Zwei AfD-Abgeordnete verlieren ImmunitÀt - Durchsuchungen
16.05.2024 - 20:19:54Wegen des Anfangsverdachts der Bestechlichkeit und der GeldwĂ€sche hat die Generalstaatsanwaltschaft MĂŒnchen Ermittlungen gegen den AfD-Abgeordneten Petr Bystron eingeleitet und mehrere Objekte durchsucht. Darunter war Bystrons AbgeordnetenbĂŒro in Berlin. Das Parlament hatte zuvor seine ImmunitĂ€t aufgehoben. Am Abend verlor auch sein Fraktionskollege Hannes Gnauck seine ImmunitĂ€t, der Bundestag genehmigte damit die DurchfĂŒhrung eines gerichtlichen Disziplinarverfahrens gegen den Vorsitzenden der Jungen Alternative. Ăber die konkreten HintergrĂŒnde wurde zunĂ€chst nichts bekannt.Â
Durchsuchungen an mehreren Orten
Nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft MĂŒnchen waren im Fall Bystron auĂerdem Durchsuchungen an mehreren Orten in Bayern und auf Mallorca geplant. Im Einsatz waren demnach elf StaatsanwĂ€lte und etwa 70 Polizisten des bayerischen Landeskriminalamts. Die Generalstaatsanwaltschaft wies darauf hin, dass bis zu einer möglichen Verurteilung die Unschuldsvermutung gelte.Â
Bystron selbst bezeichnete das Ermittlungsverfahren gegenĂŒber «Zeit online» als politisch motiviert. «Das Verfahren wird eingestellt werden, wenn die Wahl vorbei ist», zitierte ihn das Portal. «Das wird uns bei den Wahlen einige Stimmen kosten.» Andere WĂ€hler wĂŒrden aber zur AfD halten: «Diejenigen, die die Geschichte unserer von Gegenkampagnen beschĂ€digten Partei kennen, wird das nicht abschrecken.»
Schlagzeilen wegen möglicher Russland- und China-Verbindungen
Der Abgeordnete aus dem Wahlkreis MĂŒnchen-Nord ist seit 2017 Obmann der AfD im AuswĂ€rtigen Ausschuss des Bundestages. Er steht zudem auf Platz zwei der Liste der Kandidaten der AfD fĂŒr die Europawahl am 9. Juni. Bystron und Spitzenkandidat Maximilian Krah sind wegen möglicher Verbindungen zu prorussischen Netzwerken und möglicher Geldzahlungen seit Wochen in den Schlagzeilen.
Im MĂ€rz hatte Tschechien nach Geheimdienstermittlungen die prorussische Internetplattform «Voice of Europe» (VoE) auf die nationale Sanktionsliste gesetzt, dort waren auch Interviews mit Bystron und Krah erschienen. Eine tschechische Zeitung hatte berichtet, Bystron habe möglicherweise auch Geld entgegengenommen. Die Staatsanwaltschaft in MĂŒnchen leitete im Falle Bystron sogenannte Vorermittlungen ein, um zu prĂŒfen, ob sich ein Anfangsverdacht wegen eines strafbaren Verhaltens einer Abgeordnetenbestechung ergibt. Bei den nun eingeleiteten Ermittlungen geht es nach dpa-Informationen um die VorwĂŒrfe im Zusammenhang mit «Voice of Europe».
Die Strafverfolgungsbehörden in Dresden hatten ein Vorermittlungsverfahren auch gegen Krah, der aus Dresden stammt, eingeleitet und ein weiteres wegen möglicher Zahlungen aus China. WĂ€hrend die MĂŒnchner den nĂ€chsten Schritt gehen und gegen Bystron ermitteln, lĂ€uft in Dresden das Vorermittlungsverfahren im Falle Krah weiter. Es gebe keinen neuen Stand, hieĂ es in der sĂ€chsischen Landeshauptstadt am Donnerstag auf Nachfrage. Krah und Bystron hatten angegeben, kein Geld angenommen zu haben.
