Kapitalrente, Rentenreform

Kapitalrente: SPD verschiebt Gesetz auf 2027

Veröffentlicht am: 04.11.2026 um 18:32 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS
Die SPD sieht bei der geplanten kapitalgedeckten Altersvorsorge zunÀchst erheblichen Regelungsbedarf. In der Union wÀchst dagegen der Druck, die Grundentscheidungen bereits im Reformgesetz festzuschreiben.

Rentenreform erhÀlt spÀteres Kapitalgesetz

  • Dagmar Schmidt verteidigt die Verschiebung der Kapitalrente auf ein eigenes Gesetz im Jahr 2027.
  • Bundeskanzler Friedrich Merz plant fĂŒr den Kabinettsbeschluss vor Weihnachten zunĂ€chst nur Eckpunkte.
  • Pascal Reddig fordert ein verbindliches Gesetz und bringt die Abschaffung der Rente mit 63 ins GesprĂ€ch.
Alte und junge Frau sitzen am Strand - Bild: via dts Nachrichtenagentur

SPD verteidigt Kapitalrente-Aufschub bis 2027

Die Vizefraktionsvorsitzende der SPD-Fraktion, Dagmar Schmidt, verteidigt die Verschiebung der neuen Kapitalrente ins nĂ€chste Jahr. Sie begrĂŒndet dies mit dem hohen organisatorischen und rechtlichen Aufwand des Vorhabens.

Merz plant zunÀchst Eckpunkte

„Schnelligkeit ist wichtig, aber bei einem solchen Generationenprojekt geht GrĂŒndlichkeit vor“, sagte Schmidt dem „Handelsblatt“ fĂŒr dessen Donnerstagausgabe.

Zuvor hatte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) angekĂŒndigt, dass die große Rentenreform, die das Kabinett vor Weihnachten beschließen soll, fĂŒr die Kapitalrente lediglich „Eckpunkte“ enthalten soll. Diese sollen 2027 in einem eigenen Gesetz ausformuliert werden.

Neue Strukturen fĂŒr Kapitalstock nötig

FĂŒr die Verwaltung des milliardenschweren Kapitalstocks mĂŒssten „völlig neue Strukturen fĂŒr Kapitalanlage, Verwaltung und Aufsicht“ geschaffen werden, sagte Schmidt. Zugleich mĂŒssten die Verfahren der Deutschen Rentenversicherung angepasst werden, damit BeitrĂ€ge, Anwartschaften und spĂ€tere Leistungen rechtssicher verwaltet werden können.

Die Verwaltung mĂŒsse nach Schmidts Worten zuverlĂ€ssig, transparent und im Interesse der Versicherten organisiert werden. Damit begrĂŒndet die SPD, warum sie eine spĂ€tere gesetzliche Ausarbeitung dem schnellen Abschluss eines umfassenden Gesetzes vorzieht.

Unionspolitiker fordert Gesetzespaket

Kritik kam vom Vorsitzenden der „Jungen Gruppe“ der Unionsfraktion, Pascal Reddig (CDU). „Die Kapitalrente braucht ein Gesetz, keine AbsichtserklĂ€rung“, sagte er dem „Handelsblatt“.

Die Kapitalrente gehöre mit den weiteren Empfehlungen der Rentenkommission „verbindlich in ein gemeinsames Gesetzespaket“, forderte Reddig. Technische Details könnten spĂ€ter folgen, „Grundentscheidungen dĂŒrfen aber nicht aufgeschoben werden“.

Reddig verknĂŒpft Kapitalrente mit Rente mit 63

FĂŒr die zusĂ€tzlichen BeitrĂ€ge zur Kapitalrente mĂŒssten die Beitragszahler an anderer Stelle entlastet werden, sagte Reddig. Deshalb gehöre die Abschaffung der sogenannten Rente mit 63 zum Gesamtpaket.

Die geplante Kapitalrente ist ein zentraler Baustein der angekĂŒndigten Rentenreform. Ihr Grundgedanke besteht darin, zusĂ€tzlich zur umlagefinanzierten gesetzlichen Rente einen staatlich organisierten Kapitalstock aufzubauen. BeitrĂ€ge sollen am Kapitalmarkt angelegt werden und spĂ€ter zur Finanzierung von Rentenleistungen beitragen.

Die Verschiebung der konkreten Gesetzgebung auf 2027 trennt politische Grundsatzentscheidungen von der technischen Umsetzung. FĂŒr den Aufbau des Kapitalstocks mĂŒssten ZustĂ€ndigkeiten, Anlagevorgaben, Kontrollmechanismen und Regeln zum Schutz der Versicherten festgelegt werden. Hinzu kommen Anpassungen bei der Deutschen Rentenversicherung, damit BeitrĂ€ge und AnsprĂŒche eindeutig erfasst werden können.

Streit ĂŒber verbindliche Entscheidungen

Der Konflikt zwischen SPD und Teilen der Union betrifft damit nicht nur das Tempo, sondern auch die Verbindlichkeit des Reformprozesses. Die SPD betont die Anforderungen an Verwaltung und Rechtssicherheit, wĂ€hrend Pascal Reddig ein Gesetz bereits im Zuge des Gesamtpakets verlangt. Seine Forderung, die Abschaffung der Rente mit 63 mit der Kapitalrente zu verbinden, verknĂŒpft den Aufbau zusĂ€tzlicher Vorsorge mit einer Debatte ĂŒber den frĂŒheren Renteneintritt.

FĂŒr Beitragszahler bleibt entscheidend, wie hoch zusĂ€tzliche BeitrĂ€ge ausfallen, wer sie trĂ€gt und welche AnsprĂŒche daraus entstehen. Ebenso offen ist, wie stark der Kapitalstock langfristig zur Stabilisierung der Renten beitragen kann. Die angekĂŒndigten Eckpunkte sollen zunĂ€chst den politischen Rahmen setzen; die konkrete Ausgestaltung folgt nach dem Zeitplan der Bundesregierung im Jahr 2027.

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