Jochen Flasbarth, Klimapolitik

Jochen Flasbarth kritisiert fossiles Blinken vor Abschied

Veröffentlicht am: 05.11.2026 um 06:00 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS
Der scheidende StaatssekretĂ€r Jochen Flasbarth warnt vor klimapolitisch widersprĂŒchlichen Signalen in der Bundesregierung. Anfang 2027 wechselt der SPD-Politiker zur European Climate Foundation.

Flasbarths nÀchste berufliche Station

  • Jochen Flasbarth beendet am Donnerstag seine TĂ€tigkeit als StaatssekretĂ€r.
  • Er war insgesamt 13 Jahre als StaatssekretĂ€r tĂ€tig, ĂŒberwiegend im Bundesumweltministerium.
  • Anfang 2027 ĂŒbernimmt er die Leitung der European Climate Foundation.
Umweltministerium (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Flasbarth beendet TĂ€tigkeit im Umweltministerium

Der scheidende UmweltstaatssekretĂ€r Jochen Flasbarth kritisiert zum Abschied das „fossile Blinken einzelner Regierungsmitglieder in der Vergangenheit“. Dies schade dem Klimaschutz, der Wirtschaft und dem Land, sagte er dem „Tagesspiegel“.

Kritik an Entwicklung der Union

Konkrete Namen nannte Flasbarth nicht. Zugleich sagte er, es sei schwieriger geworden, mit der Union Klima- und Naturschutzpolitik zu machen, weil diese konservativer geworden sei und nicht mehr der Merkel-Union entspreche.

Er kritisierte diese Entwicklung nicht grundsĂ€tzlich. Menschen mit straff konservativen Überzeugungen mĂŒssten innerhalb des demokratischen Spektrums eine Heimat finden, sagte Flasbarth.

Umwelt- und Wirtschaftsministerium auf getrennten Linien

Als Folge beobachtet Flasbarth, dass sich Umwelt- und Wirtschaftsministerium bei Klima- und Wirtschaftsanliegen „ein StĂŒck weit auseinanderentwickeln“. Unter der Bundesregierung sehe er dennoch Fortschritte.

Die Politik sei nicht mit der Brechstange vorgegangen, sondern habe die gesellschaftliche Stimmung berĂŒcksichtigt. Schritt fĂŒr Schritt gelinge es, das Klimathema aus der Polarisierung zu holen, sagte der StaatssekretĂ€r.

Flasbarth wechselt zur European Climate Foundation

Flasbarth tritt am Donnerstag nach 13 Jahren als StaatssekretĂ€r ab, davon ĂŒberwiegend im Bundesumweltministerium. Anfang 2027 soll er die Leitung der European Climate Foundation ĂŒbernehmen.

Den Wechsel bezeichnete er als Möglichkeit, mit einer Stiftung gute Klimalösungen fĂŒr Europa zu entwickeln. FĂŒr die Zukunft sei eine klare Orientierung erforderlich.

Verbrenner-Aus bleibt politischer Streitpunkt

Zur kĂŒrzlich beschlossenen Einigung zwischen Deutschland und Frankreich, das Verbrenner-Aus aufzuweichen, sagte Flasbarth, schön finde er das nicht. An der Zukunft des Elektroautos zweifelt er dennoch nicht.

Die MobilitĂ€t der Zukunft sei in jedem Fall elektrisch, weil Elektroautos technisch deutlich effizienter seien und die Energie fĂŒr ihren Antrieb deutlich gĂŒnstiger sei.

Jochen Flasbarths Abschied fĂ€llt in eine Phase, in der Klimapolitik innerhalb der Bundesregierung stĂ€rker zwischen ökologischen Zielen und industriepolitischen Interessen austariert wird. Seine Kritik am „fossilen Blinken“ richtet sich dabei ausdrĂŒcklich nicht gegen einzelne namentlich genannte Minister, sondern gegen politische Signale, die aus seiner Sicht den Eindruck eines RĂŒckzugs von langfristigen Klimazielen vermitteln.

Besonders sichtbar wird dieser Konflikt beim Verbrenner-Aus. Eine von Deutschland und Frankreich unterstĂŒtzte Lockerung hat im zustĂ€ndigen Ausschuss des Europaparlaments eine weitere HĂŒrde genommen. Damit steht weniger die grundsĂ€tzliche Elektrifizierung des Verkehrs infrage als die Frage, wie schnell und unter welchen Bedingungen der Übergang erfolgt.

Konflikt zwischen Klimaziel und Industriepolitik

FĂŒr Unternehmen und Verbraucher ist dieser Kurs vor allem wegen der Investitions- und Planbarkeit relevant. Autohersteller, Zulieferer und KĂ€ufer mĂŒssen sich auf technologische Vorgaben einstellen, wĂ€hrend Regierungen zugleich WettbewerbsfĂ€higkeit, ArbeitsplĂ€tze und gesellschaftliche Zustimmung berĂŒcksichtigen. Flasbarth verbindet seine Kritik deshalb mit dem PlĂ€doyer fĂŒr eine klare Zukunftsorientierung und fĂŒr eine Klimapolitik, die Polarisierung abbaut.

Mit seinem Wechsel zur European Climate Foundation bleibt Flasbarth dem Thema beruflich verbunden, wechselt aber aus der unmittelbaren Regierungsverantwortung in eine Rolle außerhalb des Staatsapparats. Seine EinschĂ€tzung zur elektrischen MobilitĂ€t dĂŒrfte dort weiterhin auf die zentrale europĂ€ische Debatte treffen: Entscheidend sind nicht nur Ziele, sondern auch Infrastruktur, Stromkosten, industrielle Wertschöpfung und verlĂ€ssliche politische Rahmenbedingungen.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

BR: „Abkehr vom Verbrenner-Aus nimmt nĂ€chste HĂŒrde“ (04.11.2026)

Der Bericht beschreibt die Zustimmung des Umweltausschusses im Europaparlament zu einer Lockerung des Verbrenner-Aus. Damit bestÀtigt er den politischen Kontext von Flasbarths Kritik, legt den Schwerpunkt aber auf das parlamentarische Verfahren und nicht auf seinen Abschied aus dem Ministerium.

ZDFheute: „Abkehr vom Verbrenner-Aus? - EU-Abgeordnete stimmen fĂŒr Lockerung“ (04.11.2026)

Der Beitrag ordnet die Abstimmung als Lockerung der bisherigen Vorgaben ein und verweist auf den zuvor ausgehandelten Kompromiss zwischen Deutschland und Frankreich. Anders als Flasbarth, der die langfristige Zukunft des Elektroautos betont, richtet sich der Fokus hier auf die politischen Bedingungen und das weitere EU-Verfahren.

Beide BeitrĂ€ge bestĂ€tigen den aktuellen Streit ĂŒber die Ausgestaltung des europĂ€ischen Übergangs zur ElektromobilitĂ€t. Offen bleibt, wie die nĂ€chsten institutionellen Schritte aussehen und welche konkreten Vorgaben am Ende gelten.

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