Krah steht auĂerdem im Fokus, weil sein ehemaliger Mitarbeiter Jian G. wegen Spionageverdachts fĂŒr China verhaftet worden war. Die Bundesanwaltschaft hatte im Zusammenhang mit den Ermittlungen gegen G. am Dienstag vergangener Woche Krahs BĂŒrorĂ€ume und die seines Ex-Mitarbeiters im EuropĂ€ischen Parlament in BrĂŒssel durchsuchen lassen. Dokumente, die Krah gehören, sind durch seine ImmunitĂ€t als Abgeordneter geschĂŒtzt. Die ImmunitĂ€t kann nur durch einen Beschluss des Parlaments auf Antrag der Behörden aufgehoben werden. Der zustĂ€ndige Ausschuss des EuropĂ€ischen Parlaments tagt aber nicht mehr vor der Europawahl am 9. Juni. Krah selbst bestreitet jedes Fehlverhalten.
AfD-Spitze vermisst weiterhin Beweise
Die AfD-Spitze hĂ€lt bislang weiter zu ihren beiden Europawahl-Kandidaten. Krah nimmt nach kurzzeitiger Pause wieder Wahlkampfauftritte wahr und im Falle Bystrons teilten die Parteichefs Alice Weidel und Tino Chrupalla nur kurz schriftlich mit: «Die Aufhebung der ImmunitĂ€t und die Durchsuchung der BĂŒro- und PrivatrĂ€ume von Petr Bystron sind ein schwerwiegender Vorgang.» Bislang seien fĂŒr die seit Wochen erhobenen VorwĂŒrfe gegen ihn keine Beweise vorgelegt worden. Die Fraktion hoffe auf einen raschen Abschluss der Ermittlungen, «damit nicht der Verdacht entsteht, dass hier versucht wird, durch Behörden und weisungsgebundene Staatsanwaltschaften den Europawahlkampf zu beeinflussen».Â
Zweiter AfD-Parlamentarier verliert ImmunitÀt
Am Abend entzog der Bundestag auch dem AfD-Parlamentarier Gnauck die ImmunitĂ€t und erteilte damit die «Genehmigung zur DurchfĂŒhrung eines gerichtlichen Disziplinarverfahrens» gegen den Vorsitzenden der Jungen Alternative. Die Jugendorganisation der AfD wurde vom Bundesamt fĂŒr Verfassungsschutz im April 2023 als gesichert rechtsextremistische Bestrebung eingestuft.Â
Ăber die HintergrĂŒnde der Aufhebung der ImmunitĂ€t des 32-JĂ€hrigen wurde zunĂ€chst nichts bekannt. Nach ARD-Informationen soll es um eine Disziplinarklage aus seiner Zeit bei der Bundeswehr gehen. Gnauck vertritt die AfD im Verteidigungsausschuss. Das hatten Politiker anderer Parteien bereits scharf kritisiert, nachdem bekannt geworden war, dass der MilitĂ€rische Abschirmdienst (MAD) der Bundeswehr den frĂŒheren Soldaten als «Extremisten» eingestuft hatte.
Gnauck, der von 2014 nach 2021 als Zeitsoldat bei der Bundeswehr war, erklĂ€rte am Abend, er habe BundestagsprĂ€sidentin BĂ€rbel Bas bereits vor Wochen angeboten, seine ImmunitĂ€t aufzuheben, um im Raum stehende VorwĂŒrfe auszurĂ€umen. Bas habe ihn damals wissen lassen, dass dieser Schritt nicht notwendig sei.
Nun werde kurz vor der EU-Wahl «ohne ersichtlichen Anlass» seine ImmunitĂ€t doch aufgehoben, um Ermittlungen in einem seit drei Jahre ruhenden Verfahrens zu ermöglichen. «Die fĂ€lschliche Darstellung von Oppositionspolitikern als korrupt oder kriminell soll offensichtlich die Ergebnisse der AfD verschlechtern», erklĂ€rte der Politiker. Er habe sich nichts vorzuwerfen und warte die Ergebnisse der Ermittlungen ab.Â





