Friedrich Merz, UN-Klimakonferenz

Klimagipfel in Antalya: Merz sagt Teilnahme der Staatschefs ab

Veröffentlicht am: 04.11.2026 um 16:16 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Bundeskanzler Friedrich Merz wird beim Treffen der Staats- und Regierungschefs in Antalya nicht dabei sein. Die Absage stößt bei Klimaschützern auf scharfe Kritik, während die Bundesregierung ihre Klimapolitik durch die zuständigen Minister vertreten lassen will.

Deutschlands Delegation in Antalya

  • Friedrich Merz nimmt in der kommenden Woche nicht am Treffen der Staats- und Regierungschefs in Antalya teil.
  • Ein Regierungssprecher begründet die Absage mit „anderweitigen Verpflichtungen“ und nennt keine genaueren Gründe.
  • In Antalya beraten ab Montag fast 200 Staaten zwei Wochen über Klimaschutz und Unterstützung für ärmere Länder.
Im vergangenen Jahr war Merz noch nach Brasilien gereist, zur COP30. - Bild: Kay Nietfeld/dpa

Merz fehlt beim Gipfel der Staats- und Regierungschefs

Bundeskanzler Friedrich Merz reist nicht zum Treffen der Staats- und Regierungschefs auf der Weltklimakonferenz im türkischen Antalya. Ein Regierungssprecher begründete die Absage mit „anderweitigen Verpflichtungen“, nannte auf Nachfrage aber keine genauen Gründe.

Kritik von Klimaschützern

Luisa Neubauer von Fridays for Future bezeichnete das Fernbleiben als „absoluten Tabubruch“. Sie warf dem CDU-Chef vor, junge Menschen angesichts der Klimakrise demonstrativ im Stich zu lassen.

Auch Greenpeace kritisierte die Entscheidung scharf. Der geschäftsführende Vorstand in Deutschland, Martin Kaiser, sprach von einer „Blamage“ für Deutschland und verwies auf die aus seiner Sicht unzureichende politische Reaktion auf die mehr als 15.000 Hitzetoten in diesem Sommer.

Deutschland verfehlt laut Kritik Klimaziele

Kaiser forderte, Merz müsse auf der UN-Konferenz eine grundlegende Veränderung der deutschen Klimapolitik ankündigen. Deutschland verfehle nach Einschätzung des unabhängigen Expertenrats für Klimafragen derzeit seine Klimaschutzziele für 2030 und 2040.

Fast 200 Staaten erwartet

Die Konferenz beginnt am Montag und dauert zwei Wochen. Fast 200 Staaten beraten in Antalya darüber, wie sich die Erderhitzung eindämmen lässt und wie ärmere Länder unterstützt werden können.

Zu dem UN-Treffen werden Zehntausende Diplomaten, Medienvertreter und Lobbyisten erwartet.

Die Absage fällt in eine Phase, in der Deutschland seine internationale Klimapolitik bei der Konferenz in Antalya vor allem über die zuständigen Minister vertreten lassen will. Umweltminister Carsten Schneider und Entwicklungsministerin Reem Alabali Radovan sollen die Bundesregierung bei den Verhandlungen repräsentieren.

Im Mittelpunkt der Konferenz stehen nach den bisherigen Ankündigungen die Umsetzung früherer Klimabeschlüsse, der Ausbau erneuerbarer Energien, der schrittweise Abschied von fossilen Energieträgern und die internationale Klimafinanzierung. Damit verbindet sich für Deutschland sowohl eine außenpolitische als auch eine innenpolitische Aufgabe: Die Bundesregierung will andere Staaten zu größeren Anstrengungen bewegen, steht zugleich aber selbst wegen der erwarteten Zielverfehlung bei den deutschen Emissionen unter Druck.

Politische Wirkung der Absage

Dass der Kanzler dem Treffen der Staats- und Regierungschefs fernbleibt, verändert nicht automatisch die deutsche Verhandlungsposition. Es kann jedoch die politische Signalwirkung beeinflussen, weil Gipfelteilnahmen neben den eigentlichen Verhandlungen auch der Abstimmung mit Partnerstaaten und der öffentlichen Darstellung nationaler Prioritäten dienen.

Für Bürgerinnen und Bürger bleiben die Ergebnisse vor allem dort relevant, wo internationale Vereinbarungen in nationale Maßnahmen übersetzt werden: bei Energiepreisen, dem Ausbau klimafreundlicher Infrastruktur, dem Verkehr und der Unterstützung besonders vom Klimawandel betroffener Länder. Die Konferenz soll ab Montag zwei Wochen dauern; die konkrete Bedeutung für Deutschland wird daher auch davon abhängen, welche Beschlüsse zur Umsetzung und Finanzierung erreicht werden.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

Stern: „Merz sagt Teilnahme an UN-Klimakonferenz definitiv ab“ (04.11.2026)

Der Artikel bestätigt die Absage wegen „anderweitiger Verpflichtungen“ und ordnet sie in die bisherige Teilnahme deutscher Regierungschefs ein. Als zusätzlichen Schwerpunkt nennt er die Vertretung der Bundesregierung durch Umweltminister Carsten Schneider und Entwicklungsministerin Reem Alabali Radovan sowie die deutschen Klimaziele.

Stern: „Bundesregierung will auf UN-Konferenz Umsetzung von Klimabeschlüssen voranbringen“ (02.11.2026)

Der Beitrag beschreibt den geplanten Schwerpunkt der Bundesregierung auf der Umsetzung früherer Klimabeschlüsse und hebt die Klimafinanzierung als weiteres zentrales Thema hervor. Anders als der aktuelle Bericht über die Absage richtet sich der Fokus hier auf die politischen Ziele der deutschen Delegation; offen bleibt, welche konkreten Ergebnisse die Konferenz hervorbringt.

Gemeinsam ist beiden Beiträgen die Darstellung Deutschlands als weiter engagierter Teilnehmer der Verhandlungen trotz der persönlichen Absage des Kanzlers. Unterschiede ergeben sich vor allem beim Fokus: Der jüngere Artikel behandelt die Entscheidung von Friedrich Merz, der frühere die Sachthemen der deutschen Delegation.

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