branche immer mal wieder auf die Finger, im vergangenen Herbst mit einer bundesweiten Razzia von 3100 Beamten. Dabei deckte er einige RechtsverstĂ¶ĂŸe auf.

"Fortsetzung von Rechtsbruch droht"

Anfang Februar forderte der Bundesrat ein Verbot von Fremdpersonal bei Sortierung, Verladung und Auslieferung und somit von WerkvertrĂ€gen und Nachunternehmerketten. Sollten die Subunternehmen tarifgebunden sein, sollten sie aber doch tĂ€tig sein dĂŒrfen.

Die Bundesregierung sieht es anders als die LĂ€nderkammer. Aus Sicht der Regierung reichen die vorgesehenen ÜberprĂŒfungen der Unternehmen aus, wie aus einer GegenĂ€ußerung der Regierung auf die LĂ€nderforderungen hervorgeht. Der GrĂŒne Bsirske wandte ein: Die Behörden könnten die mobil tĂ€tigen BeschĂ€ftigten in der unĂŒbersichtlichen Branche kaum kontrollieren. "Es droht eine Fortsetzung des systematischen Rechtsbruchs", warnte er. Deshalb sollte nur noch ein Subunternehmen erlaubt sein und keine Subunternehmerketten.

Diese Ansicht vertritt auch der SPD-Bundestagsabgeordnete Sebastian Roloff. Er wĂŒrde sogar generell Subunternehmen in der Branche verbieten. Allerdings sind ihm vor allem die Subunternehmerketten ein Dorn im Auge - deren Beseitigung hat fĂŒr ihn PrioritĂ€t.

FDP warnt vor "Gift fĂŒr den Wettbewerb"

Vom Koalitionspartner FDP kommt Widerspruch zur Haltung von Rot-GrĂŒn. "Ein Verbot von Subunternehmen wĂ€re Gift fĂŒr den Wettbewerb in der Paketbranche", sagte der Liberale Reinhard Houben. Besonders die Wettbewerber von DHL sind auf den Einsatz dieser Firmen angewiesen.

Außerdem hĂ€lt der FDP-Bundestagsabgeordnete die Annahme fĂŒr "schlichtweg falsch", "dass die Arbeitsbedingungen im Paketmarkt flĂ€chendeckend schlecht sind und Arbeitsschutzstandards strukturell unterlaufen werden". Schwarze Schafe mĂŒssten wirksam aussortiert werden. "Dies regelt die Gesetzesnovelle mit den engen Vorgaben, die Unternehmen erfĂŒllen mĂŒssen, um sich ĂŒberhaupt als Anbieter von Postdienstleistungen registrieren zu können." Auch der Einsatz von Sub-Sub-Unternehmern sei in bestimmten FĂ€llen durchaus sinnvoll. Daher sei schon 2019 im Paketboten-Schutz-Gesetz eine Nachunternehmerhaftung in der Paketbranche eingefĂŒhrt worden.

Der Paketverband Biek, der fĂŒr die Konkurrenz des MarktfĂŒhrers DHL spricht, hĂ€lt Vertragspartnerschaften fĂŒr "unverzichtbar fĂŒr die Paketbranche". "Die unternehmerische KreativitĂ€t Tausender Vertragspartner trĂ€gt dazu bei, dass ArbeitsplĂ€tze geschaffen werden und die Branche mit ihrer Wertschöpfung einen entscheidenden Beitrag fĂŒr die Gesellschaft leistet", heißt es in einer Stellungnahme des Biek.

MarktfĂŒhrer DHL, der nur etwa zwei Prozent seiner Paketmenge von Subunternehmern befördern lĂ€sst, ist fĂŒr ein Verbot von Sub-Subunternehmen. Solche Vertragskonstruktionen hat der Bonner Konzern nach eigener Aussage gar nicht abgeschlossen.

Bundestagsdebatte am Abend

Am Mittwochabend stand im Bundestagsplenum eine Debatte zu der Gesetzesreform an, die bis zum FrĂŒhjahr abgeschlossen sein soll. Einige Änderungen dĂŒrften die BĂŒrger danach bald merken: Bei der Briefbeförderung soll die Deutsche Post mehr Zeit bekommen, um ihre Kosten senken zu können. Dieser zentrale Teil der Reform ist mehr oder minder unstrittig. Angesichts der fortschreitenden Digitalisierung ist es bei Briefen nicht mehr so wichtig, dass sie möglichst schnell ankommen, sondern dass sie zuverlĂ€ssig den Absender erreichen - diese Annahme ist weitgehend Konsens in der Politik.

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