Pistorius, Schwedisches

Pistorius: Schwedisches Wehrdienst-Modell gut geeignet

05.03.2024 - 18:46:41 | dpa.de

Kann eine Musterungspflicht mit einem Angebot des Staates Vorbild fĂŒr die Bundeswehr sein? Der Verteidigungsminister informiert sich in Stockholm ĂŒber den schwedischen Weg - und sammelt Argumente.

Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius und sein schwedischer Amtskollege Pal Jonson unterzeichnen in Stockholm im Schloss Karlberg ein Dokument fĂŒr eine weiter vertiefte militĂ€rische Zusammenarbeit. - Foto: Kay Nietfeld/dpa
Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius und sein schwedischer Amtskollege Pal Jonson unterzeichnen in Stockholm im Schloss Karlberg ein Dokument fĂŒr eine weiter vertiefte militĂ€rische Zusammenarbeit. - Foto: Kay Nietfeld/dpa

Verteidigungsminister Boris Pistorius will sich im Falle einer WiedereinfĂŒhrung des Wehrdienstes in Deutschland am Modell Schwedens orientieren. Mit einer Musterungspflicht, bei der aber nicht gesamte JahrgĂ€nge eingezogen werden, sei dieses «besonders geeignet», sagte der SPD-Politiker in Stockholm, der ersten Station einer mehrtĂ€gigen Skandinavien-Reise.

Sein Amtskollege Pal Jonson, dessen Land unmittelbar vor einem Nato-Beitritt steht, sagte, sein Land ziehe etwa 5 bis 10 Prozent eines Jahrgangs ein. Das ergebe eine gute Balance zwischen Berufssoldaten und Wehrdienstleistenden und sei fĂŒr viele dann Einstieg ins MilitĂ€r. Bei der WiedereinfĂŒhrung des Wehrdienstes habe sich Schweden zudem fĂŒr einen Dienst von MĂ€nnern wie Frauen und Geschlechtergerechtigkeit entschieden.

Die Wehrpflicht war in Deutschland im Juli 2011 nach 55 Jahren unter dem damaligen Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) ausgesetzt worden, was in der Praxis einer Abschaffung von Wehr- und Zivildienst gleichkam. Dies auch, weil praktisch alle nötigen Strukturen aufgelöst wurden, obwohl die Wehrpflicht im Spannungs- und Verteidigungsfall wieder auflebt. Eine WiedereinfĂŒhrung der Wehrpflicht stĂ¶ĂŸt vor allem in der FDP, aber auch bei der SPD und GrĂŒnen auf Widerstand.

Schweden mustert junge Frauen und MĂ€nner fĂŒr den Wehrdienst

Pistorius lĂ€sst angesichts des Personalmangels bei der Bundeswehr Modelle einer Dienstpflicht prĂŒfen. Darunter ist das in Schweden praktizierte Modell, wo alle jungen Frauen und MĂ€nner gemustert werden und ein ausgewĂ€hlter Teil Angebote fĂŒr einen Dienst erhĂ€lt. Es handelt sich um eine Art der Musterpflicht. 

«Also wir hören 5 bis 10 Prozent von einem Jahrgang, da wĂ€ren das in Deutschland bei 10 Prozent 40.000 MĂ€nner alleine. Dann habe ich die Frauen noch nicht mal eingerechnet. Das macht schon deutlich, dass man das nicht eins zu eins ĂŒbertragen könnte», sagte Pistorius. Es mĂŒsse um einen Einstieg gehen. «Neben all den rechtlichen Fragen und den politischen, die noch gar nicht diskutiert worden sind, weil wir die Ressourcen, sprich die Kasernen, die Ausbilder dafĂŒr gar nicht in der GrĂ¶ĂŸenordnung von jetzt auf gleich hĂ€tten.» 

Pistorius: Sicherheit ist keine SelbstverstÀndlichkeit

Er wĂŒrde auch eine allgemeine Dienstpflicht begrĂŒĂŸen, also einen Dienst auch in Rettungsorganisationen oder sozialen Institutionen, sagte Pistorius. Er informiere sich in Schweden und anderen LĂ€ndern und gehe dann in die Diskussion in Deutschland. «Sicherheit ist keine SelbstverstĂ€ndlichkeit», sagte Pistorius. «Wir brauchen fĂ€hige und motivierte junge Frauen und MĂ€nner, um unsere LĂ€nder im Fall der FĂ€lle dann auch verteidigen zu können.» Die Diskussion darĂŒber mĂŒsse gefĂŒhrt werden. 

Die Personaloffensive der Bundeswehr ist im vergangenen Jahr nicht vorangekommen. Im Gegenteil: Die Zahl der Soldaten ist trotz verstĂ€rkter Anstrengungen auf 181.500 MĂ€nner und Frauen gesunken. Damit gab es zum Stichtag 31. Dezember 2023 etwa 1500 Zeit- und Berufssoldaten sowie freiwillig Wehrdienstleistende weniger als ein Jahr zuvor. Insgesamt rĂŒckte das erklĂ€rte Ziel in die Ferne, die Bundeswehr auch vor dem Hintergrund der neuen Gefahren wegen des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine bis zum Jahr 2031 auf 203.000 Soldaten anwachsen zu lassen.

Schweden und Deutschland wollen militÀrische Zusammenarbeit ausbauen

Beide Minister unterzeichneten ein Dokument fĂŒr eine weiter vertiefte militĂ€rische Zusammenarbeit. «Die AbsichtserklĂ€rung ist ein wichtiges Signal fĂŒr unsere starke Zusammenarbeit im Verteidigungsbereich, die jetzt noch stĂ€rker werden wird», sagte Jonson auf der einer Pressekonferenz im Schloss Karlberg. Er nannte auch eine StĂ€rkung der RĂŒstungsindustrien als Ziel. Dies sei fĂŒr Abschreckung unabdingbar. 

Der Beitritt Schwedens in die Nato war lange von der TĂŒrkei und Ungarn aufgehalten worden, die inzwischen zugestimmt haben. Ungarns PrĂ€sident unterzeichnete am Dienstag den Parlamentsbeschluss, der nun noch im US-Außenministerium hinterlegt werden muss, um den Beitritt zu vollziehen. Pistorius sagte, Schwedens Schlagkraft in der Nato zu haben, sei insbesondere im Ostseeraum von besonderer Bedeutung. «Endlich werden aus guten Freunde Nato-VerbĂŒndete», fĂŒgte er hinzu.

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