Kinderarmut nimmt aus Sicht der LehrkrÀfte immer stÀrker zu
20.09.2023 - 07:15:30Kinderarmut spiegelt sich nach EinschÀtzung von Lehrerinnen und Lehrern zunehmend auch im Klassenzimmer wider und hinterlÀsst Spuren bei den Jungen und MÀdchen. Nach einer Umfrage der Robert Bosch Stiftung ist die teils prekÀre finanzielle Lage der Familien aus Sicht von LehrkrÀften in den Schulen prÀsenter als im Jahr zuvor.
Jede dritte Lehrkraft (33 Prozent) gab in dem sogenannten Schulbarometer an, Kinder und Jugendliche machten sich hĂ€ufiger Sorgen um die finanzielle Situation ihrer Familie als zuvor. In sozial benachteiligten Lagen einer Schule drĂŒckt dies sogar jede zweite Lehrkraft aus (48 Prozent).
SchĂŒlerinnen und SchĂŒler ohne FrĂŒhstĂŒck
Ebenfalls mehr als jeder dritte Lehrkraft (37 Prozent) nimmt fehlendes oder unzureichendes Schulmaterial wie Hefte oder BĂŒcher wahr, hĂ€ufiger als frĂŒher kommen SchĂŒlerinnen und SchĂŒler auch ohne FrĂŒhstĂŒck in die Schule (30 Prozent). Ein Viertel der Lehrerinnen und Lehrer (24 Prozent) berichtet, das Krankmeldungen vor mehrtĂ€gigen Klassenfahrten zunehmen. Und 16 Prozent stellen hĂ€ufiger als bislang fest, dass ihre SchĂŒler das Essensgeld gar nicht oder nicht pĂŒnktlich bezahlen können.
Dagmar Wolf von der Robert Bosch Stiftung warnt vor den Folgen der Armut: «Arme Kinder werden zu oft zu armen Erwachsenen. Fehlendes Geld im Elternhaus verhindert die Teilhabe junger Menschen am sozialen und kulturellen Leben. Das hat auch Auswirkungen auf die psychosoziale Gesundheit.»
«Arme Kinder werden zu oft zu armen Erwachsenen»
PĂ€dagogen mĂŒssten «armutssensibel» werden und sich bewusst sein, dass es Familien mit begrenzten finanziellen Mitteln gebe. «Sie mĂŒssen nicht nur in der Lage sein, die Auswirkungen von Armut auf Kinder und Jugendliche zu erkennen, sondern auch Stigmatisierungen entgegenwirken.» Armut lasse sich Kindern nicht immer ansehen. Deshalb mĂŒssten LehrkrĂ€fte die Quote der SchĂŒler aus Sozialtransfer-Familien kennen. «Sie mĂŒssen wissen, wo es zu Hause Schwierigkeiten gibt, um sensibel vorgehen zu können.»
Wann ist jemand arm
Weil Armut relativ ist und sich nicht allein am Geld bemessen lĂ€sst, wird in Deutschland meist der Begriff «ArmutsgefĂ€hrdung» verwendet. Wenn jemand weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens der Gesamtbevölkerung hat, gilt er als «armutsgefĂ€hrdet» - Kinder und Jugendliche aus solchen Haushalten ebenfalls. Die Schwelle lag laut Statistischem Bundesamt im vergangenen Jahr fĂŒr eine alleinlebende Person bei etwa 1250 Euro netto im Monat.
Mit dem Deutschen Schulbarometer lĂ€sst die Robert Bosch Stiftung seit 2019 regelmĂ€Ăig reprĂ€sentative Befragungen zur aktuellen Situation der Schulen in Deutschland durchfĂŒhren. FĂŒr die aktuelle Ausgabe wurden zwischen dem 13. und 23. Juni 2023 insgesamt 1032 LehrkrĂ€fte an allgemein- und berufsbildenden Schulen in Deutschland vom Meinungsforschungsinstitut forsa befragt. Erstmals war in diesem Jahr die Kinderarmut ein Thema.


