Tausende vermeidbare TodesfÀlle in deutschen KrankenhÀusern
21.06.2023 - 17:19:17Das geht aus einem Papier der Regierungskommission zur Krankenhausversorgung hervor, ĂŒber das die "SĂŒddeutsche Zeitung" (Donnerstagausgabe) berichtet. Demnach hat die Frage, wo Patienten mit schweren Erkrankungen behandelt werden, weitreichende Auswirkungen auf ihre Ăberlebenschancen.
Denn in vielen KrankenhĂ€usern entspricht die BehandlungsqualitĂ€t nicht den höchsten Standards. Als konkrete Beispiele werden in dem Papier der Kommission SchlaganfĂ€lle und Krebserkrankungen genannt. So könnten jedes Jahr fast 5.000 Menschen mehr einen Schlaganfall ĂŒberleben, wenn alle in den dafĂŒr zertifizierten KrankenhĂ€usern behandelt wĂŒrden. In diesen Kliniken, die ĂŒber sogenannte "Stroke Units" verfĂŒgen, ĂŒberleben 23,9 Prozent der eingelieferten Patienten das erste Jahr nach dem Schlaganfall nicht. In anderen HĂ€usern sterben im Schnitt 30,4 Prozent binnen zwölf Monaten. Die BehandlungsqualitĂ€t im Krankenhaus ist demnach relevanter fĂŒr die Chancen der betroffenen Patienten als eine geringfĂŒgig lĂ€ngere Anfahrtszeit bis zur Klinik. Auch bei Krebspatienten sind die Aussichten laut Papier deutlich besser, wenn die Behandlung in spezialisierten Zentren stattfindet. Insgesamt könnten jĂ€hrlich 20.404 Lebensjahre von Krebspatienten gerettet werden, wĂŒrde die Behandlung in zertifizierten HĂ€usern nach höchsten Standards stattfinden, schreibt die Kommission. Diese Kennzahl lĂ€sst sich nicht prĂ€zise in vermeidbare TodesfĂ€lle umrechnen, weil bei manchen Patienten das Leben nur um einige Monate, bei anderen um viele Jahre verlĂ€ngert und bei dritten vielleicht Heilung erreicht wird. In einer frĂŒheren Analyse der AOK wird die Zahl der vermeidbaren TodesfĂ€lle auf etwa 4.700 im Jahr geschĂ€tzt. Die Unterschiede zwischen zertifizierten Kliniken und anderen, meist kleineren KrankenhĂ€usern sind je nach Krebsart unterschiedlich groĂ. Besonders deutlich wird der Unterschied bei Brustkrebspatientinnen. Hier bedeutet die Behandlung in einer Spezialklinik einen sogenannten "relativen Vorteil im GesamtĂŒberleben" von 23 Prozent. Bei Prostata- und GebĂ€rmutterhalskarzinomen sind die Erfolgsaussichten mit 17 und 16 Prozent Ăberlebensvorteil in der Spezialklinik ebenfalls deutlich besser. Grundlage fĂŒr die Analyse waren Daten der gesetzlichen Krankenversicherung, QualitĂ€tsberichte der KrankenhĂ€user sowie Daten von medizinischen Registern und Fachgesellschaften. Auch der GKV-Spitzenverband, der AOK Bundesverband und das Wissenschaftliche Institut der AOK waren beteiligt. Das Papier der Kommission soll am Donnerstag offiziell vorgestellt werden. Es kommt Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) zupass, der seit Monaten mit den LĂ€ndern um eine Krankenhausreform ringt.
dts Deutsche Textservice Nachrichtenagentur GmbH


