Kolumbien, Gesundheit

Kolumbiens PrÀsident fordert neue Kokainpolitik

26.06.2023 - 00:04:03

Kolumbiens StaatsprÀsident Gustavo Petro fordert von Deutschland und anderen westlichen Staaten eine liberalere Kokainpolitik, um die Macht der Drogenkartelle zu brechen.

"Diese falsche Verbotspolitik, vor allem wenn es um Marihuana und Kokain geht, hat LĂ€nder wie Mexiko und Kolumbien in die gewalttĂ€tigste Region der Welt verwandelt", sagte Petro der "SĂŒddeutschen Zeitung" (Montagausgabe). Er fordert eine weniger rigide Gesetzgebung, sodass der Konsum von Kokain nur noch mit einer Geldstrafe geahndet werde.

"Dort ist es gelungen, den Konsum zu reduzieren. Es ist eine wirksamere Politik, um den Konsum einzuschrĂ€nken, ihn zu entkriminalisieren. Was nicht unbedingt bedeutet, ihn zu legalisieren", betonte Petro. "Die Verbotspolitik, die US-PrĂ€sident Nixon vor exakt 50 Jahren installiert hat, hat Lateinamerika in einen Schlachthof verwandelt. Wir reden hier ĂŒber Millionen Tote." Es mĂŒsse darum gehen, Drogen weltweit zu entkriminalisieren. Die Drogenkartelle wĂŒrden von den absurd hohen Preisen leben, "die das Verbot generiert". Dieses Verbot sei der Grund, warum die Kartelle immer mĂ€chtiger wĂŒrden. "Pablo Escobar und seine Leute waren fast kleine Fische verglichen mit den modernen Kartellen, die multinationale Unternehmen sind und eigene Armeen unterhalten", sagte Petro. Sie seien geopolitische Spieler, indem sie zum Beispiel Konflikte in Afrika ausnutzten, um Routen nach Europa zu sichern. "Der Krieg gegen die Drogen hat sich als ein Katalysator des Drogenproblems erwiesen." Mit Blick auf Kolumbiens Spitzenposition als Lieferant von Steinkohle nach Deutschland warnte Petro vor RĂŒckschlĂ€gen beim Klimaschutz. Durch den Ukrainekrieg dĂŒrfe das Thema nicht vernachlĂ€ssigt werden. "Es gibt einen absoluten Boom beim Export der Kohle nach Deutschland." Das habe auch Auswirkungen in der Förderregion, vor allem auf die indigene Gemeinschaft der Wayuu. "Wir wollen nicht ein immer grĂ¶ĂŸerer Kohleexporteur werden, weil das weder Deutschland noch Kolumbien noch der Welt nĂŒtzt." SĂŒdamerika sei vielmehr die Region mit dem grĂ¶ĂŸten Potenzial fĂŒr die Erzeugung von grĂŒnem Wasserstoff, dank viel Sonne und Wind.

dts Deutsche Textservice Nachrichtenagentur GmbH

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