Putin behauptet Scheitern des Westens gegen Russland in Ukraine
19.12.2023 - 15:48:44Das Ziel sei zerschmettert worden durch die "wachsende Kraft unserer StreitkrĂ€fte und RĂŒstungsproduktion", sagte Putin am Dienstag in Moskau bei einer Sitzung des Verteidigungsministeriums vor MilitĂ€rs und Vertretern aus Politik, Kirche und Gesellschaft. Beim Krieg gegen die Ukraine "kann man mit Ăberzeugung sagen, dass die Initiative aufseiten unserer StreitkrĂ€fte liegt", sagte der russische PrĂ€sident.
Putin hatte den Ăberfall auf die Ukraine am 24. Februar 2022 befohlen; daraufhin stellten sich viele Staaten an die Seite des angegriffenen Landes und lieferten ihm Waffen. Die im Sommer 2023 gestartete ukrainische Gegenoffensive zur Befreiung ihrer Gebiete von russischer Besatzung blieb hinter den Erwartungen der Politik und der Zivilgesellschaft zurĂŒck. AuslĂ€ndische Experten wie das Institut fĂŒr Kriegsstudien (ISW) in den USA beobachteten zuletzt, dass Russland mit seinen VorstöĂen GelĂ€ndegewinne erzielt.
Putin hat die Gegenoffensive der ukrainischen StreitkrĂ€fte zuletzt wiederholt fĂŒr gescheitert erklĂ€rt. "Der Gegner erfĂ€hrt schwere Verluste und hat in bedeutendem Umfang seine Reserven aufgebraucht", sagte der 71-JĂ€hrige. "Auch der Mythos von der Unverwundbarkeit westlicher MilitĂ€rtechnik ist zusammengebrochen." In einer Schweigeminute lieĂ Putin der bei den KĂ€mpfen getöteten russischen Soldaten gedenken. Zahlen zu den Verlusten nannte er nicht.
Russlands Verteidigungsminister Sergej Schoigu sagte bei der Sitzung, die Ukraine habe inzwischen 383 000 Soldaten durch Tod oder Verwundung verloren in dem Krieg. Die Ukraine wiederum gibt die Zahl der Verluste in den russischen Reihen aktuell mit 348 000 Soldaten an. Die Angaben sind nicht ĂŒberprĂŒfbar. Offizielle Zahlen ĂŒber ihre eigenen Verluste gibt keine der beiden Kriegsparteien bekannt.
Schoigu sagte auch, dass die Zahl der Freiwilligen im kommenden Jahr um mehr als 250 000 auf rund 745 000 Vertragssoldaten steigen solle. Gelockt werden die Russen zum Kriegsdienst demnach weiter mit einem vergleichsweise hohen Sold von umgerechnet rund 2000 Euro im Monat. "Vorrangiges Ziel fĂŒr das kommende Jahr ist es, die militĂ€rische Spezialoperation fortzusetzen bis zur ErfĂŒllung aller gesetzten Aufgaben", sagte Minister Schoigu. Zu den Aufgaben gehören nach frĂŒheren Angaben vor allem die komplette Kontrolle ĂŒber die bisher teilweise besetzten Gebiete Cherson, Luhansk, Donezk und Saporischschja - und eine Entmilitarisierung der Ukraine.
Putin warf einmal mehr den USA vor, den Konflikt in der Ukraine bis zu einem Krieg getrieben zu haben. Es sei dem Westen stets nur darum gegangen, das Land als Instrument zur Zerstörung Russlands zu benutzen, behauptete er. Erreicht hĂ€tten die USA "ihr Ziel", auf dem europĂ€ischen Kontinent, Russland und die EU auseinander zu bringen. Der Kremlchef kritisierte auch die wachsende AktivitĂ€t der Nato vor den Grenzen Russlands - etwa in Finnland, das allerdings erst im Zuge von Putins Krieg Mitglied in dem MilitĂ€rbĂŒndnis wurde.
Putin erklĂ€rte zudem öffentlich, dass der Krieg gegen die Ukraine Probleme in der russischen Verteidigung aufgezeigt habe. So brauche Russland mehr Drohnen, eine bessere Flugabwehr und ein modernes Satellitenkommunikationssystem. Zugleich lobte er die Modernisierung der strategischen Waffen der Atommacht. So seien etwa vier Langstreckenbomber vom Typ Tu-160M sowie vier Atom-U-Boote in Betrieb genommen worden. Bis Jahresende sollten 15 neue Startkomplexe fĂŒr die Interkontinentalraketen vom Typ Jars und Avantgard einsatzbereit sein.
Unmittelbar vor Putins Auftritt schoss die russische Flugabwehr nach Angaben des Verteidigungsministeriums im Moskauer Gebiet eine ukrainische Drohne ab. Moskaus BĂŒrgermeister Sergej Sobjanin teilte mit, es habe keine Verletzten oder SchĂ€den gegeben. Der internationale Flughafen Wnukowo meldete nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Ria Nowosti im Zuge des Drohnenangriffs gegen Mittag EinschrĂ€nkungen bei Starts und Landungen.
In sozialen Netzwerken gab es zudem Berichte, dass der Flugverkehr auch auf den Hauptstadt-FlughÀfen Domodedowo und Schukowski eingeschrÀnkt sei. Wenig spÀter lief der Verkehr wieder normal. Zuvor hatte die russische Flugabwehr auch den Abschuss von Drohnen in den Gebieten Brjansk und Kaluga gemeldet.
In Kiew wiederum lieĂ der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj unter schĂ€rfsten Sicherheitsvorkehrungen fĂŒr den spĂ€ten Nachmittag zu einer Jahrespressekonferenz einladen. Es wurde erwartet, dass auch Selenskyj sich zum Kriegsverlauf und zu den Zielen fĂŒr 2024 Ă€uĂert. Schon vorab hatte er vor allem eine StĂ€rkung der Luftverteidigung des Landes angekĂŒndigt. Die ukrainische Flugabwehr hat am Dienstag nach eigenen Angaben zwei russische Drohnen abgeschossen.

