Faeser prĂŒft kurzfristige stationĂ€re Grenzkontrollen
22.09.2023 - 20:06:27Im Kampf gegen SchleuserkriminalitĂ€t prĂŒft das Bundesinnenministerium kurzfristige stationĂ€re Grenzkontrollen an den Grenzen zu Polen und Tschechien. «Entsprechende zusĂ€tzliche grenzpolizeiliche MaĂnahmen werden aktuell geprĂŒft», teilte ein Sprecher des Ministeriums der Deutschen Presse-Agentur unter Bezug auf ein Interview von Innenministerin Nancy Faeser mit.
Die SPD-Politikerin sagte der «Welt am Sonntag» auf die Frage, ob es an der polnischen und tschechischen Grenze kurzfristige stationÀre Grenzkontrollen geben werde: «Aus meiner Sicht ist das eine Möglichkeit, SchleuserkriminalitÀt hÀrter zu bekÀmpfen.»
Vorschlag zuvor mehrfach abgelehnt
Solche zusĂ€tzlichen Kontrollen mĂŒssten mit der Ăberwachung des gesamten Grenzgebiets durch die Schleierfahndung gut zusammengreifen. «DafĂŒr haben wir die PrĂ€senz der Bundespolizei an der polnischen und der tschechischen Grenze bereits stark verstĂ€rkt», sagte die SPD-Spitzenkandidatin fĂŒr die hessische Landtagswahl am 8. Oktober
Faeser fĂŒgte hinzu: «Man sollte aber nicht suggerieren, dass keine Asylbewerber mehr kommen, sobald es stationĂ€re Grenzkontrollen gibt.» Wenn eine Person an der Grenze um Asyl bitte, dann mĂŒsse der Asylantrag in Deutschland geprĂŒft werden. Entscheidend bleibe also der Schutz der EU-AuĂengrenzen, «den wir mit dem gemeinsamen Asylsystem erreichen».
Die Ministerin hatte bereits am Mittwoch bei einer Befragung der Bundesregierung im Bundestag gesagt: «Zur SchleuserbekÀmpfung kann es in der Tat mal richtig sein, auch eine kurzfristige stationÀre Grenzkontrolle zu machen. Das ist durchaus richtig.»
Zusammenarbeit mit Nachbarstaaten
Noch vor kurzem hatte Faeser die Unionsforderung nach stationĂ€ren Grenzkontrollen etwa an den Grenzen nach Polen und Tschechien mehrfach abgelehnt. Sie bĂ€nden zu viel Personal und wĂ€ren «reine Symbolpolitik, auch angesichts der hohen Umfragewerte der AfD», hatte sie gesagt. Es sei besser, Â«ĂŒberall in den Grenzgebieten prĂ€sent zu sein - mit Teams der Bundespolizei und der anderen Grenzpolizeien».
In dem «Welt am Sonntag»-Interview hob Faeser hervor, mit der Schweiz gebe es «bereits eine hervorragende Zusammenarbeit»: «Bundespolizisten dĂŒrfen in enger Abstimmung mit Schweizer PolizeikrĂ€ften auch auf Schweizer Staatsgebiet kontrollieren und unerlaubte Einreisen verhindern. Ăhnliches könnte es mit Tschechien geben. Die Absprachen dazu laufen bereits», sagte sie der Zeitung.
Im Bundestag hatten CDU und CSU heute versucht, Faeser und die Bundesregierung mit einem Antrag unter der Ăberschrift «Deutschland-Pakt in der Migrationspolitik â IrregulĂ€re Migration stoppen» unter Druck zu setzen. Sie forderten darin, nach dem Vorbild der Grenze zu Ăsterreich sollten auch an den Grenzen zu Polen, Tschechien und der Schweiz stationĂ€re Grenzkontrollen eingefĂŒhrt werden.
CDU-Sprecher: «Druck einer Landtagswahl wirkt wohl mehr»
Die Union hatte zuvor als eigenen Vorschlag fĂŒr einen Deutschland-Pakt zur Migration einen Antrag in den Bundestag eingebracht. Nach dem Vorbild der Grenze zu Ăsterreich sollten demnach auch an den Grenzen zu Polen, Tschechien und der Schweiz stationĂ€re Grenzkontrollen eingefĂŒhrt werden.
Der innenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Alexander Throm (CDU), sagte am Abend zu Faesers ĂuĂerungen: «Es wĂ€re höchste Zeit dass es kommt, aber viele Monate zu spĂ€t. Man sieht, Opposition wirkt. Aber der Druck einer Landtagswahl wirkt wohl mehr.»


