Königreich Deutschland, Peter Fitzek

Königreich Deutschland: Prozess gegen Fitzek beginnt in Düsseldorf

Veröffentlicht am: 06.11.2026 um 15:18 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf müssen sich Peter Fitzek und drei weitere mutmaßliche Führungsmitglieder verantworten. Die Anklage verbindet den Aufbau eigener Staatsstrukturen mit Steuerdelikten und Urkundenfälschung.

Angeklagte und Verfahrensumfang

  • Die Bundesanwaltschaft wirft den vier Männern Hunderte Straftaten mit zehn Millionen Euro Gesamtschaden vor.
  • Das KRD führte laut Anklage 6.300 Personen als Staats- oder Staatszugehörige und gab eigene Identitätskarten aus.
  • Das Oberlandesgericht Düsseldorf hat bis September 2027 insgesamt 52 Verhandlungstage angesetzt.
  • Der Hauptangeklagte beim Prozessbeginn. - Bild: Oliver Berg/dpa
  • Peter Fitzek in Düsseldorf auf der Anklagebank. - Bild: Oliver Berg/dpa
  • Die Gruppierung wurde 2025 verboten. (Archivbild) - Bild: Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa
  • Peter Fitzek (61) bezeichnet sich als Staatsoberhaupt. - Bild: Oliver Berg/dpa
Der Hauptangeklagte beim Prozessbeginn. - Bild: Oliver Berg/dpa Peter Fitzek in Düsseldorf auf der Anklagebank. - Bild: Oliver Berg/dpa Die Gruppierung wurde 2025 verboten. (Archivbild) - Bild: Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa Peter Fitzek (61) bezeichnet sich als Staatsoberhaupt. - Bild: Oliver Berg/dpa

Prozess gegen «Königreich Deutschland» beginnt

Vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf hat der Prozess gegen Peter Fitzek und drei weitere mutmaßliche Rädelsführer des «Königreichs Deutschland» begonnen. Die Bundesanwaltschaft wirft den Angeklagten in wechselnder Beteiligung Hunderte Straftaten und einen Gesamtschaden von zehn Millionen Euro vor.

Anklage wegen mehrerer Delikte

Im Mittelpunkt stehen die Vorwürfe der Bildung einer kriminellen Vereinigung, der besonders schweren Steuerhinterziehung und der bandenmäßigen Urkundenfälschung. Hauptangeklagter ist der 61-jährige Fitzek, der sich 2012 zum «obersten Souverän» des selbst erklärten «Königreichs» ernannt haben soll.

Nach Darstellung der Bundesanwaltschaft habe Fitzek sich als «göttliches Wesen» einstufen lassen und als «Imperator Fiduziar» Rechtsakte erlassen. Zum Prozessauftakt wies er die vom Gericht festgestellten bürgerlichen Personalien zurück und erklärte, er sei «Peter I., Staatsoberhaupt».

Eigene Institutionen und Währung

Das «Königreich Deutschland» habe als Gegenstaat die Legitimität der Bundesrepublik abgelehnt und eigene scheinstaatliche Strukturen aufgebaut. Dazu gehörten ein Pass- und Meldeamt, eine eigene Währung sowie ein Bank- und Versicherungssystem mit Filialen in Dresden, Ulm, Menden und Wittenberg.

Das KRD habe Geld mit Seminaren zum «Systemausstieg» und verschwörungsideologischen Inhalten eingenommen. Löhne seien als «mildtätige Gaben» bezeichnet worden; Steuern und Lohnabgaben seien nicht abgeführt worden.

Gold, Grundstücke und Steuerforderungen

Nach der Anklage nahm die Organisation umfangreiche Schenkungen an, darunter Geld, Grundstücke und sieben Kilogramm Gold. Schenkungssteuer sei nicht gezahlt worden; zudem seien fast 400.000 Euro Umsatzsteuern hinterzogen worden.

Unternehmen, die sich im «Königreich» registrierten, sei Steuer- und Abgabenfreiheit versprochen worden. Das KRD habe außerdem 6.300 Personen als Staatsangehörige oder Staatszugehörige geführt, während die «Kerngemeinschaft» 40 bis 60 Personen umfasst habe.

Verteidigung weist Gericht zurück

Die Verteidiger kritisierten, dass der Prozess vor einem Staatsschutzsenat in Düsseldorf stattfindet. Der Fall gehöre vor ein Schöffengericht in Sachsen-Anhalt oder eine Wirtschaftsstrafkammer, argumentierten sie.

