Korridorsanierung: Union unterstützt Bilgers langsameren Bahn-Plan
Veröffentlicht am: 09.10.2026 um 14:22 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSDie Union unterstützt die neuen Pläne von Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) und der Deutschen Bahn, die Korridorsanierungen zeitlich zu strecken und zunächst deutlich weniger Strecken zu modernisieren. Anlass für die Anpassung sind nach Angaben von Unionsfraktionsvize Stephan Stracke (CSU) unter anderem die Erfahrungen mit der Strecke Hamburg–Berlin.
Stracke fordert realistische Bauplanung
„Bei den Korridorsanierungen mussten wir feststellen, dass Wunsch und Wirklichkeit nicht zusammenpassen, zuletzt bei der Strecke Hamburg-Berlin“, sagte Stracke der „Rheinischen Post“.
Das Konzept müsse regelmäßig überprüft und bei Bedarf angepasst werden. Ziel sei der Erfolg der Sanierungen, nicht Ernüchterung.
Ersatzverkehr soll verlässlicher werden
Nach Strackes Darstellung sollen Bauzeiten künftig realistischer geplant und eingehalten werden. Auch die Organisation von Ersatzverkehren müsse verlässlich funktionieren.
Die zeitliche Streckung könne dazu beitragen, dass diese Anforderungen besser erfüllt werden. Das sei vor allem den Menschen geschuldet, die täglich auf die Bahn angewiesen seien, sagte der Verkehrspolitiker.
Investitionsrückstau wächst weiter
Ungeachtet der laufenden Korridorsanierungen ist der Sanierungsbedarf des deutschen Schienennetzes zuletzt weiter gestiegen. Nach Unterlagen der DB InfraGO nahm der Investitionsrückstau 2024 um 6,9 Milliarden Euro und 2025 um weitere 2,6 Milliarden Euro zu.
Die geplante Streckung der Korridorsanierungen markiert eine Anpassung des bisherigen Modernisierungsansatzes. Dieser setzt darauf, stark belastete Bahnabschnitte für längere Zeit vollständig zu sperren und sie gebündelt zu erneuern. Auf der Strecke zwischen Lehrte und Berlin laufen bereits Arbeiten, die bis Dezember 2027 dauern sollen. Dabei werden unter anderem Gleise, Weichen, Oberleitungen sowie Leit- und Sicherheitstechnik erneuert.
Das Verfahren soll Bauarbeiten schneller bündeln und die Zahl wiederkehrender Einschränkungen verringern. Zugleich zeigen die aktuellen Sperrungen und Umleitungen, wie stark solche Projekte den Fern- und Regionalverkehr belasten können. Für Reisende bedeutet die Sanierung der Ost-West-Achse längere Fahrzeiten und veränderte Linienführungen; auf wichtigen Verbindungen sind Umleitungen über andere Strecken erforderlich.
Sanierungsbedarf bleibt hoch
Die politische Unterstützung für eine zeitliche Streckung steht deshalb unter einem doppelten Vorzeichen: Realistischere Bauabläufe und verlässlichere Ersatzverkehre könnten die Akzeptanz erhöhen, lösen aber den strukturellen Investitionsbedarf nicht. Nach den in der Meldung genannten DB-InfraGO-Unterlagen wuchs der Investitionsrückstau 2024 um 6,9 Milliarden Euro und 2025 um weitere 2,6 Milliarden Euro.
Für Bahnreisende kommt es damit weniger auf die Zahl gleichzeitig gestarteter Korridore als auf belastbare Zeitpläne, funktionierende Umleitungen und tatsächlich abgeschlossene Bauabschnitte an. Die Streckung kann kurzfristig Überlastung reduzieren, verlängert aber möglicherweise den Zeitraum, in dem sanierungsbedürftige Abschnitte auf Verbesserungen warten.

