Schröder, Ukrainer

Schröder: Ukrainer durften keinen Frieden vereinbaren

21.10.2023 - 21:01:17

Kurz nach dem russischen Angriff auf die Ukraine versuchte Gerhard Schröder sich ohne Abstimmung mit der Bundesregierung als Vermittler. Im RĂŒckblick Ă€ußert er eine brisante Vermutung.

Der Altkanzler und Freund des russischen PrĂ€sidenten Wladimir Putin, Gerhard Schröder, hat die Vermutung geĂ€ußert, dass die USA kurz nach Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine einen schnellen Friedensschluss verhindert hĂ€tten. Bei Verhandlungen im MĂ€rz 2022 in Istanbul hĂ€tten die Ukrainer keinen Frieden vereinbart, «weil sie nicht durften», sagte der Sozialdemokrat der «Berliner Zeitung».

«Die mussten bei allem, was sie beredet haben, erst bei den Amerikanern nachfragen.» Worauf er diese EinschĂ€tzung konkret stĂŒtzt, blieb offen. Der 79-JĂ€hrige steht in der Kritik, weil er sich trotz des Kriegs in der Ukraine zur Freundschaft mit Putin bekennt.

Nach Beginn des Krieges im Februar vergangenen Jahres hatten sich Vertreter Russlands und der Ukraine mehrfach zu Verhandlungen getroffen, unter anderem auch in der TĂŒrkei. Nach russischen Angaben kam es dabei auch zu einer Einigung, die allerdings nicht umgesetzt wurde. Moskau warf Kiew vor, die getroffenen Vereinbarungen fĂŒr eine Beendigung des Konflikts auf Geheiß Washingtons zum Scheitern gebracht zu haben. Die Ukraine begrĂŒndete den Abbruch der Verhandlungen unter anderem mit dem Bekanntwerden der Kriegsverbrechen in Butscha. In dem Ort nahe Kiew wurden Hunderte Leichen von Zivilisten gefunden. Der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj hatte dann per Dekret weitere Verhandlungen mit Russland untersagt. Putin betonte in den vergangenen Tagen, dass es neue Verhandlungen erst geben könne, wenn das Verbot aufgehoben werde.

Schröder reiste im MÀrz 2022 nach Moskau

Schröder war im MÀrz 2022 gut zwei Wochen nach Kriegsbeginn ohne Abstimmung mit der Bundesregierung nach Moskau gereist, um mit Putin zu sprechen. Einem damaligen Bericht der «New York Times» zufolge wurde er im Kreml wie ein Staats- oder Regierungschef empfangen.

Der «Berliner Zeitung» sagte Schröder, er selbst habe 2022 die Bitte aus der Ukraine bekommen, zwischen dem Land und Russland zu vermitteln. «Die Frage war, ob ich Putin eine Botschaft ĂŒbermitteln könne. Es kĂ€me auch jemand mit, der ein sehr enges VerhĂ€ltnis hĂ€tte zum ukrainischen PrĂ€sidenten selbst. Das war Rustem Umjerow, der heutige Verteidigungsminister der Ukraine», sagte Schröder. Er habe mit Umjerow zwei GesprĂ€che gefĂŒhrt, dann mit Putin ein Vier-Augen-GesprĂ€ch und danach mit Putins Gesandten, sagte Schröder. Bei den GesprĂ€chen am 7. und 13. MĂ€rz 2022 sei von Butscha noch nichts bekannt gewesen.

Umjerow habe bei den Verhandlungen Bereitschaft zu ZugestĂ€ndnissen gezeigt, etwa dass die Ukraine keine Nato-Mitgliedschaft wolle. «Er sagte auch, dass die Ukraine Russisch im Donbass wieder einfĂŒhren will. Doch am Ende passierte nichts. Mein Eindruck: Es konnte nichts passieren, denn alles Weitere wurde in Washington entschieden.» Er sagte auch: «Die Amerikaner glauben, man kann die Russen klein halten.»

Schröder hat den russischen Angriffskrieg zwar stets kritisiert, aber fĂŒr eine Beibehaltung von Beziehungen zu Russland geworben und wiederholt etwa von Verhandlungsbereitschaft des Kreml gesprochen. Solche Positionierungen und seine Russland-Verbindungen brachten ihm viel Kritik ein. Die ParteifĂŒhrung der SPD hat sich nach der russischen Invasion immer wieder deutlich von Schröder distanziert und ihn fĂŒr isoliert in der Partei erklĂ€rt. Ein von 17 Parteigliederungen ins Rollen gebrachtes Parteiausschlussverfahren scheiterte aber.

@ dpa.de