Islam, Feindlichkeit

Lagebild: Fast 900 antimuslimische VorfÀlle erfasst

26.06.2023 - 12:19:13

In Deutschland ist Islam- und Muslimfeindlichkeit keine Seltenheit. Die offiziellen Zahlen sind bereits hoch, dazu kommt eine hohe Dunkelziffer.

Pöbeleien, Drohungen, Angriffe: 898 antimuslimische VorfÀlle hat die Allianz gegen Islam- und Muslimfeindlichkeit im vergangenen Jahr erfasst.

Zu vermuten sei aber eine hohe Dunkelziffer, hieß es im erstmals erstellten Lagebild der Allianz Claim, die vom Bundesfamilienministerium gefördert wird. Rassismus ist laut dem vorgestellten Papier fĂŒr die Betroffenen alltagsprĂ€gend. Viele erfasste FĂ€lle betrĂ€fen Frauen.

Schwierige Erfassung

Unter den dokumentierten FĂ€llen waren 500 verbale Attacken - etwa volksverhetzende Äußerungen, Beleidigungen, Bedrohungen und Nötigungen. Bekannt wurden elf Drohbriefe an Moscheen mit «oft exzessiven Gewalt- und Morddrohungen», wie es weiter hieß. Dabei seien VerschrĂ€nkungen mit dem Antisemitismus erkennbar. Briefe hĂ€tten Nazi-Symbole oder Verweise auf die NS-Zeit enthalten.

Daneben nennt das Lagebild 190 FÀlle von Diskriminierung und 167 FÀlle von «verletzendem Verhalten». In letztere Kategorie fallen 71 Körperverletzungen, 44 SachbeschÀdigungen, drei Brandstiftungen und 49 weitere Gewalttaten. Rassistisch motivierte Angriffe auf Jugendliche und Kinder nÀhmen zu. Es gebe FÀlle, in denen Frauen in Gegenwart ihrer Kinder attackiert worden seien. Schwangere Frauen seien in den Bauch getreten oder geschlagen worden.

Von einer hohen Dunkelziffer gehen die Autoren aus, weil eine breite Erfassung fehle. In das erste Lagebild flossen demnach Daten von zehn Beratungsstellen in fĂŒnf BundeslĂ€ndern ein sowie Meldungen ĂŒber das Portal «I-Report», die Statistik fĂŒr politisch motivierte Gewalt und Polizei- und Pressemeldungen.

Antimuslimische Straftaten wĂŒrden oft nicht als solche erkannt, hieß es weiter. Oder Betroffene zeigten sie mangels Vertrauens in die Behörden nicht an. Deshalb fordert Claim unter anderem den Ausbau der Meldestrukturen und Sensibilisierung fĂŒr das Thema in Behörden, Schulen und Gesundheitswesen.

@ dpa.de