Junge Union, Friedrich Merz

Junge Union wählt Winkel mit 94,3 Prozent wieder

Veröffentlicht am: 17.10.2026 um 00:30 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Beim Deutschlandtag in Bonn präsentiert sich die Junge Union mit klarer Abgrenzung zur AfD und scharfen Angriffen auf Manuela Schwesig. Der Kanzler muss sich am Samstag einer Organisation stellen, die ihren eigenen politischen Anspruch demonstrativ bekräftigt.

Winkels Ergebnis stärkt die JU-Führung

  • Johannes Winkel erhielt beim Deutschlandtag in Bonn 265 von 283 gültigen Stimmen.
  • Der JU-Vorsitzende steigerte sein Ergebnis gegenüber 2024 von 90,5 auf 94,3 Prozent.
  • Markus Söder soll am Sonntag als weiterer prominenter Unionspolitiker beim Deutschlandtag auftreten.
  • JU-Chef Johannes Winkel fordert ein Signal des Aufbruchs vom Parteinachwuchs. - Bild: Henning Kaiser/dpa
  • So gut hat Johannes Winkel bei einer Wahl zum JU-Vorsitzenden noch nie abgeschnitten. - Bild: Henning Kaiser/dpa
  • Für Bundeskanzler Friedrich Merz dürfte es ein schwieriger Auftritt vor dem Parteinachwuchs werden. (Archivbild) - Bild: Shireen Broszies/dpa
  • NRW-Ministerpräsident Wüst wurde mit Applaus empfangen. - Bild: Henning Kaiser/dpa
JU-Chef Johannes Winkel fordert ein Signal des Aufbruchs vom Parteinachwuchs. - Bild: Henning Kaiser/dpa So gut hat Johannes Winkel bei einer Wahl zum JU-Vorsitzenden noch nie abgeschnitten. - Bild: Henning Kaiser/dpa Für Bundeskanzler Friedrich Merz dürfte es ein schwieriger Auftritt vor dem Parteinachwuchs werden. (Archivbild) - Bild: Shireen Broszies/dpa NRW-Ministerpräsident Wüst wurde mit Applaus empfangen. - Bild: Henning Kaiser/dpa

Junge Union empfängt Merz in Bonn

Bundeskanzler Friedrich Merz trifft heute beim Deutschlandtag der Jungen Union in Bonn auf einen selbstbewussten Parteinachwuchs. JU-Chef Johannes Winkel wurde am Vorabend mit 265 von 283 gültigen Stimmen wiedergewählt und kündigte an, die Geschichte von CDU und CSU erfolgreich fortzuschreiben.

Winkel verbessert sein Wahlergebnis

Winkel erhielt 94,3 Prozent Zustimmung, wenn die zwei Enthaltungen nicht berücksichtigt werden. 2024 waren es 90,5 Prozent gewesen, bei seiner ersten Wahl im November 2022 kam er auf 87,0 Prozent.

Angriff auf Schwesig

In seiner Rede griff Winkel Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig scharf an. Mit Blick auf ihren früheren Einsatz für Nord Stream 2 warf er ihr vor, sich von Russland kaufen lassen zu haben, und wies ihre Kritik am Umgang der CDU mit der zurückgetretenen Arbeitsministerin Bärbel Bas zurück.

Abgrenzung von der AfD

Zugleich bekräftigte Winkel, dass die Junge Union nicht mit der AfD zusammenarbeiten werde, solange diese völkische Positionen vertrete und Extremisten in ihren Reihen aufnehme. Die Abgrenzung sei für ihn eine Frage des Charakters und nicht der Umfragewerte.

Wüst attackiert Berliner Sondierungen

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst warnte zuvor vor politischen Extremisten von links und rechts. Die Sondierungen von Linken, Grünen und SPD nach dem Wahlsieg der Linken in Berlin bezeichnete er als „Schande für die Hauptstadt“ und forderte SPD und Grüne auf, sie zu beenden.

Merz vor schwieriger Aussprache

Mit Spannung wird Merz’ Auftritt am Samstagvormittag erwartet. Im vergangenen Jahr war er wegen des Rentenpakets heftig mit den Delegierten aneinandergeraten, das nur knapp den Bundestag passiert hatte.

Söder folgt am Sonntag

Zum Abschluss des Deutschlandtags spricht am Sonntag CSU-Chef Markus Söder. Winkel betonte, die Veranstaltung sei kein Schaulaufen möglicher Kanzlerkandidaten und kein „Kanzler-Casting“.

Der Deutschlandtag der Jungen Union fällt in eine Phase, in der der Parteinachwuchs zugleich geschlossen auftreten und politischen Einfluss ausüben will. Johannes Winkels Wiederwahl mit 265 von 283 gültigen Stimmen verleiht ihm dafür ein deutliches Mandat. Gegenüber seinem Ergebnis von 2024 legte er zu; damit kann die JU ihren Anspruch bekräftigen, nicht nur Unterstützerin der CDU und CSU, sondern auch programmatische Antreiberin zu sein.

Konflikte über Kurs und Generationen

Im Zentrum stehen Fragen, die für die Union über den Parteitag hinaus relevant sind: die Finanzierung der sozialen Sicherung, die Belastung jüngerer Generationen, wirtschaftliche Reformen und die Abgrenzung von politischen Rändern. Der Streit über das Rentenpaket hatte bereits beim vorangegangenen Deutschlandtag gezeigt, dass die JU Beschlüsse der Parteiführung nicht automatisch mitträgt.

Für Friedrich Merz wird sein Auftritt deshalb zur politischen Bewährungsprobe innerhalb der eigenen Partei. Er muss den Anspruch der Regierung auf Geschlossenheit mit dem Wunsch des Nachwuchses nach einem eigenständigen Profil verbinden. Dass Hendrik Wüst und Markus Söder ebenfalls beim Treffen auftreten, erhöht die Aufmerksamkeit für innerparteiliche Macht- und Richtungsfragen, ohne dass der Deutschlandtag nach Winkels Worten zu einem Kanzler-Casting werden soll.

Bedeutung für die Union

Die klare Abgrenzung von der AfD markiert zugleich eine programmatische Grenze, während die Angriffe auf Manuela Schwesig den parteipolitischen Schlagabtausch verschärfen. Für die Union dürfte entscheidend sein, ob aus dem selbstbewussten Auftreten konkrete Forderungen und tragfähige Positionen entstehen. Die Debatten in Bonn können damit Hinweise geben, wie stark der Nachwuchs künftig auf den Kurs von CDU und CSU einwirken will.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

Frankfurter Rundschau: „Deutschlandtag der Jungen Union: Merz und Söder blicken auf Reformdebatten“ (16.10.2026)

Der Beitrag ordne den Deutschlandtag als dreitägiges Treffen in Bonn ein und hebe die Auftritte von Friedrich Merz und Markus Söder sowie Debatten über Rente, Generationengerechtigkeit und Reformen hervor. Anders als die dpa-Meldung richte er den Schwerpunkt stärker auf die programmatische Tagesordnung und die geplanten Reden; offen bleibe, wie die Aussprache mit Merz verlaufen werde.

tagesschau: „Winkel als Vorsitzender der Jungen Union wiedergewählt“ (16.10.2026)

Der Bericht bestätige Winkels Wiederwahl und sein starkes Ergebnis sowie seine Kritik an Manuela Schwesig. Zusätzlich stelle er die Forderungen nach Zuversicht, einer Reform der Sozialsysteme und einem Ende interner Auseinandersetzungen heraus; der bevorstehende Merz-Auftritt bleibe der nächste zentrale Punkt.

Beide Beiträge stimmten beim starken Auftritt der JU und der Bedeutung von Winkels Wiederwahl überein. Unterschiede lägen vor allem in der Gewichtung: Während der eine Artikel die Reformagenda und die anstehenden Reden betone, konzentriere sich der andere auf Personalie, Konfliktlinien und Winkels politische Botschaften.

Disclaimer...
de | politik | 70345228 |