GDL-Streik, Bahn

GDL-Streik lÀuft - Bahn zieht vor Landesarbeitsgericht

12.03.2024 - 09:18:43

Kurz vor den Osterferien hÀufen sich die Streiks bei der Bahn. Schon wieder geht nur wenig auf der Schiene. Die FahrgÀste brauchen erneut Geduld.

Ein Streik der LokfĂŒhrergewerkschaft GDL fĂŒhrt seit dem frĂŒhen Dienstagmorgen zu erheblichen EinschrĂ€nkungen fĂŒr FahrgĂ€ste im Fern-, Regional- und S-Bahnverkehr der Deutschen Bahn.

«Es ist uns gelungen, im Fernverkehr trotz der kurzfristigen StreikankĂŒndigung der GDL wieder ein Grundangebot von rund 20 Prozent des ĂŒblichen Fahrplans anzubieten», sagte eine Bahnsprecherin. Im Regionalverkehr ist das Angebot je nach Region unterschiedlich. FahrgĂ€ste werden gebeten, sich ĂŒber die AuskunftskanĂ€le der Bahn ĂŒber ihre Verbindungen zu informieren.

«Wir werden am morgigen Mittwoch wieder sehr schnell zum Normalbetrieb ĂŒbergehen und im Personenverkehr wieder das volle Programm fĂŒr unsere FahrgĂ€ste bieten», sagte Bahnsprecher Achim Stauß. Die Bahn appellierte an die GDL, kĂŒnftige mögliche Streiks wieder mit mehr Vorlauf anzukĂŒndigen. Erst am Sonntagabend hatte die Gewerkschaft ĂŒber den anstehenden Ausstand informiert. Mit solchen sogenannten Wellenstreiks - kĂŒrzere und kurzfristigere ArbeitskĂ€mpfe - will GDL-Chef Weselsky den Druck auf die Arbeitgeberseite erhöhen.

Die Bahn hatte am Montagabend versucht, den Streik im letzten Augenblick gerichtlich stoppen zu lassen. Sie scheiterte damit vor dem Arbeitsgericht in Frankfurt. «Das Gericht hat es zum wiederholten Male bestĂ€tigt: Die Streiks der GDL sind verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig, zulĂ€ssig, rechtmĂ€ĂŸig und somit geeignet, die berechtigten Forderungen der Eisenbahnerinnen und Eisenbahner mittels Arbeitskampf weiterzuverfolgen», teilte Weselsky mit.

Berufungsverhandlung am Dienstag

Gleichwohl will die Bahn am Dienstag in Berufung gehen. Am Mittag sollen die Verhandlungen vor dem Landesarbeitsgericht Hessen beginnen. «Es ist unsere Pflicht, im Sinne der Kundinnen und Kunden wirklich alles zu tun, um diesen oder auch mögliche spĂ€tere Streiks zu stoppen und hier eine Gerichtsentscheidung auch in der Berufungsinstanz herbeizufĂŒhren», sagte Sprecher Stauß.

Sollte das Gericht im Sinne der Bahn entscheiden, wĂ€re der Arbeitskampf zwar formal gestoppt. Die Auswirkungen fĂŒr die FahrgĂ€ste blieben am Dienstag aber bestehen. Wann eine Entscheidung fĂ€llt, war am Vormittag nicht absehbar.

Eine AnnĂ€herung hatte es auch vor dem Arbeitsgericht nicht gegeben. Die GDL fordert eine Verringerung der Wochenarbeitszeit fĂŒr Schichtarbeiter von 38 auf 35 Stunden bis 2028 ohne finanzielle Einbußen. Die Bahn war bisher bereit, sich auf eine Absenkung auf 36 Stunden bei gleichem Lohn einzulassen. Einen entsprechenden Vorschlag hatten externe Vermittler in moderierten Verhandlungen als Kompromiss unterbreitet. Die Gewerkschaft lehnt das ab.

AbschlĂŒsse mit Bahnrivalen

Sie verweist dabei auf AbschlĂŒsse mit knapp 30 weiteren Eisenbahnunternehmen, bei denen sie ihre Forderung durchsetzen konnte. Diese AbschlĂŒsse stehen allerdings unter dem Vorbehalt, dass auch der BranchenfĂŒhrer Deutsche Bahn der 35-Stunden-Woche zustimmt. Andernfalls werden die TarifvertrĂ€ge bei den Wettbewerbern entsprechend angepasst.

Der Branchenverband Mofair, in dem die Konkurrenten der Bahn im Personenverkehr organisiert sind, wies am Montag zudem darauf hin, dass die eigenen Unternehmen angesichts der angespannten wirtschaftlichen Situation keine andere Wahl gehabt hĂ€tten, als sich auf die Forderungen der GDL einzulassen. «Jeder Streiktag bedeutet fĂŒr die bestreikten Unternehmen massive wirtschaftliche SchĂ€den, die sie nur wenige Tage tragen können», teilte Mofair mit. Daher seien die AbschlĂŒsse mit der GDL alternativlos gewesen.

Die Wettbewerber der Bahn seien eingezwĂ€ngt zwischen der Marktmacht der GDL und der fehlenden UnterstĂŒtzung der Auftraggeber, betonte der Verband. Die 35-Stunden-Woche sei der falsche Weg, um den ArbeitskrĂ€ftemangel der Branche anzugehen. «Sie wĂŒrde den vorhandenen Mangel kurz- und mittelfristig drastisch verschĂ€rfen.»

@ dpa.de