Fitzek bezeichnete seine Haft als menschenrechtsverletzend und sagte: «Man isoliert mich vollständig.» Eine Verteidigerin nutzte ihr Eröffnungsstatement für ein Bittgebet.

Verbot im Mai 2025

Die Bundesregierung verbot die Reichsbürger-Gruppierung am 13. Mai 2025. Bei den anschließenden Durchsuchungen in mehreren Bundesländern waren mehr als 800 Einsatzkräfte im Einsatz.

Der wegen Körperverletzung vorbestrafte Fitzek soll als «oberster Souverän» die Kontrolle über wesentliche Bereiche gehabt und die ideologische Ausrichtung bestimmt haben. Den vier Angeklagten drohen bis zu zehn Jahre Haft.

Prozess dauert bis 2027

Benjamin M. und Martin S. sollen als Stellvertreter der obersten Leitungsebene angehört haben. Mathias B. soll seit 2018 für die Finanzen, die «Königliche Reichsbank» und das «Meldeamt» zuständig gewesen sein.

Das Oberlandesgericht hat 52 Verhandlungstage bis September 2027 angesetzt. Der Szene der sogenannten Reichsbürger und Selbstverwalter gehörten 2025 demnach etwa 26.000 Personen an.

Der Prozess gegen Peter Fitzek und drei Mitangeklagte steht im größeren Zusammenhang mit der Reichsbürger- und Selbstverwalterszene. Ihr gemeinsames Merkmal ist die Ablehnung der Bundesrepublik und ihrer demokratischen sowie rechtsstaatlichen Institutionen. Das Bundesamt für Verfassungsschutz ordnete der Szene zuletzt rund 26.000 Personen zu.

Das Verfahren ist zugleich ein Beispiel dafür, wie ideologische Staatsfantasien mit wirtschaftlichen Aktivitäten verbunden werden können. Im Fall des «Königreichs Deutschland» geht es laut Anklage um eigene Ausweise, eine selbst erklärte Währung, Seminare, Versicherungs- und Bankangebote sowie die Einwerbung von Geld, Grundstücken und Gold. Die juristische Bewertung dieser Strukturen reicht damit über reine politische Propaganda hinaus und berührt Steuerrecht, Urkundenrecht und das Vereinsstrafrecht.

Verbot und gerichtliche Aufarbeitung

Das Verbot der Gruppierung im Mai 2025 und die damaligen Durchsuchungen mit mehr als 800 Einsatzkräften markierten den staatlichen Zugriff auf die Organisation. Der nun begonnene Prozess soll klären, welche Rolle die vier Angeklagten bei Aufbau, Finanzierung und Verwaltung des «Königreichs» gespielt haben und ob die ihnen vorgeworfenen Straftaten nachweisbar sind.

Mit 52 angesetzten Verhandlungstagen bis September 2027 ist ein langes Verfahren absehbar. Für die Öffentlichkeit dürfte neben den konkreten Vorwürfen auch die Frage relevant sein, wie Gerichte mit Organisationen umgehen, die staatliche Institutionen zurückweisen, zugleich aber wirtschaftliche Leistungen anbieten und Vermögen verwalten.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

WDR: „"König von Deutschland" vor Gericht : Prozessauftakt gegen Reichsbürger-Gruppe in Düsseldorf“ (06.11.2026)

Der WDR berichtet über den Prozessauftakt gegen Peter Fitzek vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf und ordnet ihn als Verfahren gegen eine Reichsbürger-Gruppe ein. Der Schwerpunkt liegt auf dem regionalen Geschehen und der Rolle Fitzeks.

Deutschlandfunk: „"Reichsbürger" - Auftakt zum Prozess gegen mutmaßliche Rädelsführer des "Königreichs Deutschland"“ (06.11.2026)

Der Deutschlandfunk hebt hervor, dass vier mutmaßliche Hauptverantwortliche der später verbotenen Organisation vor Gericht stünden. Anders als der WDR rückt der Beitrag stärker den Organisationscharakter und die strafrechtlichen Vorwürfe in den Mittelpunkt.

Beide Beiträge bestätigen den Prozessbeginn in Düsseldorf und die zentrale Rolle Fitzeks. Unterschiede ergeben sich vor allem beim Schwerpunkt: Der WDR beleuchtet stärker das regionale Ereignis, während der Deutschlandfunk die Einordnung als Verfahren gegen führende Mitglieder einer verbotenen Organisation betont.

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