Der Schutz der Kinder muss Vorrang haben: Stopp der US-Entwicklungshilfe erschwert humanitÀre Hilfe in der Ukraine (Serie: Der Wegfall von USAID und seine Folgen, Teil 2)
16.02.2026 - 11:42:37 | presseportal.de
Die Ukraine ist kein Einzelfall. In einer Serie zeigen die SOS-Kinderdörfer, welche Folgen die Auflösung der US-Entwicklungsbehörde USAID und der Stopp zentraler Förderprogramme fĂŒr Kinder und Familien in besonders betroffenen LĂ€ndern haben. Weitere Berichte folgen aus Afrika, Asien und SĂŒdamerika.
Fehlende Mittel steigern die Not der Kinder
Die Ukraine ist eines der LĂ€nder, das von den Streichungen am stĂ€rksten betroffen ist. Noch 2024 investierten die USA aufgrund des Krieges mehr als 5,4 Milliarden US-Dollar, unter anderem in den Wiederaufbau der Infrastruktur, in die Gesundheitsversorgung und die humanitĂ€re Hilfe. Laut UN waren 2025 rund 12,7 Millionen Menschen in der Ukraine auf humanitĂ€re Hilfe angewiesen, darunter etwa zwei Millionen Kinder. Die Zahl der Binnenvertriebenen lag bei 3,7 Millionen. Bei den ĂŒber 500 Hilfsorganisationen, die insbesondere geflĂŒchtete Kinder und ihre Familien, sowie die in den Frontgebieten lebenden Menschen unterstĂŒtzen, handelt es sich zu 70 Prozent um nationale NGOs. Die Helfenden schaffen etwa SchutzrĂ€ume fĂŒr Kinder, wo sie neben Nahrung und medizinischer Versorgung auch psychosoziale UnterstĂŒtzung erhalten. "Vielen dieser SchutzrĂ€ume droht die SchlieĂung! Die SchutzrĂ€ume sind mehr als nur NotunterkĂŒnfte: Sie sind ein Ort, an dem Kinder spielen und lernen, einfach Kind sein können", sagt Lukashov. Unmittelbar von den Streichungen betroffen sei zum Beispiel die Organisation ,League of Social Workers of Ukraine', die ihre Hilfsprojekte in zwölf Regionen einstellen musste. Der ,Martin-Club' könne seine mobilen Teams nicht lĂ€nger finanzieren, die in den Frontregionen Soforthilfe leisteten. Ebenso wie die SOS-Kinderdörfer gehören beide dem NGO-Verbund ,Ukrainian Child Rights Network' (UCRN) an, der sich fĂŒr Kinderschutz und die StĂ€rkung der Kinderrechte engagiert. "Die SOS-Kinderdörfer Ukraine agieren unabhĂ€ngig von USAID-Geldern, aber die ĂŒbrigen UCRN-Mitglieder haben Finanzmittel von ĂŒber 340.000 US-Dollar verloren", so Serhii Lukashov.
BekÀmpfung von Deportationen ukrainischer Kinder gerÀt ins Stocken
Der Finanzierungsstopp hat auch die Aussetzung eines weiteren, vom UCRN geleiteten Kinderschutz-Projekts zur Folge. Die Initiative hat die BekĂ€mpfung von Zwangsdeportationen und Indoktrination ukrainischer Kinder durch die russischen Besatzungsbehörden zum Ziel. GemÀà des Netzwerks seien rund 1,6 Millionen Kinder davon bedroht. Laut SchĂ€tzungen sollen bis zu 20.000 Kinder unrechtmĂ€Ăig verschleppt worden sein, zum Beispiel in militĂ€rische Ausbildungslager. Viele Kinder aus ukrainischen WaisenhĂ€usern wĂŒrden an russische Adoptiveltern vermittelt. "Das Projekt hat entscheidend dazu beigetragen, die enorme InformationslĂŒcke zu schlieĂen, die bei den Familien besteht", sagt Serhii Lukashov. So seien Familien ĂŒber ihre Rechte aufgeklĂ€rt und Kontakte zu Rettungsdiensten vermittelt worden. DarĂŒber hinaus habe sich die Initiative fĂŒr die RĂŒckkehr der deportierten Kinder und fĂŒr die FamilienzusammenfĂŒhrung eingesetzt. "Das Beispiel zeigt, wie wichtig die Finanzierung von Kinderschutz-Programmen in sozialer und ethischer Hinsicht ist, auch wenn die Förderung von Infrastruktur- und Wirtschaftsprojekten vielen bedeutsamer erscheint. Die Ukraine ist jetzt in allen Bereichen extrem auf Gelder der europĂ€ischen Gebergemeinschaft angewiesen. An die Bezuschussung sollten aber strengere politische, rechtliche und auch ethische Bedingungen gekoppelt sein, um der Korruption den NĂ€hrboden zu nehmen", resĂŒmiert Lukashov.
Hintergrund zur Serie: Die Folgen des USAID-Stopps
Die SOS-Kinderdörfer dokumentieren in einer Reihe von Berichten die Auswirkungen der Auflösung von USAID auf besonders betroffene LĂ€nder. Neben der Ukraine gehören dazu unter anderem Peru, Kolumbien, Thailand, Nigeria und Simbabwe. USAID zĂ€hlte jahrzehntelang zu den gröĂten Gebern weltweit. Mit der Eingliederung in das US-AuĂenministerium im Februar 2025 wurden zahlreiche Programme gestoppt oder massiv gekĂŒrzt - mit direkten Folgen fĂŒr Gesundheitsversorgung, Kinderschutz, humanitĂ€re Hilfe, Friedensförderung und KriminalitĂ€tsbekĂ€mpfung. Laut einer Studie der Fachzeitschrift ,The Lancet' könnten die Einschnitte bis 2030 zum Tod von bis zu 4,5 Millionen Kindern beitragen.
FĂŒr weitere Informationen wenden Sie sich bitte an:
Boris Breyer
Pressesprecher SOS-Kinderdörfer weltweit
Tel.: 0160 - 984 723 45
E-Mail: boris.breyer@sos-kd.org
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