ZentralratsprÀsident, SchÀrfere

ZentralratsprÀsident: SchÀrfere Strafen gegen Antisemitismus

07.01.2024 - 14:49:50

LĂ€sst sich der zunehmende Antisemitismus in Deutschland durch mehr AufklĂ€rung in den Griff bekommen? Nein, sagt Josef Schuster. Er setzt auch auf mehr Abschreckung - und findet in der CSU einen VerbĂŒndeten.

Der PrĂ€sident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, hat sich fĂŒr eine schĂ€rfere Bestrafung von Antisemitismus ausgesprochen. «Bildung ist wichtig, aber genauso wichtig ist, dass man eine Abschreckung hat», sagte Schuster bei der Klausur der CSU-Bundestagsabgeordneten im Kloster Seeon. Er halte eine StrafverschĂ€rfung fĂŒr dringend notwendig.

Schuster begrĂŒĂŸte ausdrĂŒcklich den dazu von der CSU-Landesgruppe vorgelegten Forderungskatalog. Er sieht vor, die Hetze gegen den Staat Israel mit einer Freiheitsstrafe von mindestens sechs Monaten zu ahnden. Dazu mĂŒsse Antisemitismus als besonders schwerer Fall der Volksverhetzung im Strafgesetzbuch eingestuft werden.

Lob fĂŒr den CSU-Katalog

Er halte den Katalog fĂŒr «ausgesprochen gelungen», sagte Schuster. «Ich kann mir vorstellen, dass schĂ€rfere Strafen zu einer Abschreckung fĂŒhren.» Möglicherweise lache der eine oder andere TĂ€ter bei einer Strafe von sechs Monaten auf BewĂ€hrung. «Aber BewĂ€hrung heißt ja auch, dass er im Wiederholungsfall eben nicht mehr so mit dem blauen Auge davonkommt.»

Es bedrĂŒcke ihn, dass ĂŒber dieses Thema heute so gesprochen werden mĂŒsse. Noch vor zehn Jahren hĂ€tte er sich das nicht vorstellen können, sagte Schuster. Er kritisierte auch Gerichte fĂŒr manche ihrer Urteile. «Wenn ich mitunter Urteile sehe, wo bei antisemitischen Straftaten dann hingewiesen wird auf die schwere Kindheit, möglicherweise auf eine Fluchterfahrung, und das alles strafmildernd zum Urteil ist, dann muss ich mich fragen, ob hier wirklich entsprechend abgewogen wird wie es notwendig wĂ€re.»

Er sehe die grĂ¶ĂŸere Bedrohung im rechtsextremen Lager, sagte Schuster. Dazu komme ein zusĂ€tzliches Problem durch arabisch-, aber auch tĂŒrkisch-stĂ€mmige Migranten. «Und das Ganze potenziert sich.»

Dobrindt: Antisemitismus sehr stark auf Straßen zurĂŒckgefunden

CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt sagte, man habe feststellen mĂŒssen, «dass der Antisemitismus leider sehr stark auf deutsche Straßen zurĂŒckgefunden hat». Das sei ein Problem von Rechtsradikalen, aber auch «ein zugewandertes Problem» im migrantischen Milieu. «Es ist bedrĂŒckend zu sehen, was in den vergangenen Monaten da stattgefunden hat.» Die GesetzesverschĂ€rfungen seien nötig, «um dieses klare Signal zu geben, Deutschland steht unverrĂŒckbar an der Seite der JĂŒdinnen und Juden.»

Die CSU will daher auch erreichen, dass AuslĂ€nder, die antisemitisch straffĂ€llig werden, ausgewiesen werden. Wegen einer antisemitischen Straftat verurteilte Migranten mĂŒssten ihren Schutzstatus in Deutschland verlieren. Doppelstaatlern, die antisemitisch straffĂ€llig werden, soll der deutsche Pass entzogen werden. Die Sympathiewerbung fĂŒr Terrororganisationen sei wieder unter Strafe zu stellen. Das gelte auch fĂŒr die Beteiligung an einer feindseligen, antisemitischen Menschenmenge.

@ dpa.de