Polens neuer PrÀsident zu Antrittsbesuch in Berlin
16.09.2025 - 04:59:40Polens neuer rechtskonservativer PrĂ€sident Karol Nawrocki absolviert seinen Antrittsbesuch in Berlin - und könnte dabei fĂŒr Verstimmung zwischen Berlin und Warschau sorgen. Denn seine erklĂ€rte Absicht ist es, in seinen GesprĂ€chen die Frage einer Wiedergutmachung fĂŒr die SchĂ€den durch Hitler-Deutschland im Zweiten Weltkrieg zum Thema zu machen. Die Bundesregierung aber lehnt solche Reparationsforderungen ab.
Steinmeier empfÀngt Nawrocki mit vollem Protokoll
BundesprĂ€sident Frank-Walter Steinmeier wird seinen Kollegen aus Warschau vor dem Schloss Bellevue mit militĂ€rischen Ehren begrĂŒĂen. Daran wird sich ein lĂ€ngeres GesprĂ€ch anschlieĂen. SpĂ€ter wird Nawrocki von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) empfangen. Weder nach dem Treffen mit Steinmeier noch nach dem Termin mit Merz ist eine Pressekonferenz vorgesehen.Â
Angesichts der Bedeutung des Besuchs sorgte dies bei den Hauptstadtjournalisten fĂŒr kritische Nachfragen. Als Nawrockis VorgĂ€nger Andrzej Duda im August 2015 zum Antrittsbesuch zum damaligen BundesprĂ€sidenten Joachim Gauck kam, gingen beide anschlieĂend vor die Hauptstadtpresse.Â
In der öffentlichen Wahrnehmung in Polen spielt Nawrockis erste Reise nach Berlin kaum eine Rolle. Die PrĂ€sidialverwaltung macht möglichst wenig Aufhebens um die Treffen mit Steinmeier und Merz.Â
Nawrocki im Wahlkampf mit antideutschen Tönen
Der parteilose Politiker, der der rechtskonservativen Oppositionspartei PiS nahesteht, ist aus Berliner Sicht bereits im PrĂ€sidentenwahlkampf unangenehm aufgefallen. Er schlug antideutsche Töne an, um konservative WĂ€hler fĂŒr sich zu gewinnen, und erneuerte auch damals schon die Reparationsforderungen: «Die Frage der Reparationen ist nicht erledigt - im Gegensatz zu den Behauptungen von (Regierungschef) Donald Tusk, dem Kammerdiener des deutschen Staates.»Â
Am 1. September sagte Nawrocki dann laut Nachrichtenagentur PAP bei der Gedenkveranstaltung auf der Westerplatte bei Danzig zum 86. Jahrestag des deutschen Ăberfalls auf Polen: «Polen als Frontstaat, als wichtigstes Land an der Ostflanke der Nato, braucht Gerechtigkeit und Wahrheit und klare Beziehungen zu Deutschland, aber es braucht auch Reparationen vom deutschen Staat.»
Deutschland sieht Reparationsfrage als erledigt an
Vor drei Jahren hatte eine auf Initiative der damaligen PiS-Regierung eingesetzte Parlamentskommission die Reparationshöhe auf mehr als 1,3 Billionen Euro beziffert. Deutschland hĂ€lt solche Forderungen fĂŒr ungerechtfertigt. Aus Sicht der Bundesregierung ist die Reparationsfrage rechtlich abschlieĂend geklĂ€rt. Auch Steinmeier hat diese Position immer wieder bekrĂ€ftigt.
Neue deutsche Migrationspolitik verĂ€rgert PolenÂ
Merz hatte unmittelbar nach seiner Wahl zum Kanzler erst Frankreich und dann sofort Polen besucht. Er strebt nach eigenen Worten mit beiden Staaten einen «Neustart» in den beiderseitigen Beziehungen an.
Das VerhĂ€ltnis zu Polen trĂŒbte sich allerdings durch die neue Migrationspolitik der schwarz-roten Koalition mit der ZurĂŒckweisung auch von Asylsuchenden erst einmal ein. Polen reagierte darauf mit der EinfĂŒhrung eigener Kontrollen an der Grenze zu Deutschland. Nawrocki warf Deutschland vor, es habe «Polen illegale Migranten zugeschoben».
Deutschland sagt UnterstĂŒtzung nach Drohnen-Zwischenfall zu
Zur Entspannung im beiderseitigen VerhĂ€ltnis dĂŒrfte dagegen die deutsche Reaktion auf die massive Verletzung des polnischen Luftraums durch russische Drohnen in der vergangenen Woche beigetragen haben. Die Bundesregierung sagte zu, das sogenannte Air Policing ĂŒber Polen durch die Bundeswehr, also die Ăberwachung des Luftraums durch Kampfjets, zu verlĂ€ngern und auszuweiten.Â
Kurz vor der Reise Nawrockis nach Berlin betonte die Bundesregierung zudem soeben die gemeinsamen sicherheitspolitischen Interessen. FĂŒr beide Staaten sei Russland die gröĂte Bedrohung, sagte der stellvertretende Regierungssprecher Steffen Meyer in Berlin. Polnische Sicherheit sei auch deutsche Sicherheit. «Jede StĂ€rkung der Sicherheit Polens ist damit auch eine StĂ€rkung der Sicherheit Deutschlands.»









