Hoppermann soll CDU-GeneralsekretÀrin werden
Veröffentlicht am: 27.07.2026 um 10:54 Uhr | dpa.deDie Bundestagsabgeordnete und bisherige CDU-Schatzmeisterin Franziska Hoppermann soll neue GeneralsekretĂ€rin ihrer Partei werden. Bundeskanzler und Parteichef Friedrich Merz schlug sie in einer Sitzung des CDU-PrĂ€sidiums in Berlin vor, wie die Deutsche Presse-Agentur aus Teilnehmerkreisen erfuhr. Die Hamburgerin soll auf Carsten Linnemann folgen, der als Bundesgesundheitsminister vorgesehen ist.Â
Hoppermann soll noch am Vormittag vom Parteivorstand gewĂ€hlt werden. Dann ist sie kommissarisch im Amt, bis sie auf dem nĂ€chsten Parteitag bestĂ€tigt wird. Um 12.00 Uhr wird Merz die Personalie in einer Pressekonferenz vorstellen.Â
Connemann soll ins Digitalministerium wechseln
Auch in der Bundesregierung sind nach ĂŒbereinstimmenden dpa-Informationen aus der Union weitere Personalien festgezurrt worden. Die bisherige Parlamentarische StaatssekretĂ€rin im Wirtschaftsministerium, Gitta Connemann, soll auf denselben Posten im Digitalministerium wechseln. Sie soll im Wirtschaftsministerium vom Bundestagsabgeordneten und rheinland-pfĂ€lzischen CDU-GeneralsekretĂ€r Johannes Steiniger abgelöst werden - offenbar auch eine Kompensation fĂŒr die geplante Entlassung des aus Rheinland-Pfalz stammenden Verkehrsministers Patrick Schnieder.
Sport-Staatsministerin soll ins Gesundheitsministerium
Die Sport-Staatsministerin im Kanzleramt, Christiane Schenderlein, soll Parlamentarische StaatssekretĂ€rin im Gesundheitsministerium werden und dort Tino Sorge ablösen. Ihre Nachfolge im Kanzleramt ist noch nicht geklĂ€rt. Dass die SĂ€chsin nicht im Kanzleramt bleiben soll, ist seit mehreren Tagen bekannt. DarĂŒber gab es massiven Unmut in den ostdeutschen LandesverbĂ€nden.
Hamburgerin soll CDU-Managerin werden
Die wichtigste Personalie des Tages ist aber Hoppermann. In der CDU ist sie keine Unbekannte, in der breiteren Ăffentlichkeit schon. Doch das wird sich nun Ă€ndern. Denn als GeneralsekretĂ€rin der Partei wird die Frau aus Hamburg zwangslĂ€ufig im Licht der Ăffentlichkeit stehen. Als Bundesschatzmeisterin arbeitete sie bislang im Hintergrund, war damit aber zugleich Mitglied des CDU-PrĂ€sidiums.
Die Diplomkauffrau sitzt seit 2021 fĂŒr den Wahlkreis Hamburg-Wandsbek im Bundestag. Sie gehört dem Haushaltsausschuss und dem Ausschuss fĂŒr Digitales und Staatsmodernisierung an. AuĂerdem leitet sie die Enquete-Kommission Corona, die helfen soll, Deutschland besser auf mögliche Pandemien vorzubereiten.
Personalpaket in mehreren Teilen
Merz schnĂŒrt seit dem RĂŒcktritt von Bundestagsfraktionschef Jens Spahn (CDU) vor gut einer Woche ein groĂes Personalpaket:
- Zum Nachfolger Spahns soll am Mittwoch der bisherige Kanzleramtschef Thorsten Frei gewĂ€hlt werden.Â
- Auf seinen Posten in der Regierungszentrale wechselt Gesundheitsministerin Nina Warken, die von Linnemann abgelöst wird.Â
- Der bisherige Digital-StaatssekretĂ€r Philipp Amthor wird Staatsminister fĂŒr die Bund-LĂ€nder-Beziehungen im Kanzleramt.
- Der Parlamentarische GeschĂ€ftsfĂŒhrer der Unionsfraktion, Steffen Bilger, löst Verkehrsminister Schnieder ab, mit dem Merz unzufrieden war.Â
Bilger freut sich auf RĂŒckkehr ins Ministerium
Bilger gilt als ausgewiesener Verkehrsexperte, saĂ jahrelang im Fachausschuss im Bundestag und war spĂ€ter Parlamentarischer StaatssekretĂ€r im Ministerium. Er freue sich, dorthin zurĂŒckzukehren, schrieb Bilger am Abend auf X: «Verkehrspolitik war viele Jahre mein Schwerpunktthema.»
Unmut ĂŒber Umgang mit Schnieder
Besonders ĂŒber den Umgang mit Schnieder gibt es Unmut in der Union. Merz hatte Schnieder bereits am Donnerstag darĂŒber informiert, dass er ihn entlassen will. Wegen der kurzfristigen Absage des fĂŒr die Nachfolge vorgesehenen Bundestagsabgeordneten Fritz GĂŒntzler wurde das aber drei Tage lang nicht kommuniziert. Am Sonntag bat Schnieder dann selbst um Entlassung, um den «unwĂŒrdigen Zustand» zu beenden.
Der frĂŒhere Kanzleramtschef Peter Altmaier (CDU) schrieb am Wochenende auf X, was viele aktive Politiker der Union hinter vorgehaltener Hand sagen: Der Umgang mit Schnieder mache ihn betroffen und wĂŒtend und werde weder der Person des Noch-Verkehrsministers noch seiner Leistung gerecht. Schnieders Bruder, der rheinland-pfĂ€lzische MinisterprĂ€sident Gordon Schnieder (CDU), teilte den Post - ein Zeichen der UnterstĂŒtzung -, kommentierte ihn aber nicht selbst.
Sachsen-Anhalts wahlkĂ€mpfender MinisterprĂ€sident Sven Schulze zeigte sich unzufrieden ĂŒber die HĂ€ngepartie. Das sei «nicht unbedingt gut verlaufen», sagte der CDU-Spitzenkandidat im Deutschlandfunk. Es sei «fast unmöglich, sich dann am Wahlkampfstand auf Landesthemen zu konzentrieren». «Deswegen ist mein Wunsch nicht nur, sondern auch meine Forderung, dass dieses Thema jetzt oder diese Themen, die jetzt heute noch final beschlossen werden mĂŒssen oder verkĂŒndet werden mĂŒssen, dann auch ein Ende finden.»
Söder nimmt Merz in Schutz
Auch Bundestagsabgeordnete und hochrangige Parteivertreter sprechen von handwerklichen Fehlern, von einem «Desaster», das Merz zu verantworten habe. CSU-Chef Markus Söder nahm Merz dagegen am Wochenende in Schutz. Die Verantwortung fĂŒr die HĂ€ngepartie sieht er bei GĂŒntzler. «Wenn man mit jemandem am Abend ausmacht, dass er kommt, und dann in der FrĂŒh um 4.00 Uhr hört, dass es nicht klappt, das macht es manchmal nicht leichter. Da liegt also die Verantwortung sicher nicht beim Bundeskanzler», sagte der bayerische MinisterprĂ€sident im ZDF